Boxberg

Gemeinderat Waldbegehung zeigte die vielfältigen Arbeiten zur Sicherung eines guten Bestandes / Stellvertretender Amtsleiter Karlheinz Mechler zufrieden

"Der am meisten unterschätzte Wald"

Was alles im Wald getan werden muss, um auch künftig gute Erträge zu erzielen, stand im Mittelpunkt der Waldbegehung des Gemeinderats Boxberg.

Boxberg. "Der Gemeinderat wird weiter zu seinem Wald stehen" lautete das Fazit von Bürgermeister Christian Kremer am Ende der traditionellen Waldbegehung mit dem Gemeinderat, den beiden Revierleitern Ulrich Weiland und Elmar Burger, dem stellvertretenden Amtsleiter Karlheinz Mechler sowie der Leiterin des Kreisforstamts, Dagmar Wulfes.

Die vor zwei Jahren beschlossenen Zielsetzungen der Waldbewirtschaftung im Boxberger Stadtwald hatte eingangs Bürgermeister Kremer nochmals in Erinnerung gerufen. Konsequente Förderung der Eiche und Erhaltung des Starkholzvorrats, langfristig das Erreichen eines 20-prozentigen Anteils an raschwüchsigen Nadelbäumen sowie ein Nutzungsverzicht in ausgewählten strukturreichen Waldbeständen.

Kartellverfahren

Natürlich sprach das Stadtoberhaupt auch die möglichen Auswirkungen des Kartellverfahrens an. Es werde sich auf jeden Fall einiges ändern. Christian Kremer hofft aber auf gute Zusammenarbeit mit den Privatwaldbesitzern und dem Kreisforstamt. "Ich wäre froh, wenn wir das auch weiterhin gemeinsam hinbekommen."

Einen eher abgelegenen Bereich, der auch für viele Gemeinderäte Neuland war, hatte Karlheinz Mechler mit seinen Revierleitern für die Waldbegehung ausgesucht - die "Buchhelle" auf der Gemarkung Unterschüpf. Dort wollte er zusammen mit seinen Kollegen in verschiedenen Beständen zeigen, wie diese Zielsetzungen praktisch umgesetzt werden und wie sie sich konkret auf den Wald auswirken.

Die Douglasie war der dominierende Baum im ersten Waldbild. Zu sehen war ein Bestand, dessen Großteil auf Anpflanzungen aus den 60er Jahren zurückgeht, als es große Umwälzungen im Forst gab. "So etwas haben wir auch heute vor", so Karlheinz Mechler.

Konkret stellte Revierleiter Ulrich Weiland das 5,6 Hektar große Einsatzgebiet eines Harvesters vor. Alle fünf Jahre sollen hier rund 65 Festmeter je Hektar entnommen werden. "In zehn Jahren wachsen auf dem Bestand 150 Festmeter zu. Wir holen also etwa die Hälfte davon heraus", ergänzte Amtsleiterin Dagmar Wulfes.

Unter dem Strich sollten 12 000 bis 13 000 Euro für die Stadt herausspringen, allerdings gehen davon die Kosten für die Sanierung der betroffenen Wege wiederum ab.

Erstaunlich ist - und da waren sich alle Forstleute einig - dass auf dem eigentlich gar nicht so guten Standort sehr schöne und starke Bäume gewachsen sind. Und die Douglasie habe auch gute Zukunftsaussichten, gedeihe sie doch gerade auf trockenen Böden gut, was angesichts des Klimaverlaufs sicher nicht schlecht sei. In einem weiteren Waldbereich steht eine Durchforstung an. Die Forstleute erläuterten den Gemeinderäten das Vorgehen. Von Beginn an werden in einem Bestand sogenannte "Zukunftsbäume" ausgewählt. Das sind natürlich die jeweils am besten entwickelten. Ein blauer Punkt auf dem Stamm ist das Zeichen. Damit sie ungestört wachsen können, müssen alle Nachbarn, die die Kronenentwicklung behindern, entfernt werden. Diese Bäume werden rot markiert. Zu beachten ist aber auch, dass das Sonnenlicht nicht direkt auf den Stamm der Zukunftsbäume fallen soll, um das Wachsen von Wasserreisern zu vermeiden.

Mit roten Sprühdosen ausgerüstet, durften dann einige Mitglieder des Gemeinderats unter Aufsicht der Forstleute einen Bestand selbst ablaufen und die Entscheidung treffen, welche Hölzer "im Weg sind".

Das Thema "Eiche" wurde ebenfalls in unterschiedlichen Beständen in Augenschein genommen. Gegenüber dem Douglasienbestand zeigte sich an einem steilen Hang ein ganz anderes Bild. Hier wächst zwar Eiche, aber es gibt nur wenig wertvolles Holz. Hier soll ein Waldrefugium ausgewiesen werden, das sich selbst überlassen wird. Dieses Areal kann dann zum Beispiel als Ausgleich für Eingriffe, wie beim Bau von Windrädern, dienen.

Sehr schöne junge Eichen gab es dagegen beim letzten Waldbild zu sehen. Hier waren die großen Eichenmastjahre 1976 und 1982 genutzt worden, um auf einer Fläche von 3,8 Hektar eine Naturverjüngung zu erhalten.

Eine Menge Arbeit

Auf dem Weg zu einem in vielen Jahrzehnten wertvollen Altholzbestand liegt aber eine Menge Arbeit für die Forstleute, wie Karlheinz Mechler erläuterte. Ohne regelmäßige Durchforstungen unter den schon beim Douglasienbestand erläuterten Vorgaben gebe es die erwünsche Entwicklung nicht. Im jetzt besuchten Abschnitt stehe nun eine weitere Durchforstung an.

Insgesamt, so das Fazit der Mitarbeiter im Forstamt, könne man im Boxberger Stadtwald zufrieden mit der Entwicklung sein. "Er ist der am meisten unterschätzte Wald im gesamten Kreis", so Karlheinz Mechler. Es gebe viel Brauchbares, so dass man auch in Zukunft auf gute Erträge hoffen darf.