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Schlammiges Spektakel Eine Gruppe aus Hettigenbeuern machte sich nach Norddeutschland auf, um an der „Wattolümpiade 2018“ teilzunehmen

Etwas „anderen“ Junggesellenabschied erlebt

Archivartikel

Die „Wattolümpiade“ bei Brunsbüttel lockt regelmäßig rund 400 Freizeit-Sportler und Tausende Besucher an. Ein Gruppe aus Hettigenbeuern hat an dem schlammigen Specktakel teilgenommen.

Hettigenbeuern.„Wat wär dat denn förn Fest?!“ (auf Hochdeutsch: „Was war denn das für ein Fest?!“), blicktdie Gruppe um Torben Thamsen auch Tage später noch etwas ungläubig zurück. Gemeinsam machten sie sich vergangenes Wochenende zum Feiern eines Junggesellenabschieds nach Brunsbüttel in Norddeutschland auf. Ein ansonsten ruhiges, beschauliches Städtchen mit circa 13 000 Einwohnern, lockt jährlich hunderte Teilnehmer und tausende Besucher an den Deich der Elbmündung. Dort findet regelmäßig die „Wattolümpiade“ statt. Thamsen stammt dort aus der Region, und hat auch weiterhin eine enge familiäre Verbindung in den hohen Norden. Mittlerweile lebt er schon sehr lange im Odenwald und ist hier fest verwurzelt.

Auch seine neun Mitfahrer wohnen noch überwiegend in der Gegend and man kennt sich aus gemeinsamen Fußballer-Zeiten beim SV Hettigenbeuern. Folglich bezeichnen sie sich als „Odenwälder Jungs“ und traten unter diesem Namen auch bei den Spielen an. Dadurch wurden auch einige ehemalige Odenwälder, die jetzt in Norddeutschland wohnhaft sind, auf die Gruppe aufmerksam und es entwickelten sich interessante Begegnungen.

Kreativität gefragt

Nach einer feucht-fröhlichen Anfahrt über fast 700 Kilometer, bei der unzählige Taktikbesprechungen in Vorbereitung auf die „Olümpiade“ durchgeführt wurden, kamen sie gut vorbereitet am Ziel an. Am Samstag ging es an den Deich, wo sie auf Teams mit ausgefallenen Namen wie „Watt für Helden“ oder „Wattpupser“ trafen.

Zu den Klängen des Evergreens „Wir haben Grund zum Feiern“ von Otto Waalkes präsentierten sich die „Odenwälder Jungs“ den 400 anderen „Wattlethen“ sowie den Fans. Mit Choreographien zu eigens ausgewählten Liedern machten die „Wattlethen“ bereits den Einlauf zu einem Hingucker. Einige schleppten eine riesengroße gelbe Schwimmente mit, andere tanzten im Leoparden-Kostüm.

Danach konnte die 13. „Brunsbütteler Wattolümpiade“ beginnen, und die Teilnehmer stürzten sich voller Enthusiasmus ins sumpfige Watt. Viele Fans machten es sich während des Spektakels auf Campingstühlen am Deich gemütlich. Sie bejubelten jede Aktion der Sportler frenetisch, beispielsweise ungewollte Bauchplatscher oder einfach nur das „Steckenbleiben“ der Sportler.

Der gute Zweck im Vordergrund

Im Vorfeld der Veranstaltung sammelt jede Gruppe im persönlichen Umfeld Spenden. Bei der diesjährigen Veranstaltung wurden insgesamt 47 000 Euro an Einnahmen erzielt, hiervon waren rund 15 000 Euro aus den Spenden und Startgeldern der Teilnehmer. „Im Vordergrund steht bei diesem Ereignis der Spaß und der gute Zweck. Ein wirklich fairer sportlicher Wettbewerb ist unter den Bedingungen auch gar nicht möglich“, so die einhellige Meinung der Gruppe. Teils versinken die Sportler plötzlich knietief im Watt oder fallen verschiedenen Aktionen anderer Teams zum „Opfer“. Erlaubt ist nämlich vieles, die Teams sind kostümiert und schleppen Equipment mit sich. „Für das Event legen die Freiwilligen Feuerwehren etliche Schläuche zum Deich. Damit werden die Sportler vom gröbsten Schlamm befreit. Bis man aber komplett sauber ist, dauert es seine Zeit “, berichtet Tobias Thamsen, Bruder von Torben, weiter. Auf die „Olümpiade“ aufmerksam wurden sie durch ihren Onkel Hauke, der seit der ersten Veranstaltung 2004 mitwirkt.

Die rund 4000 Besucher waren auch dieses Jahr wieder begeistert von den etwas anderen „olümpischen“ Spielen mit Disziplinen wie Wattfußball, Watthandball, Wattvolleyball oder dem Schlickschlittenrennen. Insgesamt kamen 32 Teams aus ganz Deutschland, aber auch aus dem benachbarten Ausland.

Startplätze begehrt

Die „Brunsbütteler Wattolümpiade“ genießt deutschlandweit einen ausgezeichneten Ruf und erhielt auch schon mehrere Auszeichnungen. „Es ist ziemlich schwierig an Tickets zu kommen, da so viele Menschen teilnehmen wollen. Innerhalb von 40 Sekunden waren alle Tickets vergriffen, wir hatten Glück“, stellt einFreund von Torben Thamsen, Michael Eggenberger, rückblickend fest. Es bleiben lediglich circa vier Stunden Zeit, um die Spielfelder aufzubauen und die „Olümpiade“ durchzuführen, da die „Spielfelder“ dann vom Meer zurückerobert werden. Bei den „Wattolümpischen Spielen“ konnten in den vergangenen 14 Jahren insgesamt rund 375 000 Euro an Spenden gesammelt werden, die Krebskranken zugute kommen. Bei der nächsten Wattolympiade 2020 wird wieder schmutziger Sport geboten. Die Veranstaltung wird ausschließlich von Ehrenamtlichen organisiert. Falls die „Odenwälder Jungs“ nochmals die Gelegenheit haben, an der „Wattolümpiade“ teilzunehmen, wollen sie zwar vorrangig ihre Spendensumme erhöhen, aber auch sportliche Ziele lassen sie nicht völlig außer Acht. „Wir sind dieses Jahr Dritter geworden und daher kann dann das Ziel nur lauten, den Titel in den Odenwald zu holen!“, merkt Coach Thamsen augenzwinkernd an.