Buchen

Gitarrenduo „Café del mundo“ Das neue Album „Beloved Europa“ wurde gestern in einer Würzburger Galerie vorgestellt

Eine musikalische Liebeserklärung an Europa

Archivartikel

Nach vier Jahren Inspiration und Arbeit hat das Gitarrenduo „Café del mundo“ mit Jan Pascal und Alexander Kilian ein neues Musikalbum herausgegeben.

Buchen. „Beloved Europa“– Geliebte Europa, heißt das neue Album von „Café del mundo“, das das Buchener Gitarrenduo am gestrigen Freitag in einer Würzburger Galerie vorgestellt hat. Jahr für Jahr geben Jan Pascal und Alexander Kilian rund 120 Konzerte im In- und Ausland. Liebe und Leidenschaft, Sensibilität und Inspiration, Empathie und Achtsamkeit trafen und treffen dabei auf Internationalität und kulturelle Vielfalt, fremde Menschen und Gesellschaften, neue Ausdruckformen und Lebensstile in mehr als 15 Ländern Europas. Entstanden ist aus diesen Erlebnissen und Erfahrungen ein Musikalbum als CD und Schallplatte, das in kein Schema passt. Und genau das macht es möglicherweise so reizvoll.

Der Titel ist als Programm zu verstehen und greift auf die griechische Mythologie zurück. Danach hat Göttervater Zeus in Gestalt eines Stiers die hübsche junge Dame Europa entführt und mit ihr drei Söhne gezeugt. Diese Metapher übertragen die beiden Musiker auf die aktuelle Zeit. Auch heute werde Europa bedroht, und zwar von populistischem und nationalstaatlichem Gedankengut. Immer noch bestünden zwischen den Völkern Vorurteile, die ein Zusammenkommen der Menschen erschwerten. Eine Schlüsselerfahrung der beiden Musiker führte zu dem Entschluss, sich musikalisch intensiver mit Europa zu beschäftigen: Sie nahmen an einem Festival auf der griechischen Insel Samos teil. Beim Strandspaziergang sahen sie in der Ferne Schiffe der europäischen Grenzschutzagentur Frontex vorbeifahren. Und am Strand fanden sie angeschwemmte Kleider und Gegenstände von Flüchtlingen.

„Was ist Europa? Ist es ein gefährdetes Konstrukt? Wir stellen uns Fragen nach Nationalgefühl und Globalisierung“, sagt Jan Pascal. „Musik hat eine Botschaft. Sie muss Stellung beziehen.“

Und so entstand eine musikalische Sammlung unterschiedlicher Ausdrucksformen und Stile, von Klassik, Tango, Flamenco bis zu Remixes des Electronic-Art-Künstlers Andi S aus Gottersdorf.

Auch auf ihre eigenen kulturellen Wurzeln besannen sich die beiden Gitarristen. Zum Beispiel bearbeiteten sie Franz Schuberts Liedfassung des „Erlkönig“ von Johann Wolfgang von Goethe. Als Sänger gewannen sie Henryk Böhm, der mit der Flamenco-Sängerin Rosario la Tremendita ein berührendes Duett singt. Beeindruckend ist auch die Bearbeitung des Kirchenlieds „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ von Paul Gerhardt, dessen Melodie auf den Franken Hans Leo Haßler zurückgeht. Das Thema verschwindet in den flamencoesken Klängen der Gitarren, um überraschend immer wieder aufzutauchen.

Viele weitere der von „Café del mundo“ teilweise selbst kreierten Stücke haben ihren Ursprung in Erlebnissen und Begegnungen auf Konzertreisen. So brachten sie aus Polen den Tango-Schlager „Ostatnia Niedziela“ von Jerzy Petersburski mit. Darin wünscht sich ein Mann einen letzten Sonntag mit seiner Geliebten. „Spread your wings“ haben die beiden Männer in dem toskanischen Örtchen Querceto geschrieben. Dort waren sie zu Gast bei dem Musik- und Kunstfestival „Labyrinth“.

Authentizität wichtig

„Unser neues Album ist aus unseren Herzen heraus gewachsen“, betont Alexander Kilian. Authentizität war den beiden Künstlern äußerst wichtig. Aus diesem Grund schlugen sie auch finanziell interessante Angebote großer Verlage aus, die als Gegenleistung Einfluss auf die musikalische Gestaltung nehmen wollten. „Wir wollen keinen inszenierten Erfolg“, sagt Jan Pascal. „Solche Musik ist von der Seele entkoppelt. Sie ist aufgedröselt und industriell zusammengesetzt, um unter Ausschluss sämtlicher Risiken als Renditeobjekt von Investoren auf dem Markt platziert zu werden.“ Das Duo „Café del mundo“ legt dagegen Wert auf seine künstlerische Freiheit, auf eine inspirierte, beseelte Musik, auf Individualität und Authentizität, auf das eigene schöpferische Potenzial.

Solch ein Werk verlangt auch nach einer besonderen Außendarstellung. Für die professionellen Fotoaufnahmen von Mike Meyer ließen Jan Pascal und Alexander Kilian extra Bühnenbretter in einem Reitstall verlegen. Der Hintergrund stammt von einer Theatermalerin aus Berlin. Als Reminiszenz an das Beatles-Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ ließen sich Jan Pascal und Alexander Kilian entsprechende Uniformjacken nähen. Und schließlich engagierten die beiden Gitarristen Sina Göppel aus Bayerisch Schwaben mit ihrem Ochsen Woodie sowie zwei Schauspielerinnen aus München. Nichts ist künstlich oder am Computer montiert, sondern alles real und authentisch, wie die Musik von „Café del mundo“.

Offiziell ist das neue Album zwar erst ab 28. September erhältlich. Für Buchen gilt jedoch eine Ausnahme. Hier kann man ab sofort CDs und ab September auch Schallplatten in der Buchhandlung Volk erwerben.