Boxberg

Naturschutzgebiet Im Areal „Westerntal“ wurde als Ausgleichsmaßnahme für den Bau von Windrädern ein weiteres Feuchtbiotop geschaffen

Neue Heimat für Molche und Kröten

Das Naturschutzgebiet im „Westerntal“ wird durch ein weiteres Feuchtbiotop ergänzt. Die Kosten für Erstellung und Pflege der Anlage übernimmt die EE BürgerEnergie.

Boxberg. Bei über 35 Grad Celsius im Schatten rollte Woche der Bagger auf die Wiese am „Hüttlisbächle“ und begann, die Humusschicht abzutragen. Eine Mulde sollte ausgehoben werden, um ein temporäres Feuchtbiotop neben dem bereits bestehenden Tümpel zu schaffen. Im Naturschutzgebiet „Äußeres Ried“ entsteht somit ein weiterer Rückzugsort für Tiere und eine Ansiedlungsmöglichkeit für seltene Amphibien. An drei Tagen grub der Bagger sich durch das Erdreich, einzelne Bäume wurden gefällt. Das Feuchtbiotop ist bis zu 1,20 Meter tief und zwischen 25 und 30 Meter breit.

Das Biotop dient als eine Ausgleichsmaßnahme für die Errichtung des Windparks bei Angeltürn, Bobstadt und Oberschüpf. Die Kosten für die Erstellung und die Pflege übernimmt zu 100 Prozent die Bürgerenergie EE für 20 Jahre.

Beim Aushub der Kuhle waren auch Michael Hökel von der Nabu-Gruppe Boxberg und Michael Salomon, Vorsitzender des Naturschutzbundes Main-Tauber, vor Ort. Sie freuen sich über die Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Natur durch die Windkraftanlagen. Gleichzeitig betonen sie aber immer wieder, dass es keine Wiedergutmachung gegenüber der Natur sei. Denn die Lebensräume um die Windräder herum seien für viele Pflanzen und Tierarten unwiederbringlich zerstört. „Das Wort Ausgleichsmaßnahme ist schon richtig. Wir sind froh, dass an anderen Orten Geld sinnvoll in der Natur eingesetzt wird“, so Hökel. Es sei besonders nachhaltig, bereits bestehende Naturschutzgebiete zu erweitern, zu pflegen oder aufzuwerten, wie es im „Westerntal“ nun realisiert wird.

„Wir haben im angrenzenden bestehenden Teich bereits seltene Kammmolche entdeckt. Dieser Molch kann bis zu 14 Zentimetern lang werden und steht als gefährdete Art auf der roten Liste. Auch Bergmolche und Teichmolche sind gesehen worden und wurden dokumentiert“, berichtet Hökel. Erdkröten, Grasfrösche, seltene Libellenarten und Wasserinsekten kämen ebenso dort vor. Die gelte es zu schützen.

„Spaziergänger sollten sich nicht wundern, wenn wir die ausgebaggerte Fläche nicht bepflanzen“, erläutert Michael Hökel die Maßnahme. Über den Herbst und Winter sollte sich in der Kuhle Wasser ansammeln. Dort könnten dann im Frühling die Amphibien ihren Laich ablegen.

Damit sich keine Fische im Tümpel ansiedeln, welche die seltenen und schützenswerten Frösche und Molche fressen, wurden auch ein paar kleinere Weiden gefällt.

Ersatz für die abgeholzten Bäume werde weiter oben am Bachlauf gepflanzt. „Dadurch liegt das entstehende Feuchtbiotop in der Sonne und fällt im Sommer wieder trocken, nachdem die Amphibien das Wasser verlassen haben“, erklärt Hökel. Der durch den Aushub entstandene Wall fungiere dabei nicht nur als Hochwasserschutz, sondern auch als Grenze zur landwirtschaftlich genutzten Fläche.

Spätestens alle sechs Jahre sollte ein Feuchtbiotop wieder gepflegt werden, damit es nicht verlandet. Jetzt bleibe, auf einen feuchten Herbst und Winter zu warten, dass sich die Mulde mit Wasser füllt und die Amphibienansiedlung im Frühling möglich wird. suso