Buchen

Vortrag beim Heimatverein Im Rahmen der Versammlung ging es beim Vortrag um eine Spurensuche

Erdgeschichte des Odenwalds beleuchtet

Hettigenbeuern.Was haben Wüsten oder Meere mit der Landschaft des Odenwaldes, mit dem Morretal zu tun? „Die Erdgeschichte ist spannend und faszinierend“, hob Diplom-Geologe Jochen Babist zu Beginn seines interessanten und fachlich sehr versierten Vortrages hervor und lud ein zur Spurensuche.

400 Millionen Jahre Erdgeschichte

Rund 400 Millionen Jahre Erdgeschichte stecken in den Gesteinen des Odenwaldes, teilte er mit. Sie erzählen von einer unglaublich dynamischen Erdkruste, deren formende Prozesse sich allerdings durch ihren Zeitmaßstab meist einer direkten Betrachtung entziehen.

Mineralvergesellschaftungen, Stoffbestand und Strukturen erzählen eine Geschichte, die heute aufzeigt, dass die hiesige Region einst Hochgebirge, dann eine flache Wüste und sogar mehrfach vom Meer überflutet war, teilte der Referent mit. Er gab Antworten auf die Frage, was die unterschiedlichen Landschaften mit dem Odenwald zu tun haben. Der maßgebliche Faktor, so die Lösung, sei die Zeit. Im Erdzeitalter „Buntsandstein“ herrschte in weiten Teilen Südwestdeutschlands ein wüstenähnliches Trockenklima. Gelegentliche Starkregen führten zu Überschwemmungen und zur Ablagerung von Sanden, aus denen später die geologische Formation des „Buntsandsteins“ wurde. Im darauf folgenden Erdzeitalter war die Region in einem feucht-warmen Klima von einem flachen Meer bedeckt. Aus den Schalen abgestorbener Meerestiere entwickelten sich die Muschelkalkschichten. Durch das Einsinken des Oberrheingrabens kam es aber auch zu Anhebungen der Flanken (Vogesen- Schwarzwald, Pfälzer Wald - Odenwald) und zur Schrägstellung von Schichten. Durch die einsetzende Verwitterung und durch Abtragung wurden die obersten Schichten abgetragen und der Muschelkalk lag im heutigen „Bauland“ irgendwann wieder an der Oberfläche.

Dort, wo auch schon der Muschelkalk abgetragen wurde, liegt wieder der Buntsandstein an der Oberfläche, wie beispielsweise im hinteren Odenwald. Je höher die Anhebung, desto stärker die Abtragung. Daher sind im westlichen Teil des Odenwaldes – oder etwa im Südschwarzwald – auch schon die Buntsandsteinschichten abgetragen und es liegen uralte Granit- und Gneisschichten an der Oberfläche.

Der Geologe berichtete über das Prinzip des Aktualismus in der Geologie und blickte auch auf die Erdbebengeschichte. Im Vortrag ging er auf die Schieferzüge des Odenwalds ein und zeigte beispielsweise Bildern vom Marmorbergwerk bei Bensheim und dem Steinbruch „Mainzer Berg“. „Die Beschäftigung mit der Erdgeschichte ist mindestens so spannend wie der Tatort in der ARD am Sonntagabend“, hob der Vorsitzende des Heimatvereins Manfred Lauer hervor. Es gehe hier um Zeitdimensionen, die kaum erfassbar seien. Vor vielen Millionen Jahren entstanden Gesteinsschichten. Er dankte dem Referenten Jochen Babist für die spannende Reise durch die Erdgeschichte der Region. hes