Boxberg

Girls’ Day Sechs Schülerinnen des Lernhauses Ahorn nahmen einen Tag lang bei Systemair die Produktion in Augenschein und legten selbst Hand an

Technik muss nicht Männersache sein

Archivartikel

Mädchen und Technik – dass das zusammenpasst, zeigt sich seit 2001 beim Girls’ Day. Auch die sechs Mädchen, die in diesem Jahr bei der Firma Systemair hineinschnupperten, bewiesen das.

Boxberg. „Sehr gut war, dass wir nicht nur zuschauen durften, sondern selbst bohren und die Ventilatoren bekleben durften“, meint Alisha Bachert. So ist es auch gewollt. Sowohl von den Initiatoren des „Girls’ Days“ als auch von den Firmenvertretern von Systemair lautet die Devise „Mittendrin statt nur dabei“. Die Jugendlichen sollen einen Tag nicht nur in die Produktion hineinschnuppern, sondern auch mitarbeiten.

Bei Systemair erkundeten die sechs Schülerinnen vom Lernhaus Ahorn unter anderem die Ventilatorenproduktion und sammelten Erfahrungen in anderen technischen Bereichen. „Wir bieten den Mädchen einen vielfältigen Einblick in die einzelnen Unternehmensbereiche“, erklärt Frank Jäger, der für den Ablauf des Girls’ Day verantwortlich zeichnet.

Neue Erkenntnisse gewonnen

Nach einem Rundgang durch das Unternehmen wurde das Geschick der Teilnehmerinnen zuerst bei den Multiboxen in der Produktion erprobt. Anschließend ging es mit der Erkundung des Einzelteillagers und der Abteilung Verpackung weiter. Danach nahmen die Schülerinnen die Produktion für Dach- und Axialventilatoren unter die Lupe. Damit die Fragen der Mädchen zu einer Ausbildung im Werk aus erster Hand beantwortet werden konnten, begleitete eine Auszubildende von Systemair die Gruppe.

Das Fazit der Schülerinnen nach dem informativen, aber auch anstrengenden Tag war durchweg positiv. „Die Kranbedienung war sehr spannend, kompliziert war die spiegelverkehrte Steuerung“, sagt Mona Engel. „Besonders beeindruckt hat mich die Verpackung. Der Einsatz der Wickelmaschine ist ganz anders als zuhause“, ergänzt Felisia Angstmann. Einen ganz anderen Aspekt bringt Jennifer Winau ins Spiel: „Überzeugt hat mich besonders der freundliche Umgang miteinander.“

Vor allem letzteres sorgt bei Frank Jäger und Pressesprecherin Yvonne Pommert für Zufriedenheit. Denn mittlerweile ist der Arbeitsmarkt ein Arbeitnehmermarkt geworden. Fachkräfte sind Mangelware. Die Unternehmen müssen um gute Mitarbeiter buhlen. Da ist es sicherlich hilfreich, wenn Jugendliche einen guten Eindruck nicht nur von der Produktion, sondern auch vom Betriebsklima erhalten.

Die Firma Systemair beteiligt sich seit 2010 am Girls’ Day und hat gute Erfahrungen gemacht. Natürlich ist das Hauptanliegen weiterhin, Mädchen Berufe schmackhaft zu machen, die normalerweise von Männern besetzt werden. Aber der direkte Kontakt bietet auch eine Chance zur Imagepflege. „Wir können den Mädchen auch mögliche Aufstiegschancen aufzeigen und unsere flexiblen Arbeitsmodelle vorstellen“, sagt Yvonne Pommert. „Wir haben viele Frauen, die nach der Elternzeit wieder einsteigen, auch in leitenden oder gehobenen Funktionen, und das klappt sehr gut, auch Homeoffice ist natürlich eine Option“, so Pommert weiter. Bei Systemair seien viele Modelle möglich, auch in der Produktion. Davon würden zwar in erster Linie Frauen profitieren, aber auch Männer könnten dies in Anspruch nehmen. Das gelte es, auch an solch einem Tag zu vermitteln und.

Aber vorrangig ist nach wie vor, Mädchen für sogenannte Mint-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu begeistern. Oftmals scheinen die Berufswege je nach Geschlecht vorgezeichnet. Die Mädchen nehmen die soziale Schiene, die Jungs die technische. Seit 2001 steht der Girls’ Day für eine alternative Weichenstellung. Mittlerweile findet parallel auch ein Boys’ Day statt, der auch Jungen neue Berufsfelder erschließen soll. Rund 1,8 Millionen Mädchen haben seit 2001 die Gelegenheit ergriffen, über den Tellerrand hinauszublicken, Erfahrungen zu sammeln und neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Auch die Teilnehmerinnen bei Systemair in Windischbuch haben dazugelernt, wie es Tabea Alter auf den Punkt bringt: „Die Montage ist kein Männerberuf. Nach dem Girls’ Day habe ich eine ganz andere Vorstellung und einen besseren Einblick in die Aufgaben.“ hut