Buchen

Im Burghardt-Gymnasium Buchen Extremläufer Norman Bücher stellte sein Projekt „7continents“ am Sonntag vor

„Den Jugendlichen eine Stimme geben“

Mit berührenden Geschichten hat Extremläufer Norman Bücher sein Projekt „7continents“ im Burghardt-Gymnasium vorgestellt und dabei Impulse für ein gelingendes Leben gegeben.

Buchen. Gut 70 gelaufene Kilometer hatte Norman Bücher an diesem Tag schon in den Knochen, als er am Sonntagabend im BGB eintraf. Nach Buchen war der 40-jährige von einer Veranstaltung in Mosbach mit dem Auto angereist. Schulleiter Oberstudiendirektor Jochen Schwab lobte Büchers Idee, der mit einem Lauf rund um die Welt „den Jugendlichen eine Stimme geben“ wolle. Die Veranstaltung an diesem Abend passe sehr gut dazu, dass das BGB vor einigen Wochen zur Unesco-Schule ernannt worden sei. Schwab bedankte sich auch bei den Lions-Clubs für die langjährige Zusammenarbeit.

Ralf Krippner vom Lions-Club Buchen betonte, dass die beiden Lions-Clubs Madonnenland und Buchen sehr gern die Preise für die siegreichen Jugendgruppen gespendet hätten. Die Lions-Clubs unterstützten mit ihren insgesamt 1,4 Millionen Mitgliedern weltweit den Lauf von Norman Bücher. Auch Lions-District-Governor Dr. Karsten Haasters hieß Norman Bücher in Buchen willkommen und stellte die Programme der Lions-Clubs für Kinder und Jugendliche vor.

In einem sehr persönlich gehaltenen Vortrag zog Norman Bücher anschließend die rund 100 Besucher in Bann. Er erzählte von seinem Werdegang als Student der Betriebswirtschaftslehre und seiner ersten Arbeitsstelle in einer Unternehmensberatung zum Extremläufer. So legte er vor sechs Jahren in Australien eine Strecke von rund 6000 Kilometern von der Westküste bis ins Landesinnere zurück. Anfangs seien seine Abenteuer und sportlichen Herausforderungen „reine Ego-Trips“ gewesen“, erzählte er. So durchquerte er zu Fuß die Atacama-Wüste in Chile, lief 265 Kilometer ohne Unterbrechung durch das Königreich Bhutan und rannte alleine 600 Kilometer durch die Wüste Gobi. Einige Schlüsselerlebnisse führten dazu, dass Bücher seine Einstellung änderte.

Für Waisenkinder unterwegs

So lernte er bei einem 250 Kilometer langen Lauf durch die Kalahari-Wüste in Afrika Kyan aus Singapur kennen. Dieser war übergewichtig, untrainiert und nahm nur deshalb an diesem Lauf teil, weil sein Chef Reise und Ausrüstung bezahlt hatte. Die anderen Teilnehmer schlossen Wetten ab, wie lange Kyan durchhalten würde.

Doch Kyan schaffte es bis ins Ziel. Er war zwar wesentlich langsamer als die anderen, aber er hielt durch. Als Norman Bücher ihn fragte, warum er sich die Strapazen angetan hätte, antwortete Kyan: „Ich bin für die Waisenkinder in Singapur gelaufen.“ Sein Chef hatte versprochen, einen gewissen Geldbetrag pro gelaufenem Kilometer für diese Kinder zu spenden.

Große Ziele erreichen

„Wir müssen die Frage nach unserem Warum beantworten“, sagte Bücher. Der innerste Antrieb sei entscheidend dafür, große Ziele zu erreichen. Auch auf Rückschläge und Scheitern ging Büchner ein und erzählte von einem Lauf durch den brasilianischen Regenwald, den er aus gesundheitlichen Gründen nach zwei Tagen abbrechen musste. Und auch die Geschichte von dem in den Allgäuer Alpen verschollenen 55-Jährigen ging zu Herzen. Die Rettungskräfte hatten die Suche schon eingestellt, als dessen 29-jähriger Sohn einer Intuition folgte und sich auf den Weg machte. Er fand den Mann schwerverletzt, aber lebend. Der Retter war Büchers Bruder, der Verunglückte ihr Vater.

Während seines Vortrags bezog der Extremläufer immer wieder das Publikum mit ein. So durften sie unter anderem Fragen in einer Broschüre schriftlich beantworten und die Antworten vorlesen. Folgende sieben Fragen stellte Norman Bücher nicht nur den Jugendlichen in Buchen, sondern er wird diese auch ihren Altersgenossen während seines Laufs rund um die Welt stellen: „Was ist dein größter Traum? Was macht dir Angst? Was macht dich glücklich? Was erwartest du von der Zukunft? Was bedeutet die Natur für dich? Wenn du Bürgermeister deiner Stadt wärst, was würdest du zuerst verändern? Was möchtest du den Staats- und Regierungschefs mitteilen?“

Projekte vorgestellt

Anschließend stellten fünf Jugendgruppen ihre integrativen und sozialen Projekte vor. Der Eine-Welt-AG des BGB gehören 36 Schüler an. Seit 13 Jahren setzt man sich für den Bau von Schulen ein, zunächst in Afghanistan, dann in Ghana. Außerdem hat man einen Fair-Trade-Arbeitskreis gebildet.

Die Schulsanitäter des BGB zählen 50 Mitglieder. Schüler der siebten Klassen erhalten eine Erste-Hilfe-Ausbildung. Die Schulsanitäter helfen bei Verletzungen und kleineren Unfällen im Schulalltag und alarmieren bei Bedarf die Rettungskräfte. Die Nepal AG der Abt-Bessel-Realschule verkauft seit drei Jahren Kaffee aus Nepal, den sie in Miltenberg rösten lässt und den sie selbst abwiegt und verpackt. Mit dem eingenommen Geld hilft sie, Schulen in Nepal aufzubauen. Die Streitschlichter des BGB vermitteln bei Streitigkeiten unter Schülern. Sie werden mit einer Schulung speziell auf ihre Aufgabe vorbereitet.

Das „Integrationsprojekt Hip-Hop-Breakdance“ wurde vor rund 20 Jahren gegründet, um vor allem Russlanddeutsche zu integrieren. Inzwischen haben unterschiedliche Formationen Deutsche Meisterschaften gewonnen und sind zweimal Weltmeister geworden.

Bei der Vergabe der Preise an die Jugendprojekte urteilte die Jury salomonisch: Alle fünf teilnehmenden Gruppen gewannen einen von den Lions-Clubs Madonnenland und Buchen gestifteten Geldpreis. Den ersten Preis und jeweils 750 Euro gewannen bei dem Wettbewerb das „Integrationsprojekt Hip-Hop-Breakdance“ und die Schulsanitäter. Platz drei belegten die Eine-Welt-AG, die Streitschlichter und die Nepal-AG. Sie erhalten jeweils 250 Euro.

Das Projekt „7continents“

Dabei handelt es sich um eine Tour rund um die Welt, durch sieben Kontinente mit dem Ziel der Uno-Generalversammlung in New York. Mit dieser Tour wird Norman Bücher Mitte des nächsten Jahres beginnen. Auf diesem sieben Jahre dauernden Lauf will der Sportler Stimmen von Jugendlichen aus der ganzen Welt sammeln und diese am Ende zum Uno-Hauptquartier bringen. Norman Bücher wird auf seiner Tour mit Jugendlichen in Schulen, Universitäten, Vereinen, Jugendclubs, auf der Straße, in Städten und auf dem Land sprechen. Vorträge und Workshops sollen die Basis für den Austausch bilden über Themen wie Bildung, Globalisierung, Persönlichkeitsentwicklung, Umwelt und Zukunft. mb