Buchen

„Der Steppenwolf“ nur für Schüler Die Badische Landesbühne führte für die HWS, ZGB und BGB das Werk von Hermann Hesse auf

Fruchtbarer Theaterbesuch zeigte neue Perspektive auf

Buchen.Hermann Hesses berühmter Roman „Der Steppenwolf“ beeinflusste Generationen von Lesern und ist auch heute noch aus vielen Bücherregalen nicht wegzudenken. Auch die jüngste Schülergeneration beschäftigt sich mit dem Buch – teilweise notgedrungen, denn das Werk gehört zu den Sternchenthemen des baden-württembergischen Abiturs im Fach Deutsch.

Richtige Wirkungskraft entwickeln Romane wie der „Steppenwolf“ vor allem auf der großen Bühne. Kein Wunder, dass die Badische Landesbühne das Stück in ihre aktuelle Spielzeit aufgenommen hat. Auch wenn man im vergangenen Jahr schon einmal in Buchen gastierte, so kamen die Theaterschaffenden auf Einladung der Helene-Weber-Schule, der Zentralgewerbeschule und des Burghardt-Gymnasiums gerne erneut in die Stadthalle. Die Vorstellung war dann auch ausschließlich für die Schüler der beteiligten Schulen gedacht.

Wie alle Umsetzungen ist auch diese eine Interpretation – und eine gelungene, folgt man der Mehrzahl der Schülermeinungen. Natürlich ist die Handlung verknappt und verdichtet worden, doch selbst Personen, die Hesses Buch noch nicht gelesen hatten, konnten dem Stück folgen. Im Mittelpunkt dessen steht natürlich Harry Haller, der von Markus Hennes glaubhaft zerrissen und verzweifelt dargestellt wird. Seine in viele Ichs zersplitterte Seele tritt immer wieder als Chor, verkörpert von den anderen Schauspielern des Ensembles, auf. Und auch der Dualismus von Wolf und Bürgertum wird von Regisseur Wolf E. Rahlfs gekonnt in Szene gesetzt: So zeigt sich Hallers wölfische Seite immer dann, wenn Protagonisten in ein lautes Geheule ausbrechen. Und auch das (spieß-)bürgerliche Leben tritt in Gestalt von Harrys Vermieter immer wieder auf die Bühne. Hier wird auch die Brücke zum lesenden Publikum geschlagen, denn der im Buch unscheinbare Herausgeber liest während des Theaterstücks immer weiter an Hallers Aufzeichnungen, welche er von ihm am Anfang ausgehändigt bekam. Zudem führt sein Auftauchen immer wieder zu einem Rückfall Hallers in seinen alten Dualismus. Besondere Kraft entwickelte in den Augen der Schüler auch das Bühnenbild, welches im ersten Teil noch recht minimalistisch, im späteren Teil, im Magischen Theater, aber einer wilden Szenerie aus Projektions- und Spiegelfläche wich. Und auch die Schauspieler konnten die Mehrzahl der jungen Zuschauer überzeugen: Besonders die Nebenfiguren Hermine und Pablo wurden am Ende mit Applaus geradezu überschüttet. Natürlich gab es auch kritische Stimmen: So gefiel die verknappte Handlung nicht jedem und auch die schauspielerische Interpretation der Rollen wurde kritisch beurteilt, fanden sich doch einige Stimmen, die Hennes Darstellung von Haller als zu fröhlich und positiv eingestellt empfanden.

Aber dies verdeutlichte, wie fruchtbar ein Theaterbesuch ist, denn er zeigt der eigenen Interpretation, die man beim Lesen gewinnen konnte, eine neue Perspektive auf. Und genau dies kann man angesichts der nahenden Abiturprüfungen sicherlich gut gebrauchen.