Boxberg

Von Bentley, BMW und Bugatti Der 21-jährige Samson Friesen macht seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker an Oldtimern

„Außergewöhnliche Autos sind die Normalität“

Morgan und Triumph, Ferrari und Porsche, MG und Jaguar: Samson Friesen macht seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker an historischen Autos.

Angeltürn. So stellt man sich eine Autowerkstatt vor: Schraubstock und Werkbank, Ratsche und Zange, Schraubenschlüssel und jede Menge Schrauben in unterschiedlichen Größen. Samson Friesen kennt sich hier aus, wie in seiner Westentasche. Der 21-Jährige baut im Betrieb von Georg Eck gerade einen Automotor zusammen: Doch keinen modernen Motorblock, sondern das Herzstück eines Triumph TR 6 aus den 1970er Jahren.

Mit wenigen Handgriffen ist die Ölwanne wieder am Motorblock dran. Zuvor hatte der junge Mann den kompletten Motor demontiert und auseinandergenommen, um ihn zu reinigen und den Schaden zu beheben. „Der Jaguar dort hatte kürzlich das gleiche Problem“, zeigt er mit dem Kopf auf das alte Gefährt. Bei der Revision wurden neue Lager eingebaut, die Kurbelwelle instandgesetzt.

Spaß am Tüfteln

Samson Friesen fühlt sich im Betrieb wohl. Der Nachbar von Eck hat als kleiner Junge schon häufig vorbeigeschaut und ein bisschen mitgeholfen. Dass er nun hier die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker macht, ist für ihn ein Glücksfall. „Eigentlich wollte ich Schneider werden“, erzählt der 21-Jährige mit einem Lächeln, während er unaufhaltsam am Motor weiterarbeitet. Dass dies gescheitert ist, stört ihn heute nicht mehr. Mit großer Akribie und Freude am Tüfteln hat er in der Angeltürner Werkstatt seine Berufung gefunden.

Beim Triumph muss die Röhre für den Ölstab eingesetzt werden. Es folgt der Zündverteiler. Klingt ganz einfach, bedarf aber einer sehr großen Präzision. Denn wenn das Teil nicht passgenau auf die Aussparung treffe, laufe der Motor nicht rund. Also holt Samson Friesen den Verteiler noch einmal heraus. Ein bisschen Nachjustieren mit dem Schraubenzieher und er sitzt perfekt.

Präzisionsarbeit

Rund 60 Stunden Arbeit steckt in der Revision eines alten Motors. Bevor er wieder in die Karosserie zurück kann, müssen noch Nockenwelle und Kipphebelwelle eingebaut werden. Es folgen Ventildeckel und Motorhalter, Abgaskrümmer und Ansaugkrümmer, Vergaser und Lüfter.

Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker hat in den meisten Werkstätten heutzutage aber zunächst wenig mit Schrauben zu tun. Die Erfahrung machte der junge Mann in der Schule. „Die Elektronik in den modernen Autos ist kompliziert.“ Im Rahmen der schulischen und überbetrieblichen Ausbildung, die Samson Friesen in Heilbronn absolviert, hat er sich aber auch das Thema rasch angeeignet. „Er ist Klassenbester“, freut sich sein Chef über das Engagement und die Gewissenhaftigkeit seines jungen Mitarbeiters, der in wenigen Monaten seine Prüfung machen wird. Und während viele junge Leute in ihrem Ausbildungsbetrieb lernen, wie man per Computer Fehler in der Elektronik ausliest, um anschließend das Problem zu beheben, steht in der Werkstatt von Georg Eck kein entsprechendes Gerät.

„Die Fehlersuche ist bei uns deshalb schwieriger. Aber dafür ist die Reparatur einfacher, weil beispielsweise der Motorraum früher nicht so verbaut war wie heute“, sagt der Auszubildende. Hilfestellung bietet den beiden Mechanikern das Werkstattbuch, das die Hersteller zu ihren Modellen herausgegeben haben. Hier wird detailliert der Aufbau des jeweiligen Wagens beschrieben.

Ersatzteil Marke Eigenbau

Den Computer benutzt Chef Georg Eck zwar auch täglich – um Ersatzteile für die Wagen zu ordern. Und was es auf dem Markt nicht (mehr) gibt, stellen die beiden schnell selbst her. Denn auch Drehen und Schweißen hat der junge Angeltürner mittlerweile von seinem Chef gelernt. Jüngst die Haltung für einen Vergaser war nicht schwierig. Die Kolbenhydraulik für einen Fensterheber bei einem BMW von 1954 stellte die beiden vor eine größere Herausforderung.

So manches historische Schätzchen steht in den Hallen von Georg Eck. Der Mechaniker, dessen Vater schon eine Werkstatt mit Autoverleih besessen hatte, ist gefragt. Zahlreiche Oldtimerliebhaber in der näheren und weiteren Region zählen zu den Kunden. Aber auch Prominente schätzen die Arbeit von Eck. „Wir hatten auch schon einen Oldtimer hier, in dem Prinz Charles und die Queen unterwegs waren“, verrät der Firmeninhaber.

Vom alten Bugatti von 1928 bis zum Bentley liefen schon einige Oldtimer durch die Hände von Georg Eck und seinem Mitarbeiter. „Tolle alte Autos sind bei uns Normalität.“ Die beiden geraten nicht so leicht ins Schwärmen. Nur beim Aston Martin und einem Toyota 2000 GT sieht es anders aus. Die sind Samsons absolute Traumwagen. Und der Prospekt des GT liegt direkt neben seinem Berichtsheft.

„Wir reparieren alles, was alt ist“, schmunzelt Eck und meint damit nicht nur vierrädrige Automobile. In der Ecke warten einige Motorräder auf die Generalüberholung.

Sound statt PS

Eine moderne Werkstatt habe ihn nie gereizt, meint der 21-Jährige, der das Schrauber-Gen im Blut hat. Denn auch in seiner Freizeit tüftelt er gerne. Am Fiat, den er privat fährt, hat er nicht nur den Motor überholt. Und er restauriert mit Begeisterung Fahrräder. Der Rausch der Geschwindigkeit ist es also nicht, der Samson Friesen reizt. „Mit PS oder Hubraum kenne ich mich nicht so aus, das interessiert mich weniger“, gesteht er nach einer Probefahrt mit einem Morgan mit V8-Motor im Retrolook, der in Kürze wieder an den schottischen Besitzer zurückgeht. Er kann sich am Sound der Motoren begeistern. Bei einem Ferrari F 40 packt ihn dann doch das Fieber. Sportmotor, Bi-Turbo, mehr als 400 PS, genialer Sound. „Da kommt Feuer raus. Und wenn man den Motor hört, muss man einfach grinsen.“ Damit fahren wollte er allerdings nicht, gibt Friesen zu.

Klar schraubt er gerne, hat keine Angst vor ölig-schwarzen Fingern. Aber genauso spannend wie die Wagen selbst findet Samson, wie sein Chef, die Besitzer der Karossen. Nicht nur Georg Eck, der auch schon im Rennzirkus gearbeitet hat, könnte einige Anekdoten erzählen. Denn ab und an lassen sie die Werkstatt in Angeltürn zu und sind in ganz Europa unterwegs, um so manches Vehikel wieder auf Vordermann zu bringen. In Kürze geht es nach Spanien zu einem Jaguar-Besitzer.

Der Motor des Triumph TR 6 muss jetzt erst einmal warten. Der Porsche auf der Hebebühne im leuchtenden Orange wird noch einer gründlichen Kontrolle unterzogen, bevor es auch hier zur Probefahrt geht. Schließlich will der Besitzer sein flottes Schmuckstück bald wieder zurück.