Buchen

Konzert in der Stadthalle Männerkammerchor „Camerata Musica Limburg“ überzeugte mit nuancenreichem Klang

Chorwerke meisterhaft vorgetragen

Archivartikel

Mit ihren vorzüglich ausgebildeten Stimmen begeisterten die Sänger des Männerkammerchors „Camerata Musica Limburg“ das Publikum in der nahezu voll besetzten Stadthalle.

Buchen. Mit einem beeindruckenden Konzert hat der Männerkammerchor „Camerata Musica Limburg“ das Publikum am Sonntagnachmittag in der nahezu voll besetzten Stadthalle überzeugt. Die 15 Männer musizierten mit ihrem Dirigenten Jan Schumacher auf Einladung der Volkshochschule und des Sängerkreises Buchen sowie im Rahmen der Reihe „Buchen in concert“.

Seit dem Jahr 2010 gelingt es dem Leiter der Joseph-Martin-Kraus-Musikschule und Kreischorleiter Michael Wüst in nahezu jährlichen Abständen, Spitzenchöre für die Sonderkonzerte des Sängerkreises Buchen zu gewinnen. Nach „Vocapella Limburg“ gastierte nun der zweite Männerchor in Buchen, der aus ehemaligen Limburger Domsingknaben entstanden ist und zu den Spitzenchören in Europa zählt.

Das Programm setzte sich aus den Teilen „Romantik und Ausblick“ und „Hommage an die King’s Singers“ zusammen. Beide Teile boten eher getragenes Liedgut. Der Chor begann mit dem Silcher-Satz „Frühlingsglaube“, dem „Morgenständchen“ von Max Bruch und dem eher selten aufgeführten „Maiennacht“ von Mathieu Neumann.

Variabler Klang

Schon diese ersten drei Vorträge machten deutlich, worin die besondere Qualität dieses Kammerchors besteht. Die vorzüglich ausgebildeten Stimmen mischten sich ausgewogen zu einem schlanken, variablen Klang. Eine akkurate, bewusste, aber immer natürliche Artikulation trug zu einer äußerst nuancenreichen Vortragsweise bei. So erklangen die romantischen, getragenen Chorwerke äußerst gefühlvoll in einer fließenden Dynamik, ohne unnatürlich laut und damit kitschig zu werden. Die Darbietungen der 15 Sänger unter ihrem Leiter Jan Schumacher strömten eine große Souveränität aus.

Das setzte sich fort bei dem Liederzyklus des zeitgenössischen Komponisten Christian Ridil. „Ein Jäger aus Kurpfalz“, „In dem Schneegebirge“, „Horch, was kommt von draußen rein“ sowie „Ade zur guten Nacht“ erklangen pointiert und elegant und gar nicht schwülstig, wie man es gelegentlich von Laienchören kennt.

Den modernen, aber eher konventionell bearbeiteten Volksliedern stellte der Chor drei Schubert-Lieder gegenüber: „Nachtmusik“, „Grab und Mond“ sowie „Die Nacht“. Auch diese erklangen atmosphärisch dicht und wirkten unter anderem durch den bewussten und gestalterischen Einsatz der Pausen.

Nach den beiden Ridil-Sätzen „Nordwind und Südwind“ und dem „Wanderlied der Prager Studenten“ folgte die Schubert-Vertonung des Goethe-Gedichts „Gesang der Geister über den Wassern“, die, dem Text angemessen, ruhig, bewegt, erhaben erklang.

Wie Chorleiter Jan Schumacher erläuterte, habe man den Titel „Hommage an die King’s Singers“ für die zweite Hälfte gewählt, weil man ähnlich wie dieses weltbekannte Ensemble eine große Bandbreite der Musik zeigen wolle, von der Renaissance bis zur Moderne. Und so begann die „Camerata Musica Limburg“ mit den beiden bekannten Madrigalen „Matona mia cara“ von Orlando di Lasso und „Je ne l’ose dire“ von Pierre Certon. Das Schlaflied „A Lullabye“ von Paul Nelson erinnerte in seiner Harmonik an nordischen Ton.

Internationaler Schlussteil

Die beiden folgenden Lieder hatten die Komponisten eigens für die „Camerata Musica Limburg“ geschrieben: Kurt Bikkemberg ein „Schlaflied“ nach einem Text von Rainer Maria Rilke und Franz Herzog „Jede Nacht“ mit der tragisch wirkenden Textzeile „Jeden Abend, wenn ich schlafen gehe, hoffe ich, nicht mehr aufzuwachen“ aus einem Brief von Franz Schubert.

Das folgende „Heyr, himna smiur“ von Porkell Sigurbjörnsson wird als heimliche Nationalhymne Islands bezeichnet und gab die Einsamkeit und Weite dieses nordischen Landes wider. Der letzte Teil des Programms wurde internationaler. „El Turututu“ ist ein Weihnachtslied aus Südamerika, das das Ensemble mit Lebensfreude und Schwung sowie einem Tenorsolopart präsentierte. Eher getragen und andächtig folgten das Spiritual „There is a balm in Gilead“ von William Dawson und aus dem Bereich der Populärmusik „And so it goes“ von Billy Joel, nach einem Arrangement von Bob Chilcott, beide Lieder mit Tenorsolo.

Den Schlusspunkt setzte der Männerkammerchor mit „Eternal Flame“ von „The Bangles“, arrangiert von Oliver Giese. Nach der ersten Zugabe des lautmalerischen und neckischen „Es war ein Mädchen und ein Matrose“ verdiente sich das begeisterte Publikum eine weitere. Mit dem romantischen „Schöne Nacht“ von Wilhelm Nagel entließen die Sänger die Besucher mit einem Gänsehautgefühl in den Abend.