Buchen

Land und Leute Die Buchener Fotografin Pia Jaroschinsky war für drei Monate in der Mongolei / Zwei Pferde, ein Kamel und ein Wolfshund als Begleiter

Auf der Suche nach neuen Abenteuern

Auf ihren Reisen hat Pia Jaroschinsky schon viel erlebt. Das letzte Ziel der Buchener Fotografin: die Mongolei. Ihre Reisegefährten: ihr Freund, zwei Pferde, ein Hund und ein eigenwilliges Kamel.

Buchen. Es ist die Lust nach Abenteuern, nach neuen Kulturen, Ländern und Landschaften, die Pia Jaroschinsky antreibt. Ein einfacher Strandurlaub auf Mallorca? Ferien in einer großen Stadt? Geführte Touren mit einem Guide? Nein, sie sucht die Wege abseits der Tourismus-Pfade. Einfach kann jeder. „Ich muss raus, im Ausland arbeiten, reisen und die Welt entdecken“, betont die Buchener Fotografin.

Viereinhalb Monate erkundete sie Indien, in Sri Lanka war sie drei Monate. Insgesamt hat sie bereits über 50 Länder besucht, auch dank ihrer monatelangen Arbeit auf Kreuzfahrtschiffen. Dort fotografierte sie an Deck die Passagiere und begleitete an Land geführte Touren. Auf der MS Europa beispielsweise machte sie eine Weltreise von Zypern über Asien, Australien, Polynesien, Hawaii, durch den Panamakanal bis nach New York und Hamburg. „Es war eine interessante Zeit. Selbst bei dieser Massenabfertigung habe ich etwas lernen können, wie etwa schneller zu arbeiten, und die Leute hemmungsloser nach einem Bild zu fragen. Es war auf jeden Fall eine Erfahrung wert“, sagt sie zu ihrer Zeit auf den Weltmeeren. Zwischenzeitlich verbrachte sie noch den Winter in Neuseeland und wanderte alleine über 1500 Kilometer. „Das war die pure Freiheit für mich.“ Dort lernte sie auch ihren Freund Brandon aus Amerika kennen. Seit über zehn Jahren geisterte bereits die Idee von einem Trip durch die Mongolei in ihrem Kopf herum.

40 Stunden im Bus unterwegs

Im Sommer 2018 war es dann soweit: Drei Monate lange reiste die 31-Jährige mit ihrem amerikanischen Freund Brandon durch das Land. Doch es sollte eine besondere Tour werden: Einfach nur ein Auto mieten und durch die Gegend tuckern, das kam nicht in Frage. „Wir wollten mit Tieren reisen und das Land auf eigene Faust erkunden“, erzählt sie. Gesagt, getan: Mit zwei Pferden, einem Kamel für das Gepäck und einem mongolischen Wolfshund als Wächter und Gefährte sollte die Reise starten. Doch schon der Weg von Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, in den Westen des Landes gestaltete sich als abenteuerreich. 40 Stunden waren die Fotografin und ihr Freund in einem voll besetzten Bus auf unbefestigten Straßen unterwegs. Ständig musste das Fahrzeug wegen technischer Probleme anhalten, dazu kam zu laute mongolische Technomusik während der Fahrt.

Endlich am Ziel angekommen, holten Jaroschinsky und ihr Freund die Tiere ab. Die böse Überraschung: Die Pferde waren total ausgemergelt. „Wir haben sie erstmal ein paar Tage grasen lassen“, berichtet die Fotografin. Die Tiere verhielten sich anfangs eher wie wilde Pferde. Doch nach einiger Zeit verhielten sie sich immer zutraulicher. Doch die Pferde scheuten anfangs den Kontakt zum Kamel und hielten Abstand. Doch auch das legte sich. Sinnbildlich dafür war die Überquerung eines Flusses: Die Pferde weigerten sich, diesen zu überqueren. Das Kamel dagegen graste gemütlich auf einer Wiese. Jaroschinsky und ihr Freund hatten noch gar keine Gelegenheit, etwas zu sagen, da marschierte das Kamel einfach durch das Wasser – und die Pferde folgten ihm.

Ala Meinak dagegen – so hieß der Wolfshund – erfüllte von Anfang an seine Rolle als Freund und Beschützer. „Mongolen sind total gastfreundlich und neugierig, es gab nie Probleme“, erklärt Jaroschinsky. Unzählige Male seien sie zu einem salzigen Milchtee eingeladen worden oder wurden bekocht. „Wir durften vier Tage bei einer Familie verbringen. So etwas wie Anklopfen gibt es dort nicht, die Türen stehen quasi immer offen“. Ansonsten machte die Gruppe dort halt, wo es ihr am besten gefiel: Entweder an einem Fluss, auf einer Wiese in einer der zahlreichen Steppen oder auf einer Anhöhe mit Blick auf die Berge.

Frittierter Knorpel als Delikatesse

Kulinarisch war die Reise dagegen kein Vergnügen, wie sie 31-Jährige erzählt. „Das Essen war schrecklich“, sagt die Buchenerin. Das Ekligste sei beispielsweise frittierter Knorpel gewesen. „Das kann man nicht einfach ablehnen, sondern muss es aus Höflichkeit probieren“, so die 31-Jährige. „Oft gab es Schaf, Ziege oder irgendetwas anderes, von dem man wahrscheinlich gar nicht wissen will, was es ist“. Nach einer Woche sei ihr bereits der Appetit vergangen. Einen Großteil der Reise ernährten sie sich von Reis, Nudeln, Trockenfrüchten und Nüssen.

Das Füttern der Tiere stellte dagegen weniger ein Problem dar: Die weiten Grassteppen boten zumindest für die Huftiere meistens genügend Möglichkeiten. Inmitten dieser wilden Landschaft, umgeben von Bergen und Tälern, traf die Reisegruppe auch zweimal auf unfreiwillige Begleiter: Wildpferde. „Die sind uns einfach gefolgt“, so Jaroschinsky, „aber zum Glück konnten wir sie zu einer anderen Herde treiben.“

Schätzungsweise über drei Millionen Pferde leben in der Mongolei. Die Tiere werden nicht nur als Gepäckträger genutzt: Bei einem Pferderennen versuchen die Besitzer, die schnellsten und damit besten Tiere zu ermitteln. Auch Jaroschinsky wurde zu dieser Tradition eingeladen und stellte erstaunt fest: „Als Reiter werden Kinder genommen, da sie leichter sind als Erwachsene.“ Wie bei einem Viertel-Meilen-Rennen im Motorsport galoppieren die Tiere auf einer geraden Strecke entlang. „Jeder Mongole lernt von klein auf das Reiten. Es gibt hier fast niemanden, der das nicht kann.“

Gegen Ende des dreimonatigen Abenteuers erlebten Jaroschinsky und ihr Freund noch zwei Überraschungen: Zuerst verloren sie ihr Kamel, dessen Spur sie noch bis in die Berge verfolgten. „Auf einem Bergrücken mussten wir einsehen, dass wir keine Chance mehr hatten es zu finden. Es gab einfach zu viele Richtungen, in die das Kamel hätte laufen können, und wir wollten es eh freilassen. Das geschah nur etwas zu früh.“ Das Gepäck hatten sie zum Glück noch bei sich und verstauten es notgedrungen auf ihren Pferden. Jaroschinsky und ihr Freund machten sie zu Fuß auf den Weg. Da sie nur noch für zwei Wochen unterwegs waren, fingen sie an, Gegenstände wie Kanister gegen Lebensmittel einzutauschen oder zu verschenken. Weitaus kritischer war das abgelaufene Visum von Jaroschinsky, weswegen sie Probleme mit dem Militär bekamen. „Mit etwas Schokolade und einem Lächeln ließen sich die Soldaten besänftigen, so dass am Ende doch noch alles gut ging“, erzählt die Fotografin. Den Hund brachten sie zu seinem ursprünglichen Besitzer zurück und die Pferde verkauften sie an eine freundliche Familie, ehe es wieder Richtung Buchen ging.

Die nächsten Ziele vor Augen

„Ich habe noch nie so viel Komfort aufgeben müssen. Die Reise war wie ein Abenteuer, anstrengend und atemberaubend zugleich“, beschreibt Jaroschinsky ihr Fazit. Bei ihren letzten Reisen habe sie erstmals gemerkt, wie schön es sei, wieder zurück in der Heimat in Buchen zu sein, mit einer festen Wohnung, einer Küche und einem Bad. Doch gestillt ist ihre Reiselust noch lange nicht. Die Polarregionen würde sie gerne noch erkunden und die 6000er-Berge erklimmen. „Ich muss noch viel sehen, und es ist für mich in Ordnung nicht zu wissen, was kommt.“