Buchen

„Begge Peder“ gastierte in der Buchener Stadthalle Mit dem Programm „Kommer nitt so!“ das Publikum gut unterhalten

Geschichten mit wahrer Wurzel erzählt

Archivartikel

„Kommer nitt so!“: Mit gleichnamigem Programm hatte der „Begge Peder“ die Buchener Stadthalle am Sonntagabend voll im Griff.

Buchen. Ganz bescheiden begrüßte der „Begge Peder“ – neben der Tom-Gerhardt-Figur „Dieter Krause“ sicher der lustigste und zugleich böseste Hausmeister der deutschen Comedy-Welt – sein Publikum in der Buchener Stadthalle: „Der eine oder andere kennt mich ja, woher auch immer“, stellte er fest und ließ sogleich wissen, Geschichten mit wahrer Wurzel zu erzählen. Zum Beispiel über seine Schwiegereltern: Während die Schwiegermutter von gestandenen 88 Jahren „pausenlos neue Fremdwörter erfindet“, hält der 90-jährige Schwiegervater das Navigationssystem für eine „klasse Frau“, die jedoch auf der Autobahn auf einmal den Mund hält. Plaudert sie in dieser Zeit etwa mit dem Rest der Welt?

Wenn die Schwiegereltern nicht Garant für schrullige Alltagserlebnisse sind, ist es sicher des „Begge Peders“ Gattin: Obwohl sein Kleiderschrank mit Hut, Cordmantel, kariertem Hemd und Sandalen im Grunde bestens bestückt ist, räumte sie ihn auf – „aber eigentlich haben Männer doch keinen Kleiderschrank“, sondern bestenfalls einen Stuhl oder den Rand der Badewanne. Kaum war der „Begge Peder“ frisch restauriert und angezogen, zog es ihn mit Frau in eine schwedische Möbelhauskette. Deren Produkte allerdings haben es ihm nicht angetan: „Alle Kinder schlafen im stabilen Bett – nur nicht Andrea, die schläft im Ikea!“ Allein schon der Parkplatz sei indes nicht zum Aushalten gewesen. Wo Leute mit Pressspan-Platten ihre Autos begaffen und die S-Klasse sich trotzdem als Smart entpuppt, steht auch mancher „SUV“. Jene klobigen Vielzweckautos haben laut dem „Begge Peder“ nur eine Daseinsberechtigung: Sie sind ideale Alternativen „für Leute, deren Gesäß in herkömmlichen Fahrzeugen keinen Platz mehr findet – und warum sie oft einen Allradantrieb aufweisen, ist auch unklar: Kaum eines sieht jemals Gelände, meist sogar nicht einmal einen Feldweg! Viel mehr geht es direkt vom Ikea auf die Autobahn und dann in den Verkehrsfunk – warnt der Radiosprecher vor „auf der Fahrbahn liegenden Teilen“, ist es doch klar, dass ein Kunde seinen „Billy“ suboptimal auf dem Autodach befestigte und dessen Reste durch die geballte Power eines Lastwagens zermalmt wurden.

Schrullige Gesellen

Aber auch außerhalb schwedischer Möbelhäuser gibt es schrullige Gesellen, die der „Begge Peder“ dem Publikum vorstellte. Zum Beispiel sind da der Wertstoff-Günter und die Marliese mit ihrer Tochter Melanie zu nennen: Während die Eltern zuhause sitzen, tanzt „es Melanie“ trotz ihrer 125 Kilo Lebendgewicht im Faschingsballett – durch die Nachwuchssorgen in den Vereinen müsse man schließlich „nehmen, was man kriegt“. Außerdem ist das mit der Tradition so eine Sache: Bevor „es Melanie“ auf die Bühne ging, hob dort Mutter Marliese das Tanzbein – und auch die Oma hat „gehoben“; von Beruf war sie Hebamme. Auf der Suche nach einer weiteren Gardetänzerin brachte Melanie „das Tatjana“ an, dessen zweite Heimat eine bekannte Fastfood-Kette mit großem „M“ im Logo ist – keiner muss sich wundern, wenn er zu dick ist. Und wenn „es Melanie“ nicht probt oder tanzt, kümmert sie sich um den „kleinen Buddha“, der nach dem letztjährigen Lumpenball gezeugt wurde. Um selbigem ein hölzernes Bettchen zu kaufen, ging es samstags – mal wieder – in den Ikea, wo man den letzten Parkplatz ergatterte. Dem „Begge Peder“ passiert das freilich nicht: Er parkt immer auf dem „Mutter und Kind“-Parkplatz. Fragt ihn einer, lacht er nur und erklärt, dass seine Mutter gerade im Ikea sei – denn der Parkplatz kennt keine Altersbegrenzung.

Sichere Herkunftsländer

Nicht zu vergessen wäre neben dem „Flatly“ als Haus-und-Hof-Elektriker nebst Berufsmotto „wenn man als Elektriker einen Fehler macht, merkt man das schlagartig“ noch der Hilfssheriff „Little Joe“, der seinen Namen trägt, weil seine Frau im Lidl arbeitet – „Lidl“ und „little“ sprechen sich im hessischen Dialekt gleich aus. Gemeinsam sitzt man in Günters Sauna, nur der „Begge Peder“ fehlt. Er schwitzt ungern „aus Langeweile“ und erst recht nicht mit Marliese, die er erstmals pudelnackt sah. Wo sie ist, ist ihr Bruder aus dem „nahen Osten“ alias „Original-Zonen-Maik aus den neuen Bundesländern“ nicht weit: Er schenkte Marliese und Günter einen als „Mischung zwischen ungezogenem Hund und Raumschiff Enterprise“ definierbaren Saugroboter und blickt dem Jahr 2019 unsicher entgegen – dann werden die neuen Bundesländer, das weiß der „Begge Peder“ genau, zu sicheren Herkunftsländern erklärt.

Insgesamt wurde dem Publikum sympathischer, unprätentiöser Humor von so volkstümlichem wie herrlich zynischem Charakter geboten, der eigentlich nicht als „Comedy“ zu bezeichnen wäre, sondern viel mehr die Stadthalle zur Kleinkunstbühne umfunktionierte. Dass der Fokus auf zündendem Humor lag, unterstrich auch die spartanische Requisite: Viel mehr als einen Hut, einen Tisch und ein paar Utensilien benötigte das hessische Urgestein nicht, um für beste Stimmung zu sorgen.