Boxberg

Interview Samuel Rösch, Gewinner bei „The Voice of Germany“, kommt am 5. Juli nach Schwabhausen zum Konzert mit einer klaren Botschaft

„Kleine Gemeinden sind unsere Wurzel“

Archivartikel

Mit seiner Band „PaperClip“ kommt Samuel Rösch am 5. Juli nach Schwabhausen. Im Interview spricht er über Spontaneität und Lampenfieber, die Kraft in der Stille und den Reiz, vor kleinem Publikum zu spielen.

Herr Rösch, wo erwische ich Sie gerade?

Samuel Rösch: Ich bin gerade zu Hause. Meine Frau und ich wohnen in der Nähe von Stuttgart.

Sie spielen am 5. Juli in Schwabhausen. Haben Sie schon nachgeschaut, wo das liegt?

Rösch: (lacht) Ja, Schwabhausen liegt ungefähr eine Stunde weg von hier. Im näheren Umkreis von Heilbronn. Aber ich war noch nicht da.

Sie haben für das Konzert eine spontane Zusage gegeben. Sind Sie immer so ein spontaner Mensch?

Rösch: Inwieweit die Zusage spontan war, weiß ich nicht mehr. Ich bin eher ein stetiger Mensch, mehr auf Sicherheit bedacht.

„PaperClip“ spielen Rock-Pop- Songs mit religiösem Inhalt. Das Bekenntnis zum Glauben ist imposant, in der heutigen Zeit aber eher ungewöhnlich.

Rösch: Wir spielen Deutschpop mit rockigen Akzenten, aber mehr in Richtung Pop. Was uns ausmacht ist, dass wir als Christen Musik machen. Die Songs, die man von uns auf Spotify hört, sind schon ein paar Jahre alt. Wir haben einen ziemlichen Wandel durchgemacht.

Wir haben als Christen eine klare Botschaft, aber ich würde nicht sagen, dass wir explizit mit christlichen Inhalten unterwegs sind. Es geht eher um generelle Themen: Wie verstehe ich die Welt, wie verstehe ich die Menschen, wie verstehe ich die großen Fragen im Leben nach dem „Wo komme ich her, wo gehe ich hin“. Darauf habe ich eine Antwort, die auch damit etwas zu tun hat, dass ich Christ bin. Damit wollen wir den Leuten ein Angebot machen und mit ihnen ins Gespräch kommen.

Sie sind ein sehr gläubiger Mensch?

Rösch: Ja, das würde ich auf jeden Fall unterstreichen.

Welche Rolle spielt der Glaube in Ihrem Leben?

Rösch: Der Glaube spielt eine zentrale Rolle. Es ist eine Perspektive, wie ich auf das Leben schaue, die sich unterscheidet von anderen Perspektiven. Wenn ich für mich die Fragen nach dem Woher und Wohin beantworten kann, dann habe ich eine andere Art, wie ich in der Welt unterwegs bin. Ich sehe mich als Geschöpf Gottes und werde irgendwann bei ihm sein. Ich habe nicht die Angst etwas zu verpassen, sondern eine gewisse Entspanntheit und Ruhe zu den Fragen auf der Erde.

Hat Sie der Sieg bei „Voice of Germany“ als Mensch verändert? Sie lassen immerhin Ihr Studium der Religionspädagogik pausieren.

Rösch: Ich würde nicht sagen, dass der Sieg mich als Mensch verändert hat. Ich habe natürlich viele Erfahrungen gesammelt, auch in Bereichen, wo ich vorher keine Erfahrungen hatte wie Fernsehen oder öffentliche Medien. Aber ich denke nicht, dass sich mein Charakter verändert hat. Ich bin kein anderer Mensch geworden.

Woher schöpfen Sie Ihre Kraft?

Rösch: Ich schöpfe Kraft aus der Familie, meiner Band und meinen Freunden, die mir viel Rückhalt geben. Sie haben mich in der Zeit bei „The Voice“ auf dem Boden gehalten und waren mein Anker. Dafür bin ich dankbar. Ich ziehe aber auch Kraft aus der Stille.

Ich bin jemand, der Zeit für sich braucht, beim Rennen oder allein am Klavier, wenn niemand um einen herum ist. Und natürlich ziehe ich aus der Beziehung zu Gott, im Gebet, Kraft für das, was ansteht.

Beten Sie oft in der Kirche?

Rösch: Das ist sehr unterschiedlich. Ich besuche auch Gottesdienste, aber ich bete dort, wo mir danach ist.

Auch in der Natur?

Rösch: Ja, oder zu Hause, in der Bahn, im Auto – je nachdem…

Sie spielen bei kleinen Kirchengemeinden, aber auch bei großen Festivals wie jetzt beim Kirchentag in Dortmund? Was macht den Reiz aus?

Rösch: Die kleinen Gemeinden sind unsere Heimat, unsere Wurzel. Dort haben wir vor sieben Jahren angefangen. Es ist ein Stück Heimatverbundenheit, wenn ich dort sein darf. Die größeren Veranstaltungen sind durch „The Voice“ gekommen. Das ist für uns ein Lernfeld, auch vor 1000 Menschen zu spielen, die vor einem stehen. Es ist beides sehr schön. Das eine ist nahbarer, hat eher eine gemütliche Atmosphäre. Bei großen Bühnen muss man sich als Künstler beweisen.

Hat man bei großen Events mehr Lampenfieber?

Rösch: Das würde ich nicht sagen. Es kommt darauf an, wer vor mir steht (lacht). Wenn Familie und Freunde da sind, ist man viel aufgeregter, weil die einen besser kennen, etwa wie bei der Hochzeit unseres Schlagzeugers.

Gab es schon mal ein Konzert, das Sie gerne aus der Erinnerung streichen würden?

Rösch: (lacht) Vor einigen Jahren wurden wir in Sachsen-Anhalt angefragt für ein Jugendkonzert. Letztlich waren 23 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren da. Wir haben dann vor den Kindern ein Konzert gespielt. Das war sehr merkwürdig, und im Rückblick sehr lustig.

In Ihren Liedern kommt Gott nicht nur als Umschreibung, sondern namentlich vor. Wie sehen die nächsten Projekte aus?

Rösch: Im Herbst wird meine neue Single veröffentlicht. Ich schreibe derzeit auch viele neue Songs. In den letzten Jahren sind wir inhaltlich eine andere Richtung gefahren. Wir werden als Christen eine klare Botschaft haben, aber nicht explizit eine religiöse. In den Songs wird man das anders hören.

Sie verraten nicht, in welche Richtung es geht?

Rösch: Wir bleiben bei Deutschpop und auch textlich bleibt es deutsch. Beim Inhalt kann man sich überraschen lassen…

Haben Sie für Schwabhausen auch eine Überraschung?

Rösch: Wir haben uns bei jedem Konzert für die Leute eine kleine Überraschung überlegt. Aber vor Schwabhausen sind ja noch einige andere Auftritte. Man darf gespannt sein. Ich freue mich schon sehr auf das Konzert dort.