Boxberg

Vernissage Gemäldeausstellung zum Maimarkt im Boxberger Rathaus eröffnet / Werke von Hans Hermann Schmidt und Gerd Behrendt zu sehen

Emotionen und Empfindungen der Seele

Archivartikel

Zwei ganz unterschiedliche Künstler, die doch vieles gemeinsam haben, sind bei der Gemäldeausstellung im Rathaus zu erleben: Gerd Behrendt und Hans Hermann Schmidt.

Boxberg. Exzellente Arbeiten von großer Aussagekraft und der Weiterentwicklung der Künstler: Das zeigt die Doppelausstellung mit Werken von Hans Hermann Schmidt aus Neunkirchen und dem 2015 gestorbenen Königshöfer Gerd Behrendt.

Bei der Eröffnung am Freitag bei strahlendem Sonnenschein im Rathaushof freute sich Bürgermeister Christian Kremer über die spannenden Objekte. „Die Ausstellung ist ein Höhepunkt im kulturellen Leben der Stadt und ein guter Treffpunkt für Kunstschaffende in der Region.“ Gerade auf die künstlerische Weiterentwicklung von Hans Hermann Schmidt, der bereits 2007 im Boxberger Rathaus seine Werke präsentierte, war Kremer gespannt.

Glücksfall

Als „Glücksfall“ bezeichnete er die Möglichkeit, die Werke von Gerd Behrendt, genannt „Gogo“, zu zeigen, dessen Arbeit als Karikaturist er bei verschiedenen Städtetouren selbst erlebt hat und schätzt. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage vom Saxofonquartett des „Musikvereins Umpfertal“.

Froh über die Ausstellung war auch Norbert Gleich. Der Vorsitzende des Kunstkreises Lauda-Königshofen führte sehr persönlich in das jeweilige Werk ein. Denn alle drei kannten sich beruflich, hatten Berührungspunkte mit der Bundeswehr: Während der 1935 in Berlin geborene Gerd Behrendt als Stabsoffizier in der Tauberfranken-Kaserne in Lauda stationiert war, trug Hans Hermann Schmidt als Leiter der Standortverwaltung Tauberbischofsheim Verantwortung.

Dass „Gogo“ Behrendt „nicht gut genug“ für eine Ausstellung sei, wie der Künstler immer als Begründung für die Ablehnung einer Ausstellung betont habe, fand Gleich nicht. Und der freute sich, dass dessen Frau Renate in eine posthume Werkschau in der Galerie „das auge“ eingewilligt habe.

Die Zeichnungen, Aquarelle, Öl- und Acrylmalereien aus vielen Jahrzehnten sind nun in Boxberg zu sehen. Behrendt hat in ganz unterschiedlichen Stilrichtungen gearbeitet: im klassischen Naturalismus, im Kubismus, im Impressionismus. Und Zeitungslesern sind aus den 1960er bis 1980er Jahren seine Karikaturen noch in Erinnerung. Von Reiseerlebnissen, die auf Papier und Leinwand gebannt wurden, bis zu Geschichtsdokumentationen während der Flucht 1945 oder seiner Bundeswehrzeit spannt die Schau einen breiten Rahmen des sehr umfangreichen Werks. „Beurteilung der jeweiligen Ereignisse, zeichnerisches Können und schlitzohriger Humor waren die Komponenten“, beschrieb Gleich Behrendts, der auch ein Schmunzeln beim Betrachter hervorlocken wollte.

Eine große Bandbreite hat auch Hans Hermann Schmidt zu bieten. Der Neunkirchner, der bereits mit fünf Jahren zu zeichnen begonnen hatte, zeigt neben frühen Werken, meist Stillleben und naturalistische Arbeiten, vor allem sein jüngstes künstlerisches Schaffen. „Ich würde gerne noch verrückter und kreativer malen“, sagt er selbst von sich.

Farbe ins Leben bringen

Gleich schätzte an der Arbeit des gebürtigen Franken dessen Streben, Farbe in das Leben zu bringen. Eine kraftvolle Farbintensität bestimmt die unterschiedlichen Stile, lässt positive Impulse frei werden. Heute entstünden die Bilder in einem zügigen spontanen Malvorgang, so Gleich über den aktuellen Stil der „Form- und Farbchiffren“. Und damit drücke Schmidt das Seelenleben eines Künstlers aus. „Er lässt beim Zeichnen seinen Gefühlen freien Lauf.“ Farbakzente würden bewusst gesetzt. Die Wirkung der Bilder: „Fröhlichkeit und Heiterkeit.“

Energiegeladen

Welch positive Energie und intuitives Gestalten in Schmidts Bildern zum Tragen kommt, konnten die Besucher anschließend selbst im Glasbau und im Sitzungssaal des Rathauses erleben. Den Widerhall aus den Arbeiten sowie aus Behrendts Werk, das im Erdgeschoss gezeigt wird, wünschte Norbert Gleich den Besuchern der Vernissage und allen Betrachtern.