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Prunk- und Fremdensitzung in Hettingen Akteure wurden mit heftigem, ja oft mit frenetischem Applaus gefeiert

Der Lindensaal wurde zum „Fregger“-Himmel

Archivartikel

Die Mischung war gelungen bei der „Fregger“-Sitzung am Sonntagabend im Lindensaal.

Hettingen. Tanz und Wortbeiträge wechselten einander harmonisch ab, und Sitzungspräsident Robin Schmelcher leitete souverän durch die „Prunk- und Fremdensitzung“. So endete die närrische Veranstaltung schon 20 Minuten vor Mitternacht, und für Hettinger Verhältnisse konnte das Feiern zeitig zwanglos weitergehen.

„Der Fregger sich im Himmel fühlt“: Gemäß dieser Passage aus dem „Freggermarsch“ befand sich der Freggerhimmel am Sonntagabend im Lindensaal. Das Publikum schunkelte und klatschte, lachte und machte mit, wenn die Akteure dazu aufriefen. Die Darbieter wurden mit heftigem, ja oft mit frenetischem Applaus gefeiert.

Nach dem Eröffnungsmarsch durch die kleine Besetzung des Musikvereins Hettingen unter der Leitung von Wolfgang Mackert zogen Standarte, Freggergarde, Freggerli, Jungelferrat und Elferrat ein. Präsident Robin Schmelcher glossierte in seiner Begrüßung das neue Müllsystem der AWN. Dann bewies Jungpräsident Gino Sutter mit seinen humorvollen Grußworten, dass die Fregger vielversprechenden Nachwuchs in ihren Reihen haben. Nach dem Motto „Über Faschenacht bleibt das Wlan aus, da hol ich meinen Äschesack raus“, stellte sich jeder der vier weiteren Jungelferräten vor. Im weiteren Verlauf der Sitzung grüßten auch Bürgermeister Roland Burger und Beigeordneter Benjamin Laber mit gereimten Worten.

Garden und Schautanzgruppen

Der Fregger Stolz sind ihre Garden und Schautanzgruppen. Vom Kindergarten- bis zum Erwachsenenalter zeigten sie viel Tempo und Leidenschaft. So tanzten die Jüngsten, die „Freggerli“ (Leitung: Kirsten Erfurt, Hannah Stewner, Hedi Rösch und Melanie Möller), zur Filmmelodie von „Biene Maja“. Der Schautanz der Fregger-Kindergarde (Leitung: Helen Esche und Michaela Knöbl) entführte das Publikum nach West Virginia in den Wilden Westen. Die Juniorengarde (Leitung: Celine Henk) stand in ihrer tänzerischen Leistung kaum dem Aushängeschild des Vereins, der „Freggergarde“ (Leitung: Hannah Stewner und Jana Kreuter), nach. Der amtierende Narrenring-Vizemeister zählt seit Jahren zu den besten Gardetanzgruppen in der Region. Und wer von einem Männerballett stolpernde, unkoordinierte Bewegungsabläufe erwartet hätte, der musste sich von den „Waschbärbäuch“ (Leitung: Nadine Schmitt und Angelina Sutter) eines Besseren belehren lassen. Die Männer zeigten einen ausdrucksstarken Schautanz mit dem Thema „Waschbär goes Egypt“ und brachten als letzte Gruppe vor dem Finale die Stimmung zum Kochen. Einen Höhepunkt der Sitzung stellten neun Kunstturner des FC Viktoria Hettingen dar. Unter dem Motto „Maurerdorf Hettje“ schwangen sie sich an Barrenholmen, sprangen über Kästen und zeigten anspruchsvolle Bodenübungen. Neben den einheimischen Gruppen brachte auch die gemischte Schautanzgruppe der Höhgöiker Glashofen Schwung auf die Bühne. Ihre rassige Darbietung stand unter dem Motto „Walpurgisnacht – Im Bann der Hexen“.

Für den Humor sorgte bei der Sitzung am Sonntagabend eine Reihe von Büttenrednern. So erklärte der einheimische und erst 18-jährige Dominik Matt den Narren, als „Müllexperte“ nicht nur das Müllsystem, sondern auch das Leben „im Ort und drumrüm“. Er schwadronierte unter anderem über die Strohbären, den Biber im Hettinger Tal, die angebliche Römerkaserne und die anstehende Wahl zum Ortschaftsrat. Beim „Trainingsprogramm“ auf Sansenhecken, einem stimmungsvollen Bewegungslied, musste der ganze Saal mitmachen. Mit Wolfgang König von den Höpfemer Schnapsbrennern betrat ein erfahrenes Bütten-As als „Sicherheitsdienst“ die Bühne. So warnte der die Zuschauer davor, dass ein Attentat auf einen Politiker geplant sei. Denn er habe jemanden sagen hören: „Heute Abend köpfen wir eine Flasche!“ Als er dem Publikum das physikalische Phänomen einer statischen Aufladung erklärte, musste ein Elferrat als Anschauungsobjekt herhalten. Am Ende war dessen Birne kaputt. Bürgermeister Roland Burger assistierte König bei der Erklärung der Fluchtwege. „Sie sind im nichttechnischen Dienst tätig“, attestierte der Sicherheitsmann dem Politiker anschließend.

Das nächste Original für Wortwitz und Spontaneität stand mit Holger Löffler von den Stedemer Beesche auf dem Programm. Als „Liesele vom Fuchseloch“ erzählte er Begebenheiten rund um Milchkühe, Wallfahrt und dem Leben auf dem Land. Der „Jahresrückblick“ von Ralf „Zack“ Zang (Schneeberger Krabbe) fiel in diesem Jahr anders aus als gewohnt. Denn seine Tochter Lina (Höhgöiker Glashofen) machte ihm die Rolle streitig. Die beiden boten sich einen Witzerzähler-Wettbewerb, den natürlich die junge Lina gewann. Andreas Boser und Andreas Leiblein (Lustige Vögel Schweinberg), beide mit Künstlernamen „Karl“, testeten Klopapierrollen. Dass der eine Karl dabei immer wieder in den Keller hinabsteigen musste und dies meisterhaft auf der Bühne darstellte, trug zur Originalität der Gesangsnummer bei.