Boxberg

Fastnachtseröffnung in der Umpfertalstadt 60 Jahre "Bocknarren" und 111 Jahre Fastnacht in Boxberg

Bislang keine Regenten zu den Jubiläen

Boxberg.Die Bayern freuen sich auf ihren Fasching, im Rheinland geht's beim Karneval hoch her, im Alemannischen laufen an Fasnet die Masken durch die Straßen und in Boxberg wird Fastnacht gefeiert und das sei 111 Jahren. Seit Samstag um 11.11 Uhr haben in der ehemaligen kurpfälzischen Amtsstadt die FG "Narrhalla" und die Bocknarren das Zepter übernommen, und sie wollen es nach den Worten ihres Präsidenten Ralf Dittmann erst am Aschermittwoch, wenn alles vorbei ist, wieder abgeben.

In großer Zahl rückten am 11. November pünktlich um 11.11 Uhr die "Narrhalla"-Elferräte, samt alten und jungen närrischen Tollitäten, eingerahmt von den verschiedenen Gardemädchen, die "Tochtergesellschaft" der Elwetritsche, und die Bocknarren (in Zivil), unüberhörbar unterstützt von den "Umpferpfortzern" in den Rathaushof ein, um von Schultes Christian Kremer den Rathausschlüssel und die Stadtkasse zu übernehmen. Mit einer eigens dafür mitgebrachten Sackkarre sollte die Stadtschatulle abtransportiert werden - denn Boxberg ist ja schuldenfrei - doch dazu kam es nicht. Obernarr Ralf Dittmann stemmte die "Finanzlast" auch ohne fremde Hilfe.

In wohlgesetzten Worten begrüßte Dittmann die" Narrhalla"-Kollegen, Elwetritschefänger, Tanzmariechen, Garden, die Bocknarren und die Besucher mit dem Reim: "Guggen, Freunde und Vereine, alle wollen nur das eine. Das Leben war doch jetzt so trist, wir freuen uns, dass die neue Fastnachtssaison gekommen ist".

Zum 60. Geburtstag gratuliert

Dittmann versäumte es nicht, an dieser Stelle den Bocknarren zu ihrem 60. Geburtstag zu gratulieren. Sollte bei der einen oder anderen Feier Unterstützung nötig sein, stehe die "Narrhalla" zur Verfügung. Sein Willkommensgruß galt auch dem "Knaller der Region", der Guggenmusik "Umpferpfortzer", die mit heißen Rhythmen und Stimmung pur" für große Begeisterung bei ihren Auftritten sorgen. Auch für den Dritten im Bunde, den VfB Boxberg, hatte Dittmann einen aufmunternden Vers parat: "Gewinnt jeden Sonntag immer g'scheid, dann ist der Aufstieg eine Kleinigkeit".

In einem kleinen geschichtlichen Rückblick erinnerte der "Narrhalla"-Vorsitzende 1906, in dem alten Aufzeichnungen zufolge, erstmals "närrisches Treiben" innerhalb der Mauern der ehemaligen Amtsstadt herrschte. Im gleichen Jahr wurde übrigens auch der legendäre SPD-Spitzenpolitiker Herbert Wehner geboren und im Berliner Turm hielt ein (bis dahin) unbekannter und arbeitsloser Schuster namens Friedrich-Wilhelm Voigt als "Hauptmann von Köpenick" die Obrigkeit zum Narren.

Der Vorläufer zum Boxberger Rathaussturm hat also auch einen historisch belegten Hintergrund, wie Dittmann folgerichtig feststellte und er lüftete auch gleich das Geheimnis der gelben Sackkarre auf der Rathaustreppe. "Den Sackkarren habe ich dabei, denn Boxberg ist ja schuldenfrei. Rücklagen, Einnahmen, wir tun sparen, das viele Geld muss man jetzt fahren". Der Rathauschef nahm's mit Fassung, wünschte dem Boxberger Narrenvolk viele vergnügte und unterhaltsame Stunden in der bevorstehenden Saison und übergab sein Schärflein ohne zu murren.

Gemütliches Beisammensein

Im Verlauf des anschließenden gemütlichen Beisammenseins im Ratskeller stellte "Narrhalla"-Vorsitzender Gerd Schlesinger den Jahresorden der FG vor, den Thomas Schmeißer entworfen und gestaltet hat. Das Motiv des Ordens befasst sich mit den beiden Geburtstagen und zeigt in einer Person den Bocknarr mit dem "Markenzeichen" der Zunft, der Saublase und einen mit Fangsack ausgerüsteten Elwetritschefänger auf der "Jagd".

Blumen gab es zum Schluss der Veranstaltung von Ralf Dittmann und Gerd Schlesinger für die scheidenden Prinzenpaare der Kampagne 2016/17, Prinzessin Michaela I. und Prinz Patrik I. sowie für Kinderprinzessin Luna I. und ihren Begleiter Prinz Fabian I. Einziger Schönheitsfehler: Ausgerechnet in der Jubiläumssaison hat die FG "Narrhalla" Boxberg noch keine närrischen Regenten. Interessenten können sich gerne melden und auch für das närrische Nachrichtenmagazin "Buchfink" können noch Beiträge eingereicht werden.