Boxberg

Maimarkt Jungviehprämierung und Kälbervorführ-Wettbewerb lockte zahlreiche interessierte Besucher an / Organisator ist der Rinderzuchtverein Main-Tauber

Kira Kappes und Fina Ott siegen mit Kälbern

Landwirte müssen Öffentlichkeitsarbeit betreiben, denn immer weniger Menschen wissen, was auf dem Feld und im Stall so läuft.

Boxberg. Mit der Jungviehprämierung und dem Kälbervorführ-Wettbewerb auf dem Boxberger Maimarkt ist es dem Rinderzuchtverein Main-Tauber anschaulich gelungen, einer großen Zahl von Kindern, Familien und Verbrauchern die aktuelle Rinderzucht zu zeigen. Das Wetter passte, Publikum und Kinder waren begeistert dabei, und auch die Kälber, die Reißaus nahmen, wurden unter Applaus und Lachen des Publikums wieder eingefangen.

Besonders leistungsstark

Hermann Gehringer aus Schonach ist Vorsitzender des Zuchtvereins mit 70 Mitgliedern und 3000 Herdbuchkühen. „Der hiesige Verein ist einer von 45 in Baden-Württemberg, in dem mit 300 000 Kühen eine wissenschaftlich fundierte und erfolgreiche Zucht betrieben wird. 1000 besonders leistungsstarke und langlebige Kühe sind Bullenmütter, die mit ihren Söhnen die Grundlage des Zuchtprogramms bilden“, schilderte Gehringer.

„Mit dieser Schau wollen wir den Kontakt zur Stadtbevölkerung, unseren Kunden, stärken und zeigen, wie verantwortungsvoll wir mit den uns anvertrauten Geschöpfen umgehen. Auch freuen wir uns, wenn die Verbraucher uns bei der Stallarbeit besuchen und mit uns ins Gespräch kommen, denn nur so können falsche Vorstellungen richtiggestellt werden.“

Dem Idealismus der Boxberger Landwirtsfamilien Dietmar und Steffen Hofmann, Schwabhausen, Karsten Kappes, Bobstadt, und Weber GbR, Boxberg, muss Anerkennung gezollt werden. Sie sorgten dafür, dass diese Tradition erhalten bleibt. Heutzutage werden die Rinder artgerecht in Laufställen gehalten. Das Gewöhnen an den Strick und das Herrichten für die Schau macht mit den freiheitsgewohnten Vierbeinern viel Arbeit und kostet manchen Schweißtropfen.

Für den Laien wirken alle Rinder gleich. Sie haben vier Beine, einen sanften Blick und zeigen manchmal ihren eigenen Willen. Für die Zuchtrichter Michael Schmidt und Otto Hennegriff ist jedes Rind ein Individuum. Sie erfreuen sich an der Ausstrahlung, dem korrekten Becken, der besten Euteranlage, der hohen Mutterleistung und dem perfekten Doppelnutzungstyp. Sie beurteilen die Oberlinie und die Strichplatzierung, sie sprechen von trockenem Fundament, sehen Unterschiede in Länge, Typ, Tiefe und korrekter Beinstellung und Harmonie.

Die 29 Models der Rasse Fleckvieh und das Rind der Rasse Holstein vom Betrieb Weiland, Oberschüpf, wurden intensiv auf ihren großen Auftritt vorbereitet. Noch am Veranstaltungsort wurden die Tiere geputzt und gestriegelt, die Schwänze gewaschen und die Haare zum Glänzen gebracht.

Aus sechs Wettbewerbsklassen wurden die besten Fleckviehtiere ausgesucht – und je ein Siegertier jung und alt prämiert.

Mit einem korrekten Bein und einer harmonischen Oberlinie beeindruckte im ersten Ring eine Monaco-Tochter vom Betrieb Weber, gefolgt von einer Herzschlag-Tochter aus dem Stall von Karsten Kappes. Schon auf der Weide ist das Siegerrind im zweiten Parcours, eine Humper-Tochter mit korrekter Beckenlagerung vom Betrieb Hofmann. Die Feinheit im Fundament führte eine Zepter-Tochter, gezüchtet von Weber, auf den zweiten Platz.

Mit vorzüglicher Winkelung

Im dritten Ring wurde eine Hauberg-Tochter mit vorzüglicher Winkelung vom Betrieb Kappes an die Spitze gestellt, gefolgt von einer weiteren Herzschlag-Tochter (Betrieb Weber) mit straffer Fesselung. Die Rinder im vierten Ring sind schon eineinhalb Jahre alt. Das ideale, lange und körperlich gewünschte Rind verkörperte die Siwil-Tochter (Betrieb Weber) am besten zusammen mit ihrer Stallgefährtin, der Haribo-Tochter, und dem schönen Euterspiegel der Bullenmutter. Ein trockenes Fundament und eine harmonische Oberlinie verhalf der Vaudela-Tochter vom Betrieb Kappes im fünften Ring zum Spitzenplatz. Ihr folgte eine Manor-Tochter (Betrieb Weber) mit einem guten Bewegungsapparat.

Im sechsten Ring maßen sich hochtragende Rinder. Das fehlerfreie Fundament und die schöne Körperlänge der Manno-Tochter (Betrieb Hofmann) führte zum ersten Platz, ihr folgte eine Stallgefährtin und weitere Manno-Tochter mit deutlichem Euterkörper.

Am Ende des Wettbewerbs traten die Siegerinnen aus den Klassen der jungen und älteren Rinder gegeneinander an. Die altersgemäß entwickelte Monaco-Tochter (Weber) wurde Siegerin bei den Jüngeren, Reservesiegerin die Herzschlag-Tochter von Kappes. Bei den älteren Rindern war die Siwil-Tochter (Weber) an erster Stelle und die Manno-Tochter (Hofmann) Reservesiegerin.

Hautnah miterlebt

Viele Kinder und Familien waren hauptsächlich gekommen, um hautnah zu erleben, wie drei Jungen und sechs Mädchen im Alter zwischen fünf und 13 Jahren ihre freiheitsdurstigen Kälber mit den Namen U-Bahn oder Diamant im Kälbervorführwettbewerb präsentierten. Die fünfjährigen Zwillingsmädchen Lara und Fenja traten mit den Kälbern Jakob und Sternchen an, die auch beide gleichaltrig waren.

Nicht leicht hatte es die Bewertungskommission mit Franziska Unfried und Otto Hennegriff, um die Siegerin jung und alt zu finden. Denn alle Kinder hatten großen Wert auf die äußere Erscheinung und auf ein makelloses Outfit gelegt. Weitere Kriterien waren die Vorführung, der Vorführer selbst, die Vorbereitung des Tieres und der Gesamteindruck.

Mit Beharrlichkeit wurden die oft widerspenstigen Jungtiere in die Manege geführt. Die Kinder berichteten, was sie mit ihren Schützlingen erlebt hatten. Beste Vollmilch und gutes Heu bekommen die Kälber. Weil die Zusammenarbeit zwischen Kalb und Vorführerin vorbildlich war, wurde Fina Ott aus Nassau bei den jüngeren Kindern zur Siegerin gekürt. In der zweiten Gruppe beeindruckte Kira Kappes aus Bobstadt, die bestens mit ihrem Kalb harmonierte.