Buchen

Badische Landesbühne gastierte in Buchen Den Thriller „Komplizen“ nach Joe Sutton in der Stadthalle aufgeführt

Abgründe zwischen Wissen und Gewissen

Buchen.Weniger ist mehr – dieses Motto erfuhr am Dienstagabend in der Buchener Stadthalle einmal mehr seine volle Bedeutung: In nur knapp einer Stunde und mit nur drei Darstellern schaffte es die Badische Landesbühne mit dem Thriller „Komplizen“ nach Joe Sutton, das Publikum eindrucksvoll in menschliche Abgründe zwischen Wissen und Gewissen blicken zu lassen.

Unscheinbar und bieder?

So unscheinbar und bieder Journalist Benjamin „Ben“ Kritzer (Colin Hausberg) in seinem beige-braunen Sakko aussieht, so viel hat er im Kopf: Durch geheime Informanten aus dem Pentagon weiß er über absolut vertrauliche Papiere zu Foltermethoden Bescheid, in denen die Genfer Konventionen verhöhnt werden. Darauf ist er stolz, darüber spricht er. Auch im Fernsehen. Gerade nach dem 11. September 2001 aber reagiert Vater Staat umso sensibler – prompt wird Ben zur Anhörung „gebeten“. Seine Freundin Judith „Judy“ Brown (die Berliner Gastdarstellerin Vivien Prahl in umwerfender Rolle) spürt, dass er Angst hat. Einfache Auswege gibt es sowieso nicht mehr, aber Konsequenzen. Nur welche? Das liegt im Zuständigkeitsbereich des befreundeten Anwalts Roger Cowan (René Laier). „Wir befinden uns im Krieg“, mutmaßt er. Keinesfalls dürfe Ben mit weiteren Menschen über seine Kenntnisse sprechen: „Wir müssen dazu beitragen, dass die Situation nicht noch angespannter wird!“

Ben plagen Angstgefühle, doch er schweigt. Den Namen des Informanten verraten? Nein, das darf er nicht. Das wäre ein Schlag gegen seinen Berufsethos. Und er steht zu seinem Wort – allein im Auftrag der Ehre.

Dennoch gerät er an seine Grenzen: „Ich kann nicht mehr“, seufzt er. Roger weicht nicht mehr von seiner Seite, gerät aber ebenfalls in einen von seltsamen Fragen dominierten Krieg mit seiner selbst: Ist das rechtens? Ist es zielführend? Sagt Ben die Wahrheit? Und was ist mit dem Krieg? Gibt es den? Und gegen wen? Am Ende zweifelt auch Judy an allem. Sie gibt Ben zu verstehen, seine „Stellungnahme“ zu den Folterhandlungen als „journalistisch unklug“ anzusehen. Er ist anderer Meinung: „Ich bin meiner Zeit voraus“, kontert er selbstbewusst.

Doch tief in seinem Innern werden die eigenen Gewissensbisse immer größer. Ben muss handeln: Alkohol ist auch keine Lösung, aber er braucht jetzt einen Drink. Dann hat auch Roger schlechte Nachrichten im Gepäck: Entweder packt Ben aus – oder er wandert in den Knast. Beides hat er nicht vor. Roger versucht zu vermitteln und scheitert selbst mit dem Verweis auf Pressefreiheit kläglich. Der Name des Informanten kursiert schon, Ben bleibt hart: „Leck’ mich, Roger!“, schimpft er.

Als Roger am Ende seiner Kräfte ist, dreht sich Ben mit dem Wind: Er muss zur Anhörung und öffnet sich. Der Name des „Maulwurfs“ geht über seine Lippen. Weil der Name sowieso bekannt ist und die Familie gelitten hätte, wie er sagt. So ganz zufrieden ist er aber nicht: „Ich habe etwas Schlimmes getan“, sagt er über sich. Die Informantin verliert unterdessen vor Gericht ihren Pensionsanspruch, nicht aber ihre Freiheit.

Die nur schwach besuchte Inszenierung von Carsten Ramm lenkte die Aufmerksamkeit der Besucher dabei dank präziser – wenngleich partiell etwas spröder – Dialoge und Video-Einspieler vor allem auf die Rahmenhandlung, die zahlreiche Verknüpfungen in die Gegenwart ermöglichte: „Whistleblower“ sind immer wieder ein Thema. Auch die drei Darsteller – allen voran Charaktermime René Laier in der an Günter Strack als Dr. Dieter Renz in „Ein Fall für zwei“ erinnernden Rolle als engagierter Jurist – sowie die schlichte Requisite überzeugten. Gemeinsam bewiesen die Eckpfeiler von „Komplizen“ eines: Weniger ist mehr. ad