Buchen

Jubiläum beim Frauenbund Buchen Einmischen, mitmischen und aufmischen in Kirche und Gesellschaft / Festgottesdienst und Empfang / Seit 90 Jahren gemeinsam auf dem Weg

Dr. Rumstadt: „Einmischen, mitmischen und aufmischen“

Buchen.Der Ruf nach der Gleichberechtigung von Mann und Frau in der katholischen Kirche wird lauter. Das wurde im Festgottesdienst des Frauenbunds Buchen am Sonntag zum 90-jährigen Bestehen des Buchener Zweigvereins deutlich.

Der Zweigverein Buchen des Katholischen Deutschen Frauenbundes wurde 1928 gegründet und hat sich seither als Teil des unabhängigen Verbandes in Kirche, Gesellschaft und Politik engagiert. Er ist mit knapp 200 Mitgliedern der größte Zweigverein im Bereich der Erzdiözese und einer der größten kirchlichen Vereine im Bereich der Seelsorgeeinheit Buchen. Die Bedeutung des Buchener Frauenbundes wurde auch durch die Teilnahme der Diözesanverbands-Vorsitzenden Doris Seiberling (Gernsbach) und von Bürgermeister Roland Burger unterstrichen.

„Einmischen, mitmischen und aufmischen“ – auf diese Formel brachte Dr. Almut Rumstadt die Aufgabe des Frauenbundes bei ihrer Ansprache im Festgottesdienst in St. Oswald. Rumstadt, Leiterin des Bildungswerks Heidelberg der Erzdiözese Freiburg, blickte auf die tiefgreifenden Änderungen der vergangenen 90 Jahre in Kirche und Gesellschaft zurück, die allerdings eines noch immer nicht gebracht haben: die volle Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Kirche.

Almut Rumstadt erinnerte an die Leistungen der Frauen der ersten Stunde gerade in der schweren Anfangszeit bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Danach habe sich die von vielen Männern in der Wirtschaftswunderzeit gewünschte Rückkehr der Frauen an den Herd nicht mehr durchsetzen lassen. Auch am Aufbau der Kirche hätten die Frauen mitgewirkt, insbesondere, nachdem diese sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verändert habe. Ohne die Beschlüsse des Konzils wären Gottesdienste mit Beteiligung der Frauen „so nicht möglich“. Erst in den letzten Jahrzehnten seien die Dienste für Frauen in der Kirche entstanden, die heute selbstverständlich sind.

Warten auf Gleichberechtigung

Rumstadt ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass die Frauen immer noch darauf warteten, die Gleichberechtigung in der Kirche zu erhalten. Beide Geschlechter seien zur Nachfolge Christi aufgerufen.

Für den Buchener Zweigverein war Rumstadt voll des Lobes: „200 Mitglieder und 13 aktive Frauen im, Vorstand: Das müssen Ihnen andere Verbände erst einmal nachmachen.“

„Wir sind froh, dass es euch gibt“, sagte der Präses des Buchener Frauenbundes, Stadtpfarrer Johannes Balbach. Vieles innerhalb der Kirche sei nur dem Engagement der Frauen zu verdanken. Für die noch ausstehende Gleichberechtigung gelte es weiter zu kämpfen: „Geht euren Weg in einer veränderten Welt und einer sich ändernden und öffnenden Kirche.“

Viel bewegt und gestaltet

Auch die Vorsitzende des Diözesanverbandes des Frauenbunds, Doris Seiberling griff das Thema Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche auf. In Buchen sei in 90 Jahren viel bewegt und gestaltet worden. Der von Freiburg am weitesten entfernte Zweigverein überzeuge immer wieder mit großartigen Ideen. Seiberling las ein Grußwort der Bundesvorsitzenden Maria Flachsbarth vor, in der diese eine partnerschaftliche Kirche fordert und für die Öffnung der sakramentalen Dienste in der Kirche für Frauen eintritt.

Bürgermeister Roland Burger erinnerte in seinem Grußwort daran, dass im Frauenbund neben ernsten Themen, wie Gleichberechtigung und eine geschwisterliche Kirche, auch das Lachen und Fröhlichsein nicht zu kurz komme. Dass in der kleinen Stadft Buchen der größte Zweigverein beheimatet sei, sei keine Selbstverständlichkeit. Er wünschte den Buchener Frauen, „agil wie eh und je“ ihre Ziele in Kirche und Gesellschaft zu verfolgen.

Elisabeth Hell überbrachte der Frauenbunds-Vorsitzenden Ingrid Weinmann ein Geschenk der Katholischen Frauengemeinschaften Hettingen, Hainstadt, Hettigenbeuern, Götzingen und Rinschheim. Zuvor hatte schon Stadtpfarer Balbach erwähnt, dass in der Seelsorgeeinheit die Gemeinsamkeit von KFGs und dem Frauenbund gepflegt werde.

Im Festgottesdienst, der unter dem Thema „Vom Wachsen und Gedeihen“ stand, hatte die Vorsitzende Ingrid Weinmann zu Beginn das soziale Engagement des Frauenbunds hervorgehoben. Eva-Maria Strein las eine mit dem Thema verwandte Geschichte und Ulrike Kleinert, Rosa Breunig, Anette Schmitt und Brigitte Röckel trugen die Fürbitten vor. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Jugendchor von St. Oswald unter der Leitung von Horst Berger. Die Chormitglieder übernahmen auch die Bewirtung beim Empfang vor der Kirche. Auf großes Interesse stießen die beiden von Simone Schönit und Anette Schmitt gestalteten Stellwände mit Texten und Bildern zur Geschichte des Buchener Frauenbundes und zu seinen gegenwärtigen Angeboten. Die evangelische Pfarrerin Irmtraud Fischer, die wegen eines eigenen Gottesdienstes nicht teilnehmen konnte, reichte ihre Glückwunsche mit Hinweis auf die gute ökumenische Zusammenarbeit nach.