Buchen

Helene-Weber-Schule Buchen EU-Projekttag mit Dorothee Schlegel als Gastrednerin

„Die Idee der Solidargemeinschaft ist in Gefahr“

Archivartikel

Buchen.In Zeiten nationalistischer Tendenzen und dem Zunehmen geschlossener Grenzen scheint die europäische Idee auf dem Rückzug zu sein. Herausforderungen wie der Brexit lassen Zweifel am Fortbestand der Staatengemeinschaft aufkommen. Umso wichtiger ist es, junge Menschen an die Ideen der europäischen Union heranzuführen. Auch an der Helene-Weber-Schule in Buchen (HWS) informierten und diskutierten Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 2 im Rahmen des EU-Projekttags über drängende Probleme und die Zukunft der EU.

Der EU-Projekttag ist ein vom Kultusministerium Baden-Württemberg initiierter Projekttag an Schulen, an denen Jugendliche sich näher mit der Europäischen Union beschäftigen. Dennoch wolle man an der HWS nicht einfach nur die Vorgabe des Projekttages erfüllen, denn das Thema Europa sei auch außerhalb des Tages für alle Europäer von größter Bedeutung, wie Schulleiter Christof Kieser in seiner Eingangsrede betonte. Gerade die künftigen Abiturienten der Jahrgangsstufe 2 seien davon in besonderem Maße betroffen: Ob Studium, Ausbildung oder ein freiwilliges soziales Jahr folgen würden – all dies fände mittlerweile in einem europäischen Rahmen statt. „Daher ist es wichtig, sich mit Europa auseinanderzusetzen“, wie er erklärte.

Als Ehrengast und Rednerin des Impulsvortrags konnte Dr. Dorothee Schlegel, ehemalige Abgeordnete des Deutschen Bundestags gewonnen werden. Da sie selbst jahrelang Mitglied im sogenannten „EU-Ausschuss“ des Parlaments war, wusste sie um die Probleme und Herausforderungen, aber auch Chancen und Erfolge von Europa bestens Bescheid. So stand sie häufig im engen Austausch mit Parlamentariern anderer EU-Länder – nicht immer gestaltete sich dies reibungslos: „Problematisch sind die zunehmenden nationalistischen Tendenzen unter den Mitgliedsländern. Jeder will nur etwas von der EU haben, aber keiner ist bereit etwas zu teilen“. Die ursprüngliche europäische Idee der Solidargemeinschaft sei also in Gefahr.

Friedensstiftender Charakter

In ihrer Impulsrede betonte Schlegel sowohl die europäische Idee als Ganzes, wie auch den friedensstiftenden Charakter, den Europa für den Kontinent an sich hätte. Auch die teilweise jahrhundertealten Verbindungen der verschiedenen Länder zueinander zeigte sie auf: So würde beispielsweise in den Baltischen Staaten teilweise Deutsch gesprochen werden, da diese Länderteile Mitglied des Hanse-Städtebundes gewesen seien. Auch Kritik an den Entscheidungen der EU wurde geübt: So seien viele Aufnahmebedingungen des Lissaboner Vertrags von einzelnen Ländern nicht erfüllt worden. „Damit hat die EU falsche Zeichen gesetzt, die auch heute noch Probleme machen“, bekannte Schlegel.

Diskussionsrunde

In einer anschließenden Diskussionsrunde mit den Schülern wurden Fragen zur Zukunft der Staatengemeinschaft erörtert, etwa wo die EU für die Schüler besonders wichtig sei. Hier wurden nahe liegende Punkte wie die Reisefreiheit, aber auch Bildung und Umweltschutz genannt. Zur Frage, wo die EU in einigen Jahren stünde, gab es unterschiedliche Meinungen: Einige hofften auf eine Stabilisierung der EU, andere wiederrum, wie Paul Berger aus der SGJ2A, sahen mit Blick auf Länder wie Polen weitere mögliche Austrittskandidaten: „Einige Länder sind für die EU schon beinahe verloren“.

Im Anschluss an die Diskussionsrunde gingen die Schüler in Workshops zusammen und erarbeiteten Plakate zu aktuellen Problemen der EU: Neben dem „Brexit“ standen auch „Kritik an der EU“, „Rechtspopulismus“ oder die Frage nach einer „europäischen Identität“ zur Auswahl. Und auch außerhalb politischer Themen konnte sich mit der EU beschäftigt werden. Denn das Bistro-Team der Juniorfirma bot allen hungrigen Schülern mit seinen „EU-Snacks“ eine kulinarische Reise in die Staatengemeinschaft an.