Buchen

Konzert im Joseph-Martin-Kraus-Saal Die Schüler der Klasse von Günther Beetz stellen hochkarätiges Talent unter Beweis

Eine Reise durch die vielfarbige Klangwelt der Trompete

Buchen.Im Laufe einer Karriere denken selbst die allerbesten Musiker an Momente zurück, wo man über sich hinaus wachsen und Mut beweisen musste, eine neue Herausforderung anzunehmen. Auch wenn dann etwas misslingt, gehört es zur Entwicklung eines versierten Musikers, die Situation trotzdem zu meistern und daraus zu lernen.

Im Joseph-Martin-Kraus-Saal waren genau diese Lernmomente Programm. Am Konzertflügel von den brillant aufspielenden Pianistinnen Chiaki Ohara, Atsuko Konishita und Yorika Kimura begleitet trugen gleich zehn Studierende der Trompetenklasse von Professor Günther Beetz von der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim sowie ein Alumnus klassische, romantische, und avantgardistische Werke mit beeindruckendem Können vor.

Ob Literatur aus Russland, den Niederlanden, Italien oder aus dem anglo-amerikanischen Raum, jeder Solist wurde mit einem Werk konfrontiert, das dem Musiker in einem „pädagogischen Erfahrungsprozess“ vor einem Live-Publikum einen musikalischen Härtetest abverlangte. Wie Günther Beetz erklärte, sollten an drei aufeinanderfolgen Abenden in der Region die Spieler „an die methodisch-technischen Grenzen“ gebracht werden. Das Publikum konnte für das „Lern-Experiment“ nur dankbar sein, denn die Anwesenden erlebten wie leidenschaftlich, elegant, zart und kraftvoll die Klangwelt der Trompete sein kann, selbst wenn der einzelne Solist „am Limit spielend“ Neuland betrat.

. Als Auftakt konnte Mark Caspari, der im Masterstudiengang als Praktikant am Orchester des Nationaltheater Mannheim wirkt, auf der Piccolotrompete mit einem klassischen Allegro-Satz von Romanino seine perlende, leichte Tongebung, flüssige Kadenzen und stilbewusste Stufendynamik formvollendet unter Beweis stellen.

Die Beiträge bis zur Pause zeigten immer wieder, dass die Studierenden die technischen Klippen ihres zugewiesenen Solostückes zu meistern wussten. Bachelor-Student Thilo Simers spielte zu der vollakkordischen Klavierbegleitung Chiaki Oharas mit einem äußerst sanften Ansatz, jederzeit beherrscht in legato und selbst im stärksten forte.

Seine Bachelor-Kommilitonen Kyeongbae Kim und Zekö Sebesy meisterten ihre Aufgabe ebenfalls – Kim mit schnittigem Tonansatz, sanfter Mittellage und schier unendlichem Atem verträumte Kantilenen spielend, Sebesy mit lyrisch-getragenem Ton, sowie fast an den „Hummelflug“ erinnernder Leichtfüßigkeit in den Läufen.

Ein Sprung nach oben war durch die Beiträge von Daniel Beez und Domokos Horváth bemerkbar, denn später im Studium gesellen sich noch mehr klangliche Rundung und Legatospiel. Bei Horváth waren die Spitzentöne strahlend, die langsamen Passagen gesanglich, samtig und nuanciert. Beez bemerkte, dass die Vorbereitung auf einen solchen Konzertabend es ihm ermögliche seine „eigene musikalische Wahrnehmung zu schulen“ und seine eigene Musik genau hinterfragen zu lernen. Vor der Pause betrat Mark Caspari erneut die Bühne und spielte ein Trompetenkonzert von Edward Gregson „In Memoriam Dmitri Shostakovich“, das er als ausdrucksstarke Reminiszenz an den großen russischen Komponisten schmerzlich-düster interpretierte.

Gleich vier weitere Solisten trugen ihre „Testwerke“ nach der Pause vor. Die Sätze „Rubato and Boldly“ von Erik Morales wurden sowohl im perfekten Unisono, majestätisch und mutig als auch in leggiero-Manier gespielt. Verblüffend, wie fertig ausgearbeitet und professionell Michael Jörder und Jakob Langenbach in ihren jungen Jahren mit Yorika Kimura das Werk darboten.

Mit feiner Phrasierung und vollmundigem Klang spielte Attila Maka zwei Sätze von Jan Koetsier. Maka entfaltete die Suggestivkraft seiner erzählerischen Trompete nicht nur spielerisch, sondern auch mit emotionaler Kraft.

Narae Lee wurden zwei Sätze des Werks „Postcard“ von Anthony Plog aufgetragen. Sie zeigte eine ganze Bandbreite an Farben und Rhythmen in den Zufallsmomenten und Intervallsprüngen des Werkes und besonders mit dem „Cup-Dämpfer“ im zweiten Satz erfüllte sie den Auftrag, „erzählerisch“ zu musizieren überzeugend.

Wolfram Lauel, Solotrompeter an der Badischen Staatskapelle Karlsruhe, wurde vom ehemaligen Professor eingeladen, das gleiche Konzert von André Jolivet wie 25 Jahre zuvor zu spielen, was er mit Raffinesse umsetzte. Wie Lauel erklärte, erfährt der Künstler Glücksgefühle, „wenn ein Abschnitt gelingt, und sich langsam das Gefühl einstellt, dass es möglich ist, das Stück zu bändigen.“

Zum Schluss kamen ein fünf- und achtstimmiges Werk vom US-Komponisten Erik Morales zur Aufführung: bei „Path of Discovery“ (Weg der Entdeckung) ist das experimentelle Ausarbeiten einer Melodie im Fokus, im „Infinite Ascent“ (Endloser Aufstieg) symbolisiert ein roter Ballon die Liebe und Freundschaft. Als der mächtige Schlussakkord den Kraus-Saal füllte, spendeten die Zuschauer lange Applaus.