Boxberg

Evangelisches Gemeindehaus Ab heute gehört es dem Schwabhäuser Heimat- und Kulturverein

„Es war ein langer Weg bis hierher“

Archivartikel

Ab heute gehört das evangelische Gemeindehaus Schwabhausen nicht mehr der Kirchengemeinde, sondern dem Heimat- und Kulturverein (HuK).

Schwabhausen. Kirchengemeinderatsvorsitzender Albrecht Dünkel und Pfarrer Tecklenburg unterzeichneten einen entsprechenden Vertrag im Beisein von Notar Dr. Eckert in Neubrunn. Für den HuK zeichneten die beiden Vertreter Dietmar Hofmann, Vorsitzender und Ortsvorsteher von Schwabhausen, sowie Harry Weber, zweiter Vorsitzender. Fachlich beraten wurden sie von Anwältin Schürle aus Schillingstadt. „Es war ein langer Weg bis hierher“, so Hofmann.

Haushalt nicht mehr gedeckt

Vor drei Jahren trat der Kirchengemeinderat an die Öffentlichkeit. Das Gemeindehaus könne durch den laufenden Haushalt mittelfristig nicht mehr unterhalten werden. Schon in den letzten Jahren war der Haushalt der Kirchengemeinde nicht mehr gedeckt. Die Idee, die Stadt Boxberg könnte das Gebäude für einen Euro kaufen und dann dem Ort übertragen, war zur Enttäuschung vieler gescheitert.

„Uns Schwabhäusern blieb als zweite Option, die Sache selbst in die Hand zu nehmen“, so Ortsvorsteher Hofmann.

Und Pfarrer Tecklenburg ergänzt: „Es braucht mutige Menschen, die Verantwortung für die Dorfgemeinschaft übernehmen, damit in einem kleinen Dorf eben auch Gemeinschaft gelebt werden kann.“

Ein Verein wurde gegründet – der HuK, mit dem Ziel, das Gemeindehaus als Dorfgemeinschaftshaus für Schwabhausen zu erhalten. „Es ist ja nicht so, dass nur die Kirche mit ihren Seniorennachmittagen und den Kindergottesdiensten das Gebäude nutzt – alternativ und ergänzend zum Sportheim steht es den Schwabhäusern für Hochzeiten, Tauffeiern und Geburtstagspartys zu Verfügung. Die Vereine nutzen das Gemeindehaus zudem für kulturelle Veranstaltungen, die das Dorfleben bereichern und bei denen sie durch die eigene Bewirtung ihre Vereinskasse aufbessern können. Da reicht das Feuerwehrhaus oder der Bürgersaal von der Größe nicht aus“, so Pfarrer Tecklenburg. „Hinzu kommt“, meint Harry Weber, „dass das Haus für den Kindergarten ein Qualitätsmerkmal ist. Hier gehen die Kinder zum Sport und es gibt im Gemeindehaus ein eigenes Vorschulzimmer. Das Gebäude des Kindergartens ist einfach sehr klein für heutige zukunftsorientierte Kinderpädagogik.“

Kirchengemeinde als Mieter

Seit heute ist die Kirchengemeinde nun Mieter und darf in den nächsten 25 Jahren den Wert des Gebäudes, nach Gutachten 85 000 Euro, abwohnen.

Für die Nebenkosten muss sie aber aufkommen. All dies ist in einem Nutzungsvertrag geregelt. Grund- und Boden ist im Wert nicht mit eingerechnet – das Grundstück wurde damals der Kirchengemeinde von der Stadt Boxberg geschenkt – und diese schenkt es nun dem Ortsteil Schwabhausen.

„Entscheidend“, so Pfarrer Tecklenburg, „ist doch, dass die Menschen, die sich vor dem 1. August in all den Jahren für das Gemeindehaus engagiert haben, im Wesentlichen dieselben Menschen sind, die sich jetzt für den Erhalt des Dorfgemeinschaftshauses einsetzen, ja letztlich ist der Kreis sogar größer geworden. Zur Kirchengemeinde zählen 396 Christen, zur Ortsgemeinde Schwabhausen 571 Bürger. Die Schnittmenge von gemeinsamen Interessen ist also groß. Im Vorstand des Vereins sind fast ausschließlich Kirchengemeindemitglieder. Wenn wir 571 Mitglieder für den Heimat- und Kulturverein werben könnten, wäre das fantastisch. Das Haus soll weiter Schwabhausen beleben und die Schwabhäuser sollen weiter das Haus mit Leben füllen. Der Grundstein dafür wurde mit dem Bau des Gemeindehauses im August 1967 gelegt. Über 50 Jahre danach soll weiterhin gelten: Ein Haus für alle Schwabhäuser.“ sd