Boxberg

Katholischer Akademikerverband Vortrag befasst sich mit Theodizee

Frage nach Gottes Gegenwart im Leid

Archivartikel

Main-Tauber-kreis.Leid, Schmerz und Tod sind untrennbar mit dem Leben verbunden. Daher ist auch die Frage nach dem Leid so alt wie die Menschheit selbst. Was für die meisten Menschen als Schicksal angesehen wird, gilt für andere als Zeit der Prüfung und Reifung. Auch in der Bibel wird die Frage nach dem Sinn des Leides gestellt: Warum lässt ein guter Gott Leid zu? Warum hat Gott eine Welt erschaffen, in der es Schmerzen gibt? Mit dieser Thematik befasste sich der katholische Akademikerverband (KAV) bei einem Vortrag im Gemeindehaus St. Bonifatius in Tauberbischofsheim, zu dem eine stattliche Anzahl von Zuhörern gekommen war.

Die Vorsitzende, Rosemarie Münch war erfreut, dass Dr. Margarete Eirich für den Vortrag „Gott und das Leid. Zur Problematik der Theodizee“ gewonnen werden konnte.

Bei ihren Ausführungen veranschaulichte Dr. Margarete Eirich das schwierige Thema der Theodizee mit entsprechendem Bildmaterial. Auch ein Begleitblatt zur begrifflichen Einordnung erleichterte den Zugang zur Problematik.

Ausgehend vom Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz, der erstmals den Begriff Theodizee verwendete und sich in Auseinandersetzung mit Einwänden des Philosophen Pierre Bayle für eine Vereinbarkeit des Übels in der Welt mit der Existenz eines allmächtigen und zugleich gütigen Gottes einsetzte, schilderte die Referentin das immer wieder auftretende Unterfangen, Gott vor den Richterstuhl der menschlichen Vernunft zu ziehen und angesichts von Schmerzen und Leid eine Rechtfertigung von Gottes zu verlangen. Bereits in antiken Kulturen wie auch im Alten Testament sei das Warum von Leid eine wiederholte Frage gewesen. Auch in den Psalmen – hier vor allem in den Klagepsalmen – sowie im Buch Hiob werde dies thematisiert.

Zur Veranschaulichung der verschiedenen Ansätze zur Erklärung von Leid im Alten Testament führte Dr. Eirich die verschiedenen Modelle des Theologen Klaus Koenen an. Dieser unterscheide zwischen Leid als Folge der eigenen Schuld, Leid als erzieherische Maßnahme Gottes, als Prüfung und als Teil eines göttlichen Planes. Außerdem könne man Leid als stellvertretendes Leid oder als Anfeindung der Gerechten wie im Buch Hiob finden.

Im Anschluss an das unermessliche Leid der planmäßigen Vernichtung menschlichen Lebens in der NS-Zeit wurde die Frage neu thematisiert. Nach Auschwitz habe der jüdische Philosoph Hans Jonas (1903-1993) keine Erklärung, für das „Nicht-Eingreifen“ Gottes gefunden und von einem ohnmächtigen Gott gesprochen. Dieser Ansatz habe jedoch zur Folge, dass der Täter immer über das Opfer siege, so die Kritik des Theologen Jan-Heiner Tück.

Ausführlich befasste sich die Referentin mit der kirchlichen Lehre zur Theodizee. So habe Gotte die Welt „sehr gut“ erschaffen (Gen 1,31). Doch diese Harmonie des Anfangs sei gemäß der Pastoralkonstitution des II. Vatikanischen Konzils durch die Sünde zerstört worden. Dadurch sei die Gottesebenbildlichkeit und somit die ursprüngliche erhabene Würde des Menschen geraubt worden. Gott lasse das Böse zu, weil er die Freiheit des Menschen achte. Zugleich aber suche Gott, seinen Heilsplan zu verwirklichen.

Die Referentin ging auf den Theodizee-Ansatz von Papst Johannes Paul II. ein, der mit dem Leitgedanken der „siegreichen Gegenwart Gottes inmitten des Unheils“ zusammengefasst werden kann. Demnach habe Gott durch die Erlösung das Böse besiegt, den „Hass durch die Liebe, den Tod durch die Auferstehung“. In ihren Anstößen spannte die Referentin einen Bogen von der Frage nach Gott und dem Leid hin zum Sinn von Schmerz und Leid überall auf der Welt. emü