Boxberg

Ehrung Deutscher Wetterdienst zeichnet phänologische Beobachterin Mechthild Gerner für 25-jähriges Engagement aus

Wichtiger Beitrag für Landwirtschaft und Forschung

Buch.Mechthild Gerner erfasst und notiert als ehrenamtliche phänologische Beobachterin seit 1993 und damit seit über 25 Jahren im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die Veränderungen in der Pflanzenwelt im Raum Buch. Der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer, hat der Bücherin als Dank für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement nun die Wetterdienstplakette verliehen, wie es in einner Pressemitteilung heißt.

Die Auszeichnung wurde Mechthild Gerner von Dr. Harald Maier, Leiter der Agrarmeteorologischen Niederlassung des DWD in Weihenstephan, feierlich überreicht. Dr. Harald Maier würdigte insbesondere die außerordentliche Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft von Mechthild Gerner als phänologische Beobachterin und überbrachte ihr den Dank des Präsidenten des DWD, Professor Doktor Adrian.

Phänologie ist die Lehre vom Einfluss der Witterung und des Klimas auf den jahreszeitlichen Entwicklungsgang der Pflanzen. Sie ist die Wissenschaft, die sich mit den regelmäßigen Beobachtungen der Entwicklung von wildwachsenden und landwirtschaftlichen Kulturpflanzen befasst.

Die Pflanzen sind natürliche Sensoren. Ihre Entwicklung spiegelt die natürlichen Bedingungen, vor allem die Witterungsbedingungen an einem Standort wider.

Die Beobachtungen stellen wertvolle Daten für viele Bereiche dar. Sie dienen als Grundlage für die Planung wichtiger Investitionen in Landwirtschaft und Gartenbau, zum Beispiel Obstplantagen, Beregnungsanlagen. Sie sind wichtige Zeitgeber in meteorologischen und landwirtschaftlichen Modellen für die Berechnung des Gefahrenpotenzials von Pilzkrankheiten und Schädlingen oder für die Ertragsprognose. Sie finden Eingang in die regionale, pflanzenbauliche und agrarmeteorologische Beratung des DWD, der die phänologischen Daten mit den Klimadaten verknüpft. Der Service des DWD ermöglicht dem Landwirt seine Arbeiten, gezielter und umweltgerechter durchzuführen. Damit sind die phänologischen Beobachtungen auch ein wichtiger Beitrag für die umweltschonende Erzeugung gesunder Nahrungsmittel.

Apropos Gesundheit: Die für Allergiker so wichtige Pollenflugvorhersage wäre ohne phänologische Beobachtungen nicht möglich.

Daten als Arbeitsgrundlage

Die Daten sind zudem Arbeitsgrundlage für die Garten- und Landschaftspflege, den Fremdenverkehr sowie für viele wissenschaftliche Bereiche, zum Beispiel für die Medizin, die Ökologie und die Klimatologie, einschließlich der Klimaforschung.

Längst ist die Phänologie zu einem internationalem Forschungsgegenstand geworden, dem sich alle führenden Universitäten weltweit zuwenden. Der zwischenstaatliche Ausschuss für den Klimawandel (IPCC) nutzt zum Beispiel phänologische Daten für die Untersuchung des aktuellen Klimawandels.

Die Beobachtungsstelle von Mechthild Gerner ist damit Bestandteil des internationalen phänologischen Netzwerks. Ihre Beobachtungsdaten werden nicht nur für nationale, sondern auch für internationale Untersuchungen verwendet.

Der Deutsche Wetterdienst unterhält zirka 1200 phänologische Beobachtungsstellen bundesweit, davon allein 157 in Baden-Württemberg. Ungefähr 147 Entwicklungsstadien an 45 Pflanzenarten werden regelmäßig, das heißt, mindestens zweimal pro Woche bei jedem Wetter erfasst. Die Phänologin müsse für ihre Tätigkeit besonderes Engagement mitbringen und die Beobachtungen ganzjährig, ohne Pause durchführen, wird in den Schreiben erklärt.

Die phänologische Beobachtungstätigkeit erfordere ein hohes Maß an Naturverbundenheit, Einfühlungsvermögen in die biologischen Prozesse, Idealismus und Pflichtgefühl.

Für die Brauchbarkeit langjähriger Beobachtungsdaten sei es sehr wichtig, dass die Daten immer und möglichst lange von derselben Person erhoben wurden. Nur so seien die innere Konsistenz und damit die Vergleichbarkeit zwischen den Jahren gewährleistet.

Deshalb seien für den nationalen Wetterdienst Bürgerinnen wie Mechthild Gerner unverzichtbar, die mit Liebe zur Natur und einer guten Beobachtungsgabe jahrzehntelang gewissenhaft die Flora in ihrer Region überwachen, heißt es in der Pressemitteilung abschließend. pm