Boxberg

Naturschutz Nabu-Ortsgruppe lässt als Ausgleichsmaßnahme für den Bau der Windräder eine vereinseigene Streuobstwiese entbuschen

Wertvolles Biotop wieder zum Leben erwecken

Eine alte Streuobstwiese wird von der Nabu-Ortsgruppe von Buschwerk befreit und als Biotop wieder zum Leben erweckt. Dies ist eine der Ausgleichsmaßnahmen für den Bau der Windräder.

Boxberg. Durch das Dickicht ist kein Durchkommen. Äste sind ineinander verwoben, Heckenrosen versperren den Weg. Daneben liegen bereits die ersten Obststämme wieder frei. Die Nachmittagssonne trifft den Boden. Und selbst ein paar Vögel lassen sich vom Krach der Maschinen nicht stören. Mit tatkräftiger Hilfe einer Fachfirma wurde in den letzten Tagen bei Boxberg eine alte Streuobstwiese des Nabu entbuscht. „Wir wollen den Lebensraum dort wieder erwecken und vor allem aufwerten“, erklärt Vorsitzender Michael Hökel diese Erstpflegemaßnahme. „Dort schlummert etwas Besonderes“, ist er überzeugt.

„Warum machen Sie die Büsche raus? Das war doch ein schöner Unterschlupf für Vögel?“ Die verwunderte Frage der Spaziergängerin kann Nabu-Vorsitzender Hökel schnell beantworten. „Das Dickicht ist nur begrenzt für Vögel gut. Nistmöglichkeiten hat es nur am Rand gegeben“, erklärt er. „Aber es ist ein dunkles Eck. Es gibt keine Insekten, die die Bäume bestäuben können. Wir wollen mit der Maßnahme Licht auf den Boden bringen und so bald wieder eine gesunde Streuobstwiese haben.“ Geduldig erzählt er den Hintergrund und freut sich über das Interesse der Spaziergängerin.

Über 5000 Arten

In einer gut funktionierenden Streuobstwiese sind über 5000 Tier- und Pflanzenarten anzutreffen. Und dieses Biotop soll in Sichtweite von Boxberg wieder entstehen. Unterstützung erhält die Nabu-Ortsgruppe dabei von den Fachbehörden wie der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt und von der Stadt. Lorenz Flad vom Kommunalen Landschaftspflegeverband, der die Maßnahme begrüßt, pflichtet Hökel bei. „Es wird einige Zeit dauern, aber dann siedeln sich auf der mageren Obstwiese wieder Blumen und Insekten an.“ Bisher hätten sich in der Hecke höchstens Fressfeinde, wie Marder, aufhalten können.

Diese Pflegemaßnahme ist eine von mehreren Projekten, die der Nabu mit Hilfe der Stiftung Naturschutz und in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Boxberg angestoßen hat. Sie dient als Ausgleichsmaßnahme aufgrund der Beeinträchtigung des Landschaftsbilds durch den Bau der Windräder. Für die Anlagen bei Angeltürn, Oberschüpf und Bobstadt kamen so rund 465 000 Euro zusammen. Weitere Gelder kämen durch den unmittelbaren Eingriff in die Natur dazu, für die die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt verantwortlich zeichnet.

Biotopverbesserung

Für die Nutzung dieser Ausgleichsgelder hat der Nabu dem Gemeinderat ein Konzept mit verschiedenen Biotopverbesserungsmaßnahmen vorgestellt. Umgesetzt wurde davon bisher die Schaffung von Tümpeln am Naturschutzgebiet „Äußeres Ried“ bei Boxberg sowie die Schaffung eines Tümpels im Biotop „Hüttlein“, so Hökel. Den größten Brocken verschlingt die Renaturierung des Windischbücher Grabens, die durch der Kommune umgesetzt wird.

Geplant seien für die nächsten Jahre auch die Pflege einiger Feuchtbiotope, die Aufwertung des Steinbruchs bei Oberschüpf oder die Extensivierung von Seitentälern bei Uiffingen und Angeltürn. Ziel von Nabu und Stadt ist, diese finanziellen Mittel wieder den Boxberger Bürgern zugute kommen zu lassen.

Der ferngesteuerte Raupenmäher, der speziell für schwieriges Gelände konzipiert ist, frisst sich ohne Unterlass durch das Buschwerk. Die Äste von Weiß- und Schwarzdorn werden mühelos zerkleinert. Zurück bleibt auf dem Boden eine stattliche Mulchschicht. Mit der Motorsäge haben Arbeiter überzählige Bäume zerkleinert und wildes Gehölz geschnitten. „Alles Material, was hier anfällt, bleibt auch auf dem Gelände“, macht Hökel deutlich. Das Totholz soll auch Käfer anlocken.

Daneben wird als Abgrenzung zum Nachbargrundstück eine sogenannte Benjeshecke aus dem Gehölzschnitt aufgeschichtet. Diese Totholzhecke will Flad sogar noch etwas dichter haben. Feines Material solle noch aufgeschichtet werden, damit die Hecke kompakter wird. Daraus bilde sich mit der Zeit Humus. Und die Vögel würden diese Hecke sicherlich gerne annehmen, ist er überzeugt, dass hier auch einige Samen keimen werden.

Erstpflege

„Das wir nun mit den Geldern die Erstpflege durchführen können, ist wunderbar“, sagt Hökel, der seit fünf Jahren der Nabu-Gruppe vorsteht. Die alte Streuobstwiese wurde über viele Jahre vernachlässigt und ist immer mehr verwildert. Seit drei Jahren ist sie im Besitz des Vereins. „Für Streuobst braucht man viel Idealismus“, weiß er. Es stecke viel Arbeit drin, die Vermarktung des Obstes sei aber nicht einfach.

Zufrieden ist Hökel mit dem Bestand der Wiese. Birne und Apfel wurden vor Jahrzehnten gepflanzt und können vielleicht bald wieder Früchte tragen. Sie bleiben ebenso erhalten wie ein wilder Nussbaum, der sich durch den Weißdorn gekämpft hat. Auch über die beiden Quittenbäume am Rand des Grundstücks ist er Nabu-Vorsitzende sehr froh. Aber er weiß, man braucht Geduld. „Wir müssen sehen, was davon im Frühjahr wieder ausschlägt.“ Auch über mögliche Neupflanzungen hat er sich schon Gedanken gemacht.

Nach der Erstpflege kümmern sich die Nabu-Mitglieder auch um die weiteren Arbeiten an der Streuobstwiese. In den kommenden beiden Jahren stehen hier Pflegeeinsätze an. Hökel und Flad können sich eine Beweidung gut die genügsamen Dexter-Rinder der Brüder Wild oder auch durch Ziegen von Mitglieder des Ziegenzuchtvereins vorstellen. „Durch das Scharren wird die Moosschicht aufgerissen und Samen können besser keimen“, empfiehlt Flad. Froh ist Hökel, dass vertraglich für die Dauer der Laufzeit der Windräder auch der Pflegeaufwand für die neuen Biotope unter Dach und Fach ist. Damit sei man viel flexibler bei der Gestaltung der Pflegemaßnahmen.

Und der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe hat Visionen. Nistkästen für Vögel und Insektenhotels sollen aufgestellt werden. Mit der Nabu-Jugend will er das Terrain gestalten, und aus den Äpfeln soll Saft gepresst werden.

Noch ist es aber nicht soweit. „Wir müssen jetzt erst einmal schauen, wie sich die Bäume in den nächsten Monaten entwickeln.“