Boxberg

Mediothek Angebot der Internetausleihe über das Portal Onleihe Heilbronn-Franken wird seit April sehr rege genutzt

Lesestoff aus der virtuellen Bibliothek

Archivartikel

Die Onleihe, das Ausleihen von Medien per Internet, in der Boxberger Mediothek lockt neue Kunden in die städtische Einrichtung. Das Angebot wird gerne genutzt.

Boxberg. Ida blättert interessiert in dem Kinderbuch, ihre Mama durchstöbert die Zeitschriftenboxen. Die beiden haben sich mit Lesestoff aus der Mediothek eingedeckt. Kein Problem, wenn die Bücherei geöffnet ist. „Ich habe auch schon online ausgeliehen“, sagt die junge Leseratte. „Bibi und Tina“ etwa, oder auch die beliebte „Conny“-Reihe sind schon auf ihrem elektronischen Bücherstapel gelandet. Alles Werke, die sie sonst in Boxberg nicht hätte ausleihen können.

Dass die Schülerin sich mit so viel Lesestoff versorgen kann, hat sie der engagierten Leiterin der Boxberger Mediothek, Ilona Wild, zu verdanken. Sie hatte sich bei Gemeinderat und Bürgermeister Christian Kremer dafür stark gemacht, dass sich die Kommune an der Onleihe Heilbronn-Franken beteiligt – mit Erfolg. Seit April können nun die Nutzer der Boxberger Einrichtung auf das breite Angebot im Netz zurückgreifen. Ob Krimi oder Kinderbuch, Fachliteratur oder Fremdsprachen: „Wir erweitern die tatsächliche Bibliothek um eine virtuelle.“ Selbst E-Learning-Programme für die berufliche Weiterbildung gibt es.

Neue Kundengruppen erreicht

„Boxberger, die mobil sind, kommen gerne zu uns, um Medien auszuleihen. Aber es gibt auch viele Ältere, die gerne lesen, und nicht so mobil sind, oder einfach Interessenten aus den Stadtteilen“, erzählt Ilona Wild. Für sie ist das neue Angebot der Mediothek genauso gedacht, wie für Leute, die zu den Öffnungszeiten nicht vorbeikommen können. Oder für Leser, die im Urlaub lieber einen kleinen elektronischen Reader mitnehmen als dicke Schmöker. Denn die Onleihe ist unabhängig von Ort und Uhrzeit möglich. „So können wir andere Kundengruppen erreichen“, sagt Ilona Wild. Seit Einführung im April habe man mehr als 100 Neukunden durch das zusätzliche Angebot erhalten. Einer der ersten Interessenten sei ein Boxberger gewesen, dessen Sohn in Asien wohnt. „Man kann die Bücher und Medien von überall auf der Welt auf sein Endgerät ziehen.“

Bisher deckten sich vor allem Familien und viele Kinder und Jugendliche mit Lesestoff ein. Vom klassischen Buch über Zeitungen und Zeitschriften bis zu Hörbüchern und Videos stehen in der Onleihe mehr 55 000 Medien zur Verfügung – ein Vielfaches dessen, was in Boxberg vor Ort Platz findet.

Um den Service in Anspruch zu nehmen, muss man ein Benutzerkonto bei der Mediothek einrichten. „Danach ist es ganz einfach“, weiß die Fachfrau, die sich selbst gern mit Romanen eindeckt. Hat man das passende Medium gefunden, wird es per Mausklick zum Ausleihen online auf den eigenen Reader, etwa den Tolino, übertragen. Danach kann das Gerät auch offline genutzt werden. Mit einer entsprechenden App sind die Medien auf Tablets oder Smartphones nutzbar – bis zu 21 Tage insgesamt. „Das ist schon sehr komfortabel.“ Auch weil alle Geräte stets wissen, wo das letzte Lesezeichen gesetzt wurde. Ist ein Medium nicht sofort ausleihbar, kann man es sich vormerken. Mit einer Mail wird der Nutzer dann informiert. Begeistert ist die Mediotheksleiterin von der Funktion des Readers, sich Fremdwörter erklären zu lassen. Ausländische Mitbürger seien begeistert von der Möglichkeit zur Übersetzung einzelner Wörter in verschiedene Sprachen.

Keine Kosten für Nutzer

Dass sich der Aufwand lohnt, macht die Statistik deutlich. Die Ausleihen in der Einrichtung haben zugenommen. „Der Nutzen ist groß, für die Kunden entstehen aber keine weiteren Kosten zur bisherigen Jahresgebühr“, freut sich Ilona Wild. Boxberg ist neben der Kreisstadt Tauberbischofsheim und den beiden Großen Kreisstädten Wertheim und Bad Mergentheim die einzige Kommune aus dem Main-Tauber-Kreis, die sich am Verbund Onleihe Heilbronn-Franken beteiligt. Insgesamt nehmen 35 Bibliotheken teil. Die Kosten werden anteilig an der Einwohnerzahl gerechnet. Der finanzielle Betrag der Umpfertalmetropole liege bei rund 6000 Euro zum Einstieg sowie dem gleichen Betrag für die laufenden Kosten, so Wild. Der Zuschuss über 2500 Euro durch die Sparkasse Tauberfranken hat den Start erleichtert.

Um den Nutzern den Start mit der Onleihe zu erleichtern, haben Ilona Wild und ihr Mitstreiter aus Syrien, Majd Zenbarakji, Sprechstunden angeboten. Dabei wurden die wichtigsten Fragen geklärt und Hilfestellungen beim Ausleihen gegeben. Für ältere Kunden habe man zudem die Installation vorgenommen.

Das möchte auch eine ältere Frau gerne in Anspruch nehmen, die zwar einen Tolino-Reader besitzt, aber sich noch nicht mit der Online-Ausleihe beschäftigt hat. „Bringen Sie einfach mal Ihren Tolino mit“, rät Ilona Wild. Ida hat sich unterdessen schon das nächste Buch geholt.