Buchen

Unternehmenskreis Buchen I Dr. Axel Nitschke und Dr. Andreas Hildenbrand von der IHK berichteten beim Pressegespräch über Lage und Erwartungen

Fachkräftemangel das größte Risiko

Buchen.„Was hat das vergangene Jahr gebracht?“ und „Wo geht es im kommenden Jahr hin?“ – um diese Fragen ging es am Dienstagabend im Saal „Baden-Württemberg“ des Hotels „Prinz Carl“. Antworten erwarte man sich, sagte Christoph Schneider, der Vorsitzende des Unternehmenskreises, von den Vertretern der IHK Rhein-Neckar und den Firmen des Unternehmenskreises, die an diesem Abend über Lage und Erwartungen informierten.

Dr. Axel Nitschke, Hauptgeschäftsführer der IHK Rhein-Neckar, stellte aktuelle Zahlen der Konjunkturbefragung im Bezirk vor. 500 Antworten von Firmen aus allen Branchen aus dem Neckar-Odenwald-Kreis, dem Rhein-Neckar-Kreis, aus Mannheim und aus Heidelberg habe man bekommen. Das Fazit des Hauptgeschäftsführers: „Die Lage wird als gut eingeschätzt. Die Erwartungen sind aber spürbar zurückgegangen.“ Der Blick in die Zukunft sei durch Vorsicht geprägt.

Dr. Nitschke präsentierte einige Ergebnisse der Umfrage. Von einer guten Geschäftslage sprechen bei der Industrie 67 Prozent, beim Handel 42 Prozent, bei den Dienstleistern 54 Prozent. Von einer befriedigenden Lage bei der Industrie sprechen 30 Prozent, beim Handel 47 Prozent und im Bereich Dienstleistungen 39 Prozent. Schlecht wird die Lage nur zu einem kleinen Teil eingeschätzt: Industrie drei Prozent, Handel immerhin elf Prozent, Dienstleistungen sieben Prozent.

Bei den Erwartungen ergibt die Umfrage ein überwiegend positives Bild. „Besser“ (34 Prozent) oder „Gleichbleibend“ (57) ist das Ergebnis im Industriesektor. Neun Prozent rechnen damit, dass es schlechter wird. Ähnlich die Lage beim Handel: „Besser“ 23 Prozent, „Gleichbleibend“ 65 Prozent, „Schlechter“ zwölf Prozent. Und bei den Dienstleistungen: „Besser“ 25 Prozent, „Gleichbleibend“ 61 Prozent, „Schlechter“ 14 Prozent.

Vorsichtiger Blick in die Zukunft

Beim vorsichtigeren Blick in die Zukunft würden vor allem zwei Faktoren eine Rolle spielen, so der IHK-Hauptgeschäftsführer: Einmal die Ungewissheit, was nach und durch den Brexit kommt, zweitens die Handelspolitik der USA. Das betreffe vor allem den Industriesektor, der hier große Unsicherheiten sehe.

Ein weiterer Punkt sei der Fachkräftemangel – seit Jahren ein Thema bei den Gesprächen des Unternehmenskreises. Und der betreffe nicht mehr nur die Industrie, sondern zunehmend auch die Dienstleister. „Was die Industrie schon kennt, das kommt jetzt auch hier an“, so Dr. Nitschke. Das zeigen die Antworten auf die Frage nach den Risiken. 63 Prozent nennen den Fachkräftemangel, 42 Prozent die Arbeitskosten und an dritter Stelle mit 39 Prozent die Inlandsnachfrage.

Dr. Andreas Hildenbrand, Standortleiter der IHK Mosbach, ging auf Zahlen im Neckar-Odenwald-Kreis ein. Hier gab es im Industriesektor im Zeitraum von Oktober 2017 bis Oktober 2018 beim Umsatz gegenüber dem Zeitraum davor ein deutliches Plus von acht Prozent. Zum Vergleich: Im IHK-Bezirk lag die Zahl bei 4,1 Prozent, in Baden-Württemberg bei drei Prozent. Der Exportumsatz stieg im Kreis um 9,8 Prozent, im Bezirk um 10,2 Prozent, im Land um drei Prozent. Die Exportquote ging im Kreis um 0,7 Prozent nach oben, im Bezirk um 3,5 Prozent und im Land stagnierte sie.

Bei den Zahlen für den Arbeitsmarkt sagte Dr. Hildenbrand, „wir streben in Richtung Vollbeschäftigung“. 13 372 Beschäftigte gibt es in der Industrie. Gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 2,6 Prozent. Gesunken ist dagegen die Zahl der Arbeitslosen. Lag die Quote im Oktober 2017 bei 3,2 Prozent (2536 Menschen waren arbeitslos gemeldet), so waren es 2441 im Oktober 2018, was einer Quote von drei Prozent entspricht.

Der Fachkräftemangel ist bei den Unternehmen im Kreis ein großes Thema, so der IHK-Standortleiter –dazu gehören auch die Schwierigkeiten bei der Suche nach Auszubildenden. Im kaufmännischen Bereich ist die Zahl deutlich nach unten gegangen. Nach 296 Auszubildenden im Jahr 2017 waren es noch 262 zum Stichtag 31. Oktober 2018. Ein Rückgang von 11,5 Prozent. Eine Zunahme gab es bei den gewerblich-technischen Berufen. Die Zahl ist von 269 auf 284 gestiegen, ein Plus von 5,6 Prozent. Betrachtet man den ganzen Ausbildungsmarkt, so Dr. Hildenbrand, ergebe sich ein Minus von 3,4 Prozent. Im IHK-Bezirk haben beide Bereiche zugelegt, unter dem Strich mit einem Plus von 4,3 Prozent.

Die Unternehmen seien aktiv und würden junge Leute mit verschiedenen Angeboten und Aktionen locken, „aber nicht alle Ausbildungsstellen können besetzt werden“. Ein Problem sieht er im „fehlenden Image für die Duale Ausbildung“. Dem wolle man mit einer Kampagne „Ja zur Ausbildung“ begegnen, die im Frühjahr starten soll und mit der man aufzeigen will, dass es eine Option zur akademischen Ausbildung gebe.

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