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Leserbrief Zu den Aussagen von Landesärztekammer-Präsident Dr. Clever zum Umgang mit schwachradioaktivem Bauschutt aus stillgelegten kerntechnischen Anlagen

Geplante Deponierung zu den derzeit geltenden Konditionen unterlassen

Der Ärztekammerpräsident Dr. Ulrich Clever hat seine Aussagen zum Umgang mit schwachradioaktivem Bauschutt aus stillgelegten kerntechnischen Anlagen vom Januar 2017 relativiert und nun ebenfalls eine klare Position im Sinne von „Bigmüg“ bezogen. So bezeichnet er die Haltung des baden-württembergischen Landesumweltministers Franz Untersteller als falsch, denn auch die schwachradioaktive Strahlung des Abrissmaterials kann nicht gegenüber der natürlichen Strahlung und der Hintergrundstrahlung vernachlässigt werden. Er plädiert nun für ein Moratorium zur Deponierung des Freimess-Mülls. Dabei sollte es um das Freimess-Verfahren, aber auch um die bereits vorliegenden Alternativen zur Freimessung gehen.

Vor diesem Hintergrund dürfte es schwer werden, die Argumente von „Bigmüg“ und anderer Bürgerinitiativen vom Tisch zu wischen, weil nun klar ist, dass mit Clever auch die Mehrzahl der baden-württembergischen Ärzte, die IPPNW (Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges), sowie andere Ärzteinitiativen das bisher festgelegte Deponierungsverfahren kritisch sehen. Denn nach wie vor gilt: Es gibt keine unschädliche ionisierende Strahlung. Der Bauschutt aus solchen Anlagen auf den Deponien im Land erhöht die zusätzliche Strahlung vor Ort und muss entsprechend in der Folgenabschätzung addiert werden.

Damit bleibt „Bigmüg“ bei seiner zentralen Forderung, die geplante Deponierung zu den derzeit geltenden Konditionen zu unterlassen. Vielmehr braucht es eine breitere Diskussion, in der auch kritische Stimmen Gehör finden. Und in der die verschiedenen beteiligten Fachleute vor die Aufgabe gestellt werden, ihre Positionen in einer verständlichen Art und Weise der Normalbevölkerung zu kommunizieren, damit jeder Bürger die Chance hat, sich eine eigene Meinung zu bilden. Denn ein Teil des Problems ist, dass die meisten Bürger sich hier auf Aussagen von Fachleuten verlassen müssen, die sie aufgrund der technischen Komplexität der Thematik kaum durchdringen können. Leider werden von Seiten der Politik hier aber nur Fachleute präsentiert, die eine klare Pro-Meinung zur aktuellen Gesetzeslage vertreten.

Insgesamt deutet aber wenig darauf hin, dass Untersteller sich in dieser Fragestellung bewegt. Im Gegenteil. In Kürze rollen die ersten Lkw aus Obrigheim auf das AWN-Gelände. Daran soll auch nicht gerüttelt werden. Zudem sucht man derzeit eine Lösung für belasteten Bauschutt aus Anlagen, die in Stadt-oder Landkreisen betrieben wurden, die keine geeignete Deponie besitzen.

Hier sieht der Umweltminister eine moralische Verpflichtung bei den Landkreisen mit einer Deponie. Zudem könnten ja auch finanzielle Anreize geschaffen werden. Man darf also gespannt sein, ob auch die AWN im Neckar-Odenwald-Kreis diese moralische Verpflichtung sieht, wenn es lukrative Anfragen aus anderen Städten und Landkreisen gibt.