Boxberg

Sonntagscafé der Mediothek Über Weingärtner aus Tübingen / Gedichte-Band von Werner Welz

Mundart – heiter, deftig und besinnlich

Archivartikel

Boxberg.Ein Sonntagscafé mit Mundart boten der Akzente-Verein und die Mediothek Boxberg an. Die Besucher hörten heitere, deftige und besinnliche Texte in Boxberger Mundart, auf Schwäbisch und auf Hochdeutsch. Die Mediotheksleiterin Ilona Wild begrüßte unter den Gästen Werner Welz, aus dessen Gedichte-Band erstmals öffentlich vorgetragen wurde.

Dr. Dieter Thoma eröffnete den Reigen mit der „Faüerweehr-Üwung“ von Fritz Thoma, der hier, am Standort des Medien- und Kulturzentrums, vor einem Jahrhundert aufgewachsen war. Über die jährliche „Wassernot in Boxberg“ informierte ein Aufsatz der Schülerin Emma Pers von 1920.

Bekanntes Original

Um fehlendes Wasser drehte sich auch das „Gespräch“ des Oberamtmannes mit dem schuftenden Brunnenmeister, das im Zorn endete: „Mach Wasser, Ejschel, wenn’d konnscht!“ Ein bekanntes Original aus „Schwaachern“, die „Schlosser(sch)s Bertl“, wurde gegenwärtig im Gedicht von Martha Boll: es beschreibt, wie die „Mamma Borchemooschder“ 1945 den amerikanischen Soldaten die Geburt eines Kalbes übersetzte: „Muuh! Muuh! - Ä Bäibie!“ Ins Deftig-Schwäbische ging Werner Weber mit seinen Beiträgen über die „Gôgen“. Damit sind Weingärtner aus Tübingen gemeint, die gegenüber den Universitätsangehörigen früher eine eigene Bevölkerungsgruppe bildeten. Für die Gôgen typisch galten Armut, geringe Bildung, Sturheit und ein schwer verständlicher Dialekt.

Von Frühling bis Winter

In gänzlich andere Welten entführte Matthias Wild, der aus den heiter-besinnlichen Gedichten von Werner Welz zitierte. Die Zuhörer erlebten den Jahreslauf vom Frühling zum Winter. „Es lenzt“, so beginnt ein Gedicht über die Natur, die im Frühlingsanfang jubiliert. Der „Juliabend“ beschreibt die erholsame Abendkühle nach einem schwülen Sommertag. Auch bei der „Herbststimmung“ schlossen viele Besucher die Augen, um den schönen Dichterworten genussreich zu lauschen. Der „November“ mit fallenden Blättern und zähem Nebel passte zu diesem Sonntag. Tief philosophisch wird Welz im „Altersdank“.

Das eigene Leben

Gedanken am Ende eines Tages über das eigene Leben: die flüchtige Zeit - die Freude am Dasein und gewohnter Umgebung - die Gewissheit, dass alles geliehen ist. „Ungewiss ist zwar die Stunde, doch gewiss ist, dass sie kommt, und so leb ich Rund um Runde, dankbar, wie es Christen frommt.“

Mit viel Applaus quittierten die Gäste die Vorträge. Sichtlich gerührt stand Werner Welz auf, dankte dem Leser Matthias Wild, der durch seine gekonnte Vortragsweise, wunderschöne Bilder im Kopf entstehen ließ. Anschließend rezitierte Herr Welz selbst noch einige Beiträge. Der Gedichteband ist bei der Bücherecke Boxberg käuflich zu erwerben.

Übereilter „Kerchgang“

Die zweite Leserunde begann Dr. Thoma mit Mundart-Gedichten von Ilse Freudenberger. Im übereilten „Kerchgang“ landet das Dörrfleisch in der Handtasche, und das Gesangbuch kocht im Kraut. Ein Hör-Vergnügen ist auch der Sänger-Wettstreit, den Richard Pers im „Noodeschdänner“ beschreibt.

Am Ende sind alle Sänger „verbaüld unn demoliert“, nur der Notenständer, „demm iss niksch bassiert“. Lachen und Beifall ernteten auch die Lausbubenstreiche in den Versen von Carl Reichert.

Nach Beiträgen über die Gôgen und aus dem Welz-Gedichteband setzte Irma Wild mit ihrem Gedicht „Sternenhimmel“ den Schlusspunkt.