Buchen

Probleme bei der Führerscheinprüfung Laut dem Kraftfahrtbundesamt scheitern immer mehr Jugendliche vor allem in der Theorie / Unterschiedliche Meinungen über technische Möglichkeiten

Digitalisierung beeinflusst die Fahrschüler

Archivartikel

Vergleichsweise viele Prüflinge fallen bundes- und landesweit bei der theoretischen und praktischen Führerscheinprüfung durch. Im Raum Buchen sieht es deutlich besser aus.

Buchen. Zwölf junge Leute beschäftigen sich an diesem Abend bei der Fahrschule Fuhry mit den Vorfahrtsregeln im Straßenverkehr. Fahrlehrer Rainer Weber vermittelt das Wissen auf eine anschauliche und lockere Weise mit PC und Beamer. Die Schüler müssen an zwölf Doppelstunden Theorieunterricht teilnehmen, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Zuhause lernen sie mit Smartphone und App. „Viele lernen mit der App nicht konzentriert“, meint Weber. „Sie lassen sich durch andere Apps ablenken.“

Denis Lulic und Wladimir Wagner verfügen beide schon über die Fahrerlaubnis für die Klasse B. Derzeit absolvieren sie eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Der 29-jährige Lulic legte die Fahrprüfung für die Klasse B im Jahr 2007, der 24-jährige Wladimir Wagner im vergangenen Jahr ab. „Man muss die Theorie absitzen“, sagt Wagner. „Und man muss intensiv dranbleiben.“ Denis hatte sich als 17-jähriger vor zwölf Jahren noch mit Papierfragebögen auf die Prüfung vorbereitet. „Ich habe damals an den zwei Tagen vor der Prüfung komplett durchgelernt“, erinnert er sich. Beide schafften die Prüfung gleich beim ersten Versuch.

Fast jeder Zweite scheiterte

Nach der Statistik des Kraftfahrtbundesamts bestand im Jahr 2017 fast jeder Zweite der Führerscheinanwärter in Baden-Württemberg die Theorieprüfung nicht auf Anhieb. Im praktischen Teil waren es 36 Prozent, die durchfielen. Im Jahr 2008 sahen die Werte noch deutlich besser aus: 33 Prozent fielen durch die theoretische und rund 28 Prozent durch die praktische Fahrprüfung.

Die Fahrschule Fuhry in Buchen liegt zwar im Trend, aber auf besserem Niveau. Nach Angaben von Hanne Fuhry scheiterten im Jahr 2010 an ihrer Fahrschule 22 Prozent an der theoretischen und rund 20 Prozent an der praktischen Fahrprüfung. Im Jahr 2018 fielen 30 Prozent durch die Theorie, während im praktischen Teil die Durchfallquote auf zehn bis 14 Prozent sank.

Seit 32 Jahren bereitet Fuhry junge Leute auf die Führerscheinprüfung vor. Sie führt die gegenüber früheren Jahren schlechteren Ergebnisse darauf zurück, dass die theoretische Prüfung am Computer abgenommen werde und nicht mehr mit Papierfragebögen. „Auswendiglernen der Prüfungsfragen geht nicht mehr, weil die Bilder sich ändern“, sagt sie. Außerdem sei der Verkehr dichter und unübersichtlicher geworden, auch in ländlichen Regionen. Deshalb habe sich die Anzahl der Fahrstunden in den vergangenen zehn Jahren um mindestens zehn erhöht. Der Führerschein mit 17 habe sich dagegen bewährt. „Wir müssen seitdem weniger junge Leute mit Führerschein auf Probe nachschulen“, stellt Fuhry fest.

Ähnlich äußert sich Markus Pfeil, der seit zwölf Jahren als Fahrlehrer arbeitet, zu den Durchfallquoten von Fahrschülern. „Die Fragen werden häufiger geändert und ihre Anzahl hat sich erhöht.“ Mit Smartphone und spezieller Lernapp könnten sich die jungen Leute auf einfache Weise und an jedem Ort auf die Theorieprüfung vorbereiten. Fahrlehrer hätten die Möglichkeit, den Lernfortschritt zu verfolgen. Der Vorteil der Digitalisierung liege auch darin, dass Fahrlehrer durch eine Vorprüfung auf einfache Weise messen könnten, ob ein Fahrschüler über die nötige Prüfungsreife verfüge.

Bei der praktischen Fahrprüfung verzeichnete die Fahrschule Pfeil im vergangenen Jahr nach Angaben des TÜV Süd eine Bestehensquote von 84 Prozent in der Klasse B.

Thorsten Schnell ist seit dem Jahr 1996 als Fahrlehrer tätig. „Die Fahrschüler werden immer älter“, stellt er fest. Sie seien zum Teil 19 bis 21 Jahre alt. Der Führerschein genieße nicht mehr einen so hohen Stellenwert wie früher, entsprechend geringer sei die Motivation ausgeprägt, diesen möglichst bald zu erwerben. Auch Schnell stellt fest, dass die Bestehensquote in der Theorie schlechter geworden sei. Die Anzahl der Prüfungsfragen habe sich deutlich erhöht von früher rund 30 auf heute umgerechnet 63 Prüfungsbögen. Im praktischen Teil zähle seine Fahrschule dagegen „relativ wenig Durchfaller“.

Mehr als nur ein Lehrer

Die jungen Leute seien zeitlich mehr belastet als früher durch das achtjährige Gymnasium und private Verpflichtungen. Es sei schwierig, Termine mit den Fahrschülern zu vereinbaren. „Heute muss man als Fahrlehrer auch Psychologe und Motivator sein“, sagt Thorsten Schnell.

Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg, nennt weitere Aspekte, die die höheren Durchfallquoten erklären könnten. So sei die Anzahl der Wiederholungsprüfungen nicht mehr begrenzt. Bis vor einigen Jahren durfte man maximal drei Mal an der Prüfung teilnehmen. Hatte man dann den Führerschein dann nicht in der Tasche, drohte eine medizinisch-psychologische Untersuchung. „Wenn die Eltern die Prüfungsgebühren bezahlen, ist es dem Prüfling egal, wann er besteht“, meint Klima. Außerdem würden die jungen Leute tendenziell weniger für die Prüfung lernen. Zudem seien Personen mit Migrationshintergrund nicht mit dem hiesigen Verkehrssystem aufgewachsen. Diesen falle es schwerer, sich im Verkehr zurechtzufinden.