Boxberg

Kundgebung Fast 200 Menschen demonstrierten für eine bessere Bahnanbindung / Schulterschluss aller Gemeinden an der Strecke erforderlich

„Kirchturmdenken hat hier keinen Platz“

„Abgemeldet, abgeschrieben, abgekoppelt“: Mit diesen Worten begrüßte Ortsvorsteher Roland Englert knapp 200 Interessierte am Bahnhof in Eubigheim.

Eubigheim. Vom Kleinkind bis zum Rentner waren die Bürger am Samstag zusammengekommen, um für eine bessere Bahnanbindung ein Zeichen zu setzen. Diese drei markigen Worte waren bereits 2015 während des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ das Motto der damals initiierten Unterschriftenaktion für mehr Zughalte.

Über 700 Unterschriften, die dieses Anliegen unterstützten, wurden von den Ortschafts- und Gemeinderäten persönlich an Verkehrsminister Winfried Hermann übergeben. „Seither hat sich leider nichts geändert“, so Englert verärgert.

Er bezeichnete es als „schlichtweg nicht hinnehmbar, dass wir als einziger Streckenabschnitt in der gesamten Region so benachteiligt werden.“

Für die Zukunft der Dörfer im ländlichen Raum sei eine gute Bahnanbindung von existenzieller Bedeutung. Steter Pendelverkehr zu den Knotenpunkten Lauda und Osterburken ist die zwingende Folge. Zugausfälle, insbesondere der Schülerzüge, ohne vorherige Benachrichtigungen seien keine Seltenheit und somit sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, wann der berühmte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringe.

Zusammen mit der in Boxberg ins Leben gerufenen Initiative „Frankenbahn für alle“, deren Vertreter Manfred Silberzahn und Edgar Wenisch die drei Hauptforderungen wie den Stundentakt, die Reaktivierung der Bahnhalte sowie die angepasste Anbindung per Bus detailliert vorstellten, gelte es nun, sich über Kreis- und Landesgrenzen hinweg mit den Gemeinden an der Strecke zu solidarisieren. „Da hat Kirchturmdenken keinen Platz“, so Wenisch kämpferisch.

12 000 Pendler täglich

Dass die Erreichbarkeit und Wahlfreiheit von Schulen, Universitäten oder Arbeitsplätzen einen hohen Stellenwert einnahm, wurde durch die große Zahl an Kindern, Jugendlichen und Berufspendlern deutlich, was angesichts der etwa 12 000 Pendlerfahrten täglich aus dem Raum Rosenberg-Ahorn-Boxberg nicht weiter wundert.

„Es ist Wahnsinn, was Sonntagabends am Bahnhof in Osterburken los ist“, so ein Vater, der regelmäßig seine studierende Tochter zum S-Bahnanschluss bringen muss.

Doch nicht nur gute Anbindungen an die Mittelzentren seien wichtig, auch Eubigheim selbst soll gut erreichbar sein, denn angepasste öffentliche Verkehrsmittel seien auch fürs Lernhaus Ahorn immens wichtig, so Elternbeiratsvorsitzender Wolfgang Weber, dessen Forderung von Rektorin Carmen Stemmler und Konrektor Matthias Fischer unterstützt wurde.

Nicht nur für Ausbildung und Beruf, auch für die Lebensqualität an sich, sei die Reaktivierung der Zughalte von großer Bedeutung. „Wir wollen auch im Alter mobil sein“, betonte Silberzahn nachdrücklich.

Bürgermeister Elmar Haas, der in sämtlichen politischen Gremien stets beharrlich an die Dringlichkeit des Stundentakts erinnert, beurteilte die Chancen als „so gut wie nie“. „Wenn wir es jetzt nicht hinkriegen, kriegen wir es nimmer hin.“

Wichtig sei, dass alle an einem Strang ziehen. Durch eine gemeinsame Sonderzugfahrt am 7. Juli sowie Kundgebungen der Landräte des Neckar-Odenwald- und des Main-Tauber-Kreises werden den Forderungen der Initiative weiter Nachdruck verliehen.

Haas bat auch hier die Bevölkerung um rege Beteiligung, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit bei den politisch Verantwortlichen zu schaffen.

Nach ähnlichen Aktionen in Boxberg und Hirschlanden wird eine weitere in Rosenberg erfolgen, denn nur durch den Schulterschluss aller an der Strecke liegenden Gemeinden „haben wir eine Chance, dass unsere Region nicht abgehängt wird“, so die Initiative „Frankenbahn für alle“.

Info: Weitere Informationen gibt es unter www.frankenbahn-fuer-alle.de im Internet.