Boxberg

Kulturkirche Erbacher Ensemble gastierte mit großem Erfolg

Besondere Magie der Bäume

Unterschüpf.Der Betrachter wird aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, wenn er sich gelegentlich - gezielt und in Ruhe - die in jedem Winkel der Unterschüpfer Kulturkirche stehenden menschenhohen Holzskulpturen anschaut und verinnerlicht. So fand am Wochenende wieder ein besonderes Erlebnis in Verbindung dieser Kunstwerke statt.

In 100 Minuten woben drei Künstler in der Kulturkirche ein dichtes Geflecht aus experimenteller Klangwerkstatt, Liederabend und Konzertlesung. Alles drehte sich um die Materialität Holz, in dessen Welt Menschen leben. Auf diese Umkehrung zielte wohl die Komposition der Lieder und Literatur, die Franz Musiol in langen Jahren seiner Arbeit am Holz gesammelt hat: Natur ist kein totes Objekt, sondern beseelte, lebendige Welt, fein gefasert, unendlich vielfältig.

Schon der Anfang hatte es in sich. In einer freien Improvisation entlockte Gitarrist und Percussionist Richard Köhler der größten Holzskulptur im Eingangsbereich der Kirche wunderbare Klänge. Das setze sich an der Vielzahl von Holzinstrumenten fort, die er allesamt selbst gebaut hat. Teils zwischen Liedern und Lesungen, teils begleitend wurde deutlich, dass sich ein Musiker feinfühlig auf die Spur des Holzes begibt und archaische Klangfolgen freisetzt.

Darin gelang es Karin Lüneberger mit ihrer ruhigen, präzisen Sprechstimme eine Fülle von Poesie und Prosa zum Klingen zu bringen. Spätestens bei den Passagen von Hermann Hesse zur Kraft der Bäume verwandelte sich das Zeiterleben der Besucher und Besucherinnen.

Es war, als ob man allmählich selbst zum Baum wurde, geduldig, in die Tiefe verwurzelt, ausgerichtet auf das Wesentliche. In wenigen Minuten entfaltete sich eine geräumige Theologie der Natur, die zum Innehalten und Staunen einlud.

Der Konzertabend wurde schließlich durch den Gesang von Annemarie Quiring behutsam getragen. Sie interpretierte "Am Brunnen vor dem Tore", "Stark wie der Baum", "Mein Freund der Baum" und "Der Apfeltraum" bestechend klar und mit eindrücklicher Bühnenpräsenz.

Das fast zweistündige Programm, das Franz Musiol zusammengestellt hat, war gewiss nicht leicht eingängig. Aber wer sich mit den Künstlern auf den Weg machte, konnte inmitten der Holzskulpturen im Kirchenraum in das Geheimnis von Kunst eintauchen: Gedanken, Bilder und Stimmungen, ja Raum und Zeit werden für eine Dimension geöffnet, die menschliches Erleben weitet. Wahe