Boxberg

Goldene Hochzeit Heidelore und Hannsjörg Schumacher haben sich vor 50 Jahren das Ja-Wort gegeben

"Ich dachte nur oho, als ich ihn sah"

Unterschüpf.An diesem Vormittag klingelt laufend das Telefon bei den Schumachers in Unterschüpf. Schon allein daran ist zu merken, dass ein größeres Ereignis ins Haus steht. Heidelore und Hannsjörg Schumacher feiern an diesem Wochenende ihre goldene Hochzeit. Während es am heutigen und eigentlichen Hochzeitstag noch ganz gemütlich zugehen wird, steht am Samstagvormittag für den Pfarrer im Ruhestand und seine Frau ein Gottesdienst inklusive Imbiss an und dann eine Feier mit der ganzen Familie, vielen Freunden und Bekannten.

Doch noch bleibt den Beiden ein wenig Zeit sich zu erinnern, wie alles angefangen hat. "Es war in Betberg, mitten im Markgräflerland", schmunzelt Hannsjörg Schumacher. Und Heidelore ergänzt: "Ich weiß noch genau, wie er die Treppe runter gestürmt kam. Ich dachte nur ,oho' damals", sagt sie und schaut ihn verträumt an.

"Ich war auf dieses Treffen schlecht vorbereitet", meint Schumacher verschmitzt. Eigentlich sollte der gerade in Ausbildung befindliche zukünftige Pfarrer nämlich der Pfarrerstochter und ihrer Freundin Heidelore bei einer schriftlichen Arbeit für das Staatsexamen, Richtung pflegerischische Gymnastik, helfen. Das war kurz vor Pfingsten 1966.

Geküsst und dann getanzt

"Wir haben uns erst geküsst und sind dann das erste Mal tanzen gegangen", diese Reihenfolge der Ereignisse wissen die Beiden noch genau. Zu welcher Musik man getanzt habe, bei der Frage muss Hannsjörg Schumacher passen. "Diese Musik war nicht so seine Richtung", grinst Heidelore.

Sie hingegen weiß es noch ganz genau: Drafi Deutschers "Marmor, Stein und Eisen bricht", kommt wie aus der Pistole geschossen.

Relativ schnell stand fest: "Wir heiraten". Äußere Umstände zwangen die Beiden zu dieser zügigen Entscheidung, die bis heute natürlich keiner bereut hat. "Ich war ja selbst überrascht von meiner Schnelligkeit", sagt Hannsjörg.

Und weil die Beiden nicht abergläubisch sind, fiel der Termin auf Hannsjörgs 31. Geburtstag - Freitag, den 13. Oktober. In einem Rutsch wurde in Neckartailfingen im Landkreis Esslingen sowohl standesamtlich als auch kirchlich geheiratet. Weite Spitzenärmel und Pillbox-Hut waren damals bei Brautkleidern hoch modern. "Was glauben Sie, wie sehr meine Schneiderin damals über den kurzen Schleier geschimpft hat", Hannelore hält sich ein wenig kichernd die Hand vor die Lippen, während Hannsjörg das Hochzeitsbild vom Klavier nimmt.

Viel erlebt

50 Jahre ist es her, dass es entstanden ist. Heidelore und Hannsjörg Schumacher haben in der Zeit viel erlebt. Im Jahr 1968 stellt sich die erste Tochter Cäcilie ein. 1972 folgen Katharina und Albert. "In dem Jahr lief die Waschmaschine ununterbrochen", erinnert sich Heidelore. Auch dass die Wegwerfwindeln gerade erst aufkamen. Trotzdem bezeichnen beide diese Zeit als ihre schönste.

Ein Urlaub auf Juist, Auftritte von Heidelore mit dem Taubertalquartett oder von Tochter Cäcilie bei einem Open Air-Konzert, die Geburt des Enkelchens - im gemeinsamen Leben der Beiden gab es viele schöne Momente.

"Die vielen Umzüge waren nicht so einfach", meint Heidelore Schumacher rückblickend. Dass man sie als Frau des Pfarrers immer auch genau beobachtete, war ihr bewusst. "Ich war ein verrücktes Huhn. Aber alle haben sich schnell daran gewöhnt", meint sie. Minirock getragen hat sie trotzdem nicht. "Meine Beine waren nicht so schön", winkt sie ab. Ihre Funktion als Frau des Pfarrers lag ihr trotzdem. Vor allem, wenn ihr Hannsjörg Schumacher die gerade verfassten Predigten vorab vortrug. Natürlich gab es da schon mal Kritik ihrerseits. "Noch besser war, wenn er erkältet war und ich die Predigten vorlas und vielleicht sogar noch Rechtschreibfehler entdeckt habe ...", Heidelore lacht und schaut zu ihrem Mann herüber. Auch der muss grinsen. Weniger behagte ihr, dass man sie mit "Frau Pfarrerin" ansprach.

Doch das Leben hielt nicht nur eitel Sonnenschein für das Ehepaar bereit. Vor 20 Jahren erkrankte Heidelore an Krebs, konnte ihn aber besiegen. Heute hat sie mit den Auswirkungen der Parkinson-Erkrankung zu kämpfen, lässt sich davon aber nicht unterkriegen. Genau das schätzt Hannsjörg Schumacher an seiner Heidelore. "Und weil sie immer für mich da ist, mir viele Wünsche von den Augen abliest und früher ganz zauberhaft gesungen hat", schiebt er nach. Sie hingegen lobt seine Zuverlässigkeit und Genauigkeit. Beim Fototermin wird klar, wie sehr die Zwei ein Herz und eine Seele sind, denn einen kurzen Moment schauen sich die Beiden ganz verliebt an. Ein Rezept für eine glückliche Ehe haben sie nicht. Man müsse aufeinander eingehen und auch mal nachgeben, betonen sie einhellig.

Nur was den Musikgeschmack betrifft, da haben sich Schumachers lediglich annähern können. Während Hannsjörg Schumacher klassische Musik liebt, vorzugsweise von Bach, mag sie eher Mozart-Opern, oder auch mal Louis Armstrongs "What a wonderful world". Vielleicht werden ja am Samstag die Kinder oder der von Hannsjörg Schumacher gegründete Krautheimer Posaunenchor genau dieses Lied zum Besten geben. Dann wird es auf jeden Fall neben der Predigt seines Nachfolgers im Amt, Dr. Heiner Kücherer, für die beiden ein Gänsehautmoment werden. hei