Boxberg

Fünf Jahre Elektromobilität in Boxberg In der Umpfertalstadt gibt es einen triftigen Grund zum Feiern

„Leuchtturmprojekt“ in der Region und im Land

Archivartikel

Boxberg.Was vor fünf Jahren als eines von 20 geförderten Modellprojekten im Ideenwettbewerb „Elektromobilität im ländlichen Raum“ gestartet wurde, ist zum Leuchtturmprojekt geworden. Steckte die E-Mobilität damals noch in den Kinderschuhen, kann man sagen: Es war eine wegweisende Zukunftsentscheidung, mit der Einrichtung des e-Fahrdienstes WvB „Wir verbinden Boxberg“ die Mobilität im Stadtgebiet zu verbessern.

Nicht einfach

Es war keine einfache Entscheidung des Gemeinderats, dieses Vorhaben zu realisieren, denn das Projekt war Neuland. Auch mussten Finanzmittel eingeplant werden. Doch für die dringend notwendige Mobilitätsverbesserung war dies eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative.

Im Oktober 2012 fasste der Gemeinderat den Beschluss, mit Unterstützung der Uni Stuttgart beim Land einen Förderantrag einzureichen. Mit Erfolg, denn Ende 30. April 2013 kam die Zusage für die Förderung. Mit dem Beschluss des Rats, den gleichen Anteil aus städtischen Finanzmitteln bereitzustellen, war die finanzielle Basis geschaffen. Ein Trägerverein für dieses Vorhaben und den Betrieb des ehrenamtlich organisierten e- Fahrdienstes Boxberg war notwendig.

Im September 2013 fand die Gründungsversammlung des Vereins „Wir verbinden Boxberg“ statt. Zur Vorsitzenden wurde Vera Herzog gewählt. Dass das Vorhaben Mobilitätsverbesserung im Stadtgebiet eine hohe Priorität und Zustimmung fand, wurde schon bei der Vereinsgründung deutlich, denn spontan waren es 20 Bürger, die sich bereiterklärten, diesen ehrenamtlichen Fahrdienst als Fahrer zu unterstützen.

Die Basis für das neue Mobilitätskonzept war gelegt. Doch eine Mammutaufgabe lag vor dem Führungsteam, das Projekt in die Tat umzusetzen. Ein Elektrofahrzeug wurde beschafft, weitere Sponsoren gesucht, Mitglieder für den Trägerverein und ehrenamtliche Fahrer für den Fahrdienst geworben, die organisatorischen Vorbereitungen für den Fahrbetrieb getroffen. Doch schon hier wurde deutlich, was ehrenamtliches Engagement bedeutet. Beispielhaft, so die Vorsitzende Vera Herzog, die Bereitschaft, das Projekt aktiv zu unterstützen. Nur so sei es möglich geworden, dass der ehrenamtliche e-Fahrdienst in Boxberg zu einer verlässlichen Einrichtung geworden sei.

Im Frühjahr 2014 war es soweit. In einer Auftaktveranstaltung wurden im Gewerbegebiet Seehof Auto und E-Mobilitätskonzept der Öffentlichkeit vorgestellt, am Tag darauf der Fahrbetrieb aufgenommen.

Umfangreiche Studien

Was als Modellprojekt begann, ist nicht nur zur Ergänzung zum ÖPNV geworden, sondern hat vielfältige Erkenntnisse für den Betrieb mit e-Fahrzeugen gebracht – ein Leuchtturmprojekt für e-Mobilität im ländlichen Raum. Umfangreich auch die Studien der Uni Stuttgart beim e- Fahrbetrieb im Boxberger Mobilitätskonzept während des zweijährigen Förder- und Erprobungszeitraums. Wie bedeutend diese Erkenntnisse auch für die aktuelle Entwicklung der E-Mobilität sind, zeigt die umfangreiche Dokumentation der Uni Stuttgart zu diesem Modellprojekt. Eine besondere Auszeichnung gab es beim vom Land 2017 ausgeschriebenen Ehrenamtswettbewerb. Mit dem ersten Platz bei der Kategorie „Mensch und Umwelt“ und einem Preisgeld von 4000 Euro wurde das beispielhafte ehrenamtliche Engagement von „Wir verbinden Boxberg“ ausgezeichnet.

Dass man in Boxberg schon früh die Zeichen der Zeit erkannt, zeigt die aktuelle Diskussion um E- Mobilität und Mobilität im ländlichen Raum. Dies weiter auszubauen und das Mobilitätsangebot im Stadtgebiet weiter zu verbessern, ist ein Anliegen des Trägervereins und der Stadt. Mit der Einrichtung einer Schnellladesäule am Medien- und Kulturzentrum im Mai 2017 ist hierfür ein wichtiger Schritt getätigt worden.

Verbessert wurde auch das Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit. Denn die Fahrer wurden zunächst mit einheitlichen T-Shirts und später auch mit Fleece- und hellgrünen Wetterjacken ausgestattet.

Ziel des ehrenamtlichen Mobilitätsangebot ist es die Mobilität innerhalb des Stadtgebietes und zwischen den Ortsteilen zu verbessern. 24 Fahrer sind im Einsatz. Der e- Fahrdienst WvB bietet Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 17.30 Uhr einen Fahrdienst innerhalb des Stadtgebietes an. Fahrgäste können ihren Fahrtwunsch bei der Stadt, Telefon 07930/605 19, anmelden.

Dass das Mobilitätsangebot sich wachsender Beliebtheit erfreut, davon zeugen Fahrgastzahlen und Kundenbefragungen. So wurden seit der Aufnahme der Fahrtätigkeit rund 85 000 Kilometer (nur mit e- Antrieb) gefahren. Monatlich waren es durchschnittlich 150 Einzelfahrten, bei denen 180 Personen befördert wurden.

Fünf Jahre WvB – ein Grund zu feiern. Damit kann man im Trägerverein und bei der Stadt auf eine Erfolgsstory zurückblicken. Am 20. Juli wird bei der Firma Driving-Concept im Gewerbegebiet Seehof in Windischbuch dieser Anlass gefeiert. Ab 10 Uhr gibt es Informationen zum WvB und im Anschluss wird Robert Sürth zum Thema „Stand der Elektromobilität“ referieren.

Klima und Umweltschutz werden weiter in den Mittelpunkt rücken, der Ausbau der Infrastruktur mit Bahn und ÖPNV weiter verstärkt werden. Eine Vernetzung der einzelnen Ortsteile in Flächengemeinden wie Boxberg ist aber kaum möglich. Individuelle Lösungen wie der e- Fahrdienst WvB werden hierfür eine wichtige Ergänzung sein. Große Herausforderungen, die nur gemeinsam und mit großem ehrenamtlichem Engagement zu bewältigen sind. Doch beim Verein „Wir verbinden Boxberg“ wie auch bei der Stadt ist man zuversichtlich, auch künftig Lösungen für eine bürgerfreundliche Mobilität zu finden. prewe