Buchen

Volksbank Franken Die Ausstellung „Fraternité/Brüderlichkeit Was bleibt?!/Que reste-t-il?“ eröffnet

Beitrag zur „Erinnerungskultur“

Die Ausstellung „Fraternité/Brüderlichkeit Was bleibt?!/Que reste-t-il?“ wurde am Donnerstagvormittag in der Schalterhalle der Volksbank Buchen eröffnet.

Buchen. Die Ausstellung „Fraternité/Brüderlichkeit Was bleibt?!/Que reste-t-il?“ zeigt überwiegend Arbeiten von Schülern des Ganztagsgymnasiums Osterburken. Diese haben sich künstlerisch mit der Geschichte des Konzentrationslagers Natzweiler mit seiner Außenstelle in Neckarelz auseinandergesetzt.

Dorothee Roos, Vorsitzende des Vereins „KZ-Gedenkstätte Neckarelz“, ging in ihrer Ansprache auf die Entstehungsgeschichte der Ausstellung ein. Die Idee dazu sei entstanden, nachdem dem grenzüberschreitenden „Verbund der Gedenkstätten im ehemaligen KZ-Komplex Natzweiler“ das Europäische Kultursiegel zugesprochen worden war. Man wollte dieses Netzwerk an Gedenkstätten sichtbar machen. Zufällig schlug zu jener Zeit die deutsch-französische Künstlergruppe „PlakatWandKunst“ den Verantwortlichen des Vereins vor, ein Kunstprojekt in den Lagern zu realisieren. Man einigte sich auf das Thema „Brüderlichkeit“ und verband dies mit einem pädagogischen Konzept in Schulklassen mit dem Motto „Was bleibt?!“.

So schufen die 32 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und Frankreich zunächst in internationalen Zweiergruppen monumentale Gemälde. Dann besuchten die Künstler Schulen an Orten, wo Außenlager des KZ Natzweiler bestanden. Während eines achtstündigen Ein-Tages-Workshop entstanden zahlreiche Schülerarbeiten, unter anderem auch am Ganztagsgymnasium Osterburken.

Neben dem Thema war auch das Format vorgegeben: Die Werke sollten jeweils ein Meter breit und hoch sein. 17 von diesen Arbeiten sind bis zum 20. Juni in der Volksbank in Buchen zu besichtigen. Außerdem wird erstmals im Neckar-Odenwald-Kreis ein monumentales Gemälde der Künstler Walter Jung aus Karlsruhe und Sylvie Villaume aus Straßburg gezeigt.

Nach den Worten von Dorothee Roos befanden sich im Bereich des ehemaligen KZ Natzweiler 55 Außenlager im Elsass, Lothringen und Baden. Sechs Außenlager mit 5200 Häftlingen bestanden rund um Neckarelz. Diese arbeiteten fast alle im unterirdischen Flugzeugmotorenwerk von Daimler-Benz in der Gipsgrube in Obrigheim. Roos dankte den Vertretern der Volksbank für die gute Zusammenarbeit und auch Dr. Klaus Lampe der Initiative „Herz statt Hetze im Neckar-Odenwald-Kreis“ für die Idee zu dieser Ausstellung in Buchen.

Landrat Dr. Achim Brötel ging in seiner Rede auf die Bedeutung und den Stellenwert des Begriffs „Brüderlichkeit“ ein. Diese beschreibe eine geistig-moralische Haltung, sozial und solidarisch zu handeln. Der Begriff gehört zum Losungswort der Französischen Revolution, er befindet sich in der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ wird in der Ausschreibung des Friedensnobelpreises genannt und in der deutschen Nationalhymne. „Mich fasziniert die Ausstellung und das ihr zugrundeliegende Projekt ,Was bleibt?!’ sehr“, sagte der Landrat. Denn es mache Mut, dass sich Schüler auf künstlerische Weise mit dieser Geschichte und dem Thema auseinandergesetzt hätten. Sie hätten sich damit nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Zukunft beschäftigt. Auch der Landrat dankte allen Beteiligten für die „außergewöhnlich gute Aktion“.

Beigeordneter Benjamin Laber von der Stadt Buchen äußerte sich ebenfalls sehr beeindruckt von der Ausstellung. Er lobte vor allem, dass das Projekt Grenzen überschritten habe, an den gemeinsamen Geist der Brüderlichkeit unter den Lagerinsassen erinnert werde und gezeigt werde, dass Brüderlichkeit auf für die Zukunft wichtig sei. Nach den Worten von Laber bedeutet Brüderlichkeit einerseits Solidarität, andererseits Toleranz, Versöhnung und Hilfsbereitschaft.

„Was bleibt vom einstigen Geist der Brüderlichkeit?“, fragte der Beigeordnete. Ihm gefiel die Idee, dass Künstler sich mit ihren Werken mit dieser Frage auseinandersetzten. „Ich begrüße diesen neuen Weg der Erinnerung“, sagte Benjamin Laber. „Dieser will dazu anregen, vereint und mit frischem Mut nach neuen Lösungen zu suchen.“

Bankdirektorin Karin Fleischer hatte als Gastgeberin die Ausstellung offiziell eröffnet. „Brüderlichkeit war in den NS-Konzentrationslagern kostbar und selten“, stellte sie fest. „Aber auch im heutigen Europa werden Brüderlichkeit und Solidarität oft beschworen, aber eher wenig umgesetzt.“ Sie bewertete das Kunstprojekt als einen „Beitrag zur deutsch-französischen Erinnerungskultur“. Sie dankte allen Beteiligten und auch den Musikschülern Franziska Früh (Querflöte), Patrick Ritter (Alt-Saxophon) und Penelope Lampe (Querflöte). Diese gaben mit ihren musikalischen Darbietungen der Veranstaltung einen würdigen Rahmen. mb