Buchen

Zivilcourage-Preis verliehen Förderverein „Kommunale Kriminalprävention – Sicherer Neckar-Odenwald-Kreis“ tagte in Buchen

Das „vorbildliche Verhalten“ gewürdigt

Archivartikel

Im Alten Rathaus tagte am Mittwoch der Verein zur Förderung der Kommunalen Kriminalprävention „Sicherer Neckar-Odenwald-Kreis“. Dabei wurde auch der Zivilcourage-Preis verliehen.

Buchen. Zum achten Mal wurde durch den Förderverein „Kommunale Kriminalprävention – Sicherer Neckar-Odenwald-Kreis“ am Mittwoch der Zivilcourage-Preis verliehen. In 14 Fällen konnte durch beherztes Einschreiten von 16 Bürgern Schlimmeres verhindert werden.

Landrat Dr. Achim Brötel kombinierte seinen Dank mit dem Hinweis auf den Grundsatz „wegschauen schützt nur den Täter, aber nicht das Opfer“ und führte an, dass Zivilcourage kein Heldentum erfordere, sondern neben Mut und Besonnenheit auch voraussetzt, niemanden unnötig in Gefahr zu bringen und sich um das Opfer zu kümmern, bis die Rettungskräfte eintreffen.

Präsentkörbe und Urkunden gab es anschließend für Thomas Fuchs (Walldürn) zur Meldung einer Fahrerflucht, Semra Sarioglu (Walldürn) zur Mitteilung eines Einbruchsversuchs, Lucas Römmele und Dejan Milinov (Mosbach) zur Meldung von Drogendealer-Geschäften an die Polizei, Volker Rosenthal (Tanna/Thüringen) zur Meldung eines Auto-Einbruchs mit Diebstahl, durch den weitere Straftaten aufgeklärt werden konnten, Andrea Beate Lutz (Buchen) zur Unterstützung bei der Festnahme eines flüchtigen Straftäters, Konrad Kipphan (Zimmern) zur Meldung einer Sachbeschädigung mit Festnahme des Täters noch am Tatort, Andreas Feil (Schefflenz) zur Meldung brennender Strohballen und Verhinderung größerer Sachschäden, Maximilian Natalier (Mosbach) zur Meldung eines Raubüberfalls, Svenja Wolfrum (Altheim) für umsichtiges Verhalten am Arbeitsplatz, durch das ein Betrugsversuch an einer 84-Jährigen verhindert werden konnte, Wilhelm Schultz (Großeicholzheim) und Ahmad Alokla (Adelsheim), die einem bewusstlos auf dem Bürgersteig liegenden Mann durch sofortiges Reagieren das Leben retteten, Alexander Bauer (Höpfingen) und Annette Haberkorn (Wertheim) sowie Sebastian Kirschner (Osterburken) und Stefan Müller (Hainstadt) zur Meldung von Fahrerfluchten. Der Sonderpreis des Rotary-Clubs Neckar-Odenwald-Kreis ging an Lucas Römmele und Dejan Milinov.

Beispiel für andere

Landrat Dr. Achim Brötel sprach allen Preisträgern seine persönliche Wertschätzung aus: „Dieses vorbildliche Verhalten möge anderen ein Beispiel sein“, sagte er und erklärte, dass nur derjenige überführt werden könne, dem eine Straftat konkret nachgewiesen werden könne. Ausdrücklich riet er abermals davon ab, „den Helden zu spielen“, um bedrohliche Situationen nicht im schlimmsten Fall zusätzlich zu verschärfen.

Landrat Dr. Achim Brötel war es auch, der die vorausgegangene Mitgliederversammlung des Vereins als Vorsitzender eingeleitet hatte. Er verwies auf den „hervorragenden Draht zur Polizei“, der „effiziente Präventionsarbeit, die sich sehen lassen kann“ garantiere.

Es folgte der Bericht von Geschäftsführer Werner Broßmann. Nach dem Dank an Gisela Bender und Rüdiger Bäuerlein erwähnte er, dass die 78 Mitglieder des Vereins aus allen 27 Kommunen des Kreises stammen und informierte über laufende Projekte: Erfolgreich sind nach wie vor die Aktionen „Digitale Medien – Fluch oder Segen?“ für Sechstklässler, „Feste feiern – aber richtig“ zur Verhinderung von Gewaltdelikten durch alkoholisierte Jugendliche bei Tanzveranstaltungen mit über 560 000 bisher verkauften „Kontrollarmbändern“, „JuS“ als Jugendverkehrsschul-Unterricht für Senioren, „Wehr’ dich, aber richtig“ mit Selbstbehauptungskursen durch speziell ausgebildete Gewaltschutztrainer mit vier Kursen in 2017, „Sicher fit unterwegs“ zur Mobilitätserhaltung von Senioren und deren Schutz vor Kriminalität, der Viertklässlern das Fahrradfahrern in der Dunkelheit erklärende Kurs „Helle Köpfe – mir geht ein Licht auf“ und Vertiefung der Radfahrausbildung, der inzwischen fünfte Aktionstag „Sicher und schnell“ für junge Autofahrer sowie die Kindernotfallkarte für Schulanfänger und die seit Jahrzehnten beliebte Puppenbühne zur Verkehrs- und Kriminalprävention für Kinder, für die der Verein im vergangenen Jahr die neue Lautsprecheranlage finanzierte.

Sonderrolle

Eine Sonderrolle spielt neben der angesichts niederschmetternder Unfallbilanzen 2016 eingeführten Geschwindigkeitsoffensive für Motorradfahrer das „Gemeinnützige Arbeitsprojekt Neckar-Odenwald-Kreis“, das straffälligen Jugendlichen Arbeitsauflagen bei Vereinen ableisten; hier sprach Broßmann von einer „sinnvollen Wiedergutmachung“. In den Startlöchern steckt das Projekt „Schutzengel“ – mit einem gleichnamigen Aufkleber signalisieren Fachgeschäfte, als Anlaufstelle für Kinder da zu sein.

Für die verhinderte Schatzmeisterin Marion Pfannenschwarz verlas Sylvia Schäfer den Kassenbericht, Kassenprüfer Edgar Mechler dankte für die gute Arbeit und befürwortete die Entlastung, die Bürgermeister Roland Burger mit einem kurzen Grußwort verband: „Hier wird viel geleistet“, lobte er und rief zu „Mut zu mehr Zivilcourage“ auf, während er Prävention als „wichtige Komponente zur Verhütung krimineller Aktionen“ bezeichnete.

Unfallflucht im Visier

Im Anschluss wartete Rüdiger Bäuerlein mit Details zur Aktion „Unfallflucht – nicht mit mir“ auf: „Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Jahr für Jahr zunehmende Straftat“, merkte er an. Lediglich 990 von 3043 in den vergangenen fünf Jahren registrierten Fällen im Kreisgebiet konnten aufgeklärt werden; häufig seien „Parkplatzrempler“ zu beobachten, wobei es in Buchen, Mosbach und Hardheim diverse heikle Plätze gebe.

Gemeinsam mit dem Landratsamt und dem Polizeipräsidium Heilbronn verfolgt man nun den Plan, Unfallfluchten zu senden und gleichsam die Aufklärungsquote zu erhöhen, Zivilcourage zu fördern und das Zeugenverhalten von Passanten zu verbessern. „Dadurch soll auch die Hemmschwelle sinken, die Notrufnummer 110 zu wählen“, bemerkte Bäuerlein und erhoffte eine „Stärkung des Sicherheitsgefühls“. Mit Schildern auf öffentlichen Parkflächen, Aktionstagen sowie verteilten Parkscheiben und Plakaten werde auf die Aktion aufmerksam gemacht.

Das jeweils zur Hälfte vom Verein „Sicherer Neckar-Odenwald-Kreis“ und dem Rotary-Club Neckar-Odenwald-Kreis finanzierte und vom Förderverein des Frauen- und Kinderschutzhauses Neckar-Odenwald-Kreis bezuschusste Filmprojekt „Das Schweigen brechen“ über häusliche Gewalt wurde von Susanne Heering vorgestellt. Im Film kommen betroffene Frauen anonymisiert zu Wort und schildern ihre Schicksale, um Diskussionen anzuregen und Verhaltensmuster aufzuzeigen sowie zu verändern. Heering dankte für die Förderung und zeigte einen ähnlich strukturierten Präventionsfilm, um die Machart des von Bernd Umbreit verfilmten Werks zu demonstrieren.

Polizeipräsident Hans Becker (Heilbronn) beschloss die Versammlung mit dem Hinweis, dass Präventionsarbeit von Nachhaltigkeit lebe und erklärte, dass noch nicht umgesetzte Projekte nach und nach durchgeführt werden. So werde der „Schutzengel“ bald auch in Buchen zu finden sein. ad