Boxberg

Gemeinderat Gremium vergab nach kurzer Diskussion Nachtragsangebote für Naturstein- und Innenputzarbeiten von rund 87 000 Euro

Schimmelbefall sorgt für erhebliche Mehrkosten

Archivartikel

Die Sandsteine am ehemaligen Rathaus in Bobstadt und der Putz sind schadhafter als gedacht. Damit wird die Sanierung des Gebäudes teurer.

Boxberg. Die Umbauarbeiten am ehemaligen Rathaus in Bobstadt sind derzeit in vollem Gange. Doch bei den Sanierungsarbeiten des Gebäudes aus dem Jahr 1844 sind einige Schwierigkeiten aufgetaucht, wie die Gemeinderäte bei der Sitzung am Montag im Rathaussaal in Boxberg erfuhren.

Nach der Freilegung der Sandsteine, die einen farblichen Anstrich hatten, seien mehr Schadstellen zum Vorschein gekommen als bei der Ausschreibung angenommen, machten Bürgermeister Christian Kremer und Architekt Dirk Kohler aus Boxberg deutlich. Man habe aber nur die schadhaften Steine in die Liste zum Austausch aufgenommen, die nicht mehr zu retten sind. Die kaputten Teile werden herausgenommen und Vierungen eingesetzt. Für die ursprünglich ausgeschriebenen Natursteinarbeiten hatte die Firma Herzig aus Rot am See den Zuschlag zum Preis von 11 300 Euro erhalten. Die Summe reicht nun nicht mehr aus. Zusätzlich genehmigte der Gemeinderat bei einer Gegenstimme das Nachtragsangebot über weitere 23 582 Euro.

Auch im Innenbereich gibt es Probleme. Nach der Demontage der Gipskartonplatten, die an den Außenwänden angebracht waren, sei dort starker Schimmelbefall zum Vorschein gekommen. Dadurch müsse der Putz komplett entfernt werden. Festgestellt worden sei auch, dass das Fugenmaterial des freigelegten Natursteinmauerwerks keine Festigkeit mehr aufweise und ersetzt werden müsse. Zu den schon vergebenen 65 000 Euro für die Firma Kaiser kommen bei den Innenputzarbeiten weitere 63 461 Euro hinzu, die bei einer Gegenstimme vom Gemeinderat mitgetragen werden.

Denkmalschutz einbeziehen

Bei den weiteren Arbeiten ist auch das Denkmalamt mit einzubeziehen. „Wir sind bei der ursprünglichen Planung nicht davon ausgegangen, dass die Denkmalschutzbehörde hier mitsprechen wird“, so Kremer und Kohler. Dafür würden Maßnahmen beim Innenausbau wohl nicht mehr umgesetzt und so wieder Geld eingespart.

Gemeinderat Elmar Burger fragte sich, warum man solche Unwägbarkeiten im Vorfeld nicht mit einer finanziellen Reserve bedacht hatte. Ihm war die Verdopplung der Kosten ein Dorn im Auge und er stimmte gegen beide Vergaben.

„Ärgerlich“ fand auch Bürgermeister Kremer die Situation. Aber das habe man vorher nicht wissen können. „Wenn wir alle Dinge vorher hätten klären wollen, hätten wir jeden Stein untersuchen müssen“, kommentierte Kremer. Und das wäre auch nicht günstiger geworden. Der Verwaltungschef hofft, dass die Sanierung bis Ende 2018 abgeschlossen werden kann. Neben den bisher zwei Wohneinheiten soll im Untergeschoss eine weitere Wohnung entstehen. Dafür muss die frühere Amtsstube weichen. Der Chor hat in dem Gebäude ebenfalls seinen Proberaum.

Erfolgsgeschichte Stadtsanierung

Eine Erfolgsbilanz ist für den Boxberger Bürgermeister dagegen die Stadtsanierung „Innenentwicklung 2020“ die 2015 in der Kernstadt gestartet ist. „Wir werden im nächsten Jahr einen Erhöhungsantrag stellen“, betonte er. Denn je länger man im Programm sei, desto besser. Bisher wurde von den 19 Maßnahmen 17 private gefördert. Rund 500 000 Euro stehen noch für weitere Projekte zur Verfügung.

In ihrer Halbzeitbilanz ging Melanie Eisner vom betreuenden Büro Klärle, Gesellschaft für Landmanagement und Umwelt aus Weikersheim, auf die einzelnen Projekte vor und nach der Sanierung ein. In der Kurpfalzstraße habe sich schon einiges getan. Doch sah sie hier noch großes Potenzial. „Die Belebung der Ortsmitte, vor allem in Bezug auf die Aufenthaltsqualität, war wichtig.“

Insgesamt habe man an 16 Beratungstagen 40 Termine durchgeführt. Pro Wohneinheit können 20 000 Euro Zuschuss gewährt werden. Die Summe darf aber 50 000 Euro nicht überschreiten.

Doch momentan stagniere das Interesse der Bürger an den Modernisierungsmöglichkeiten, so Eisner. Deshalb habe man die Bürger mit einem Schreiben auf die Sanierungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht, und sei bei verschiedenen Veranstaltungen präsent. Dabei erwähnte sie auch den Sanierungsrundgang beim Boxberger Maimarkt.

An Attraktivität gewonnen

„Die Bilanz kann sich sehen lassen“, zollte Kremer dem Büro Klärle für die Arbeit großes Lob. Dass es sich um eine erfolgreiche Maßnahme handele, sehe man in der Hauptstraße. „Sie hat an Attraktivität gewonnen.“ Das Mayer-Gelände in der Kurpfalzstraße ist in Besitz der Stadt und soll an einen Investor veräußert werden, so Kremer auf Nachfrage aus dem Gemeinderat. Die Zukunft des ehemaligen Gasthauses „Zum Löwen“ sei aber eine Sache für sich. Der Besitzer wolle sich die Immobilie „vergolden“ lassen, hieß es. Kremer erklärte, dass er einen Investor schon vor Jahren gefunden habe, der Wohnungen dort geplant hatte. Selbst mit dem Denkmalamt hatte man schon Kontakt aufgenommen. „Aber der Eigentümer will nicht“, so Kremer.