Buchen

Ausstellungseröffnung im „Vis-à-vis“ Yongchul Kim und Alessia Schuth stellen Werke bis zum 7. Juli aus zu „Edge of Society – Malerei und Objekt“

Gleiches Thema, verschiedene Ansichten

Archivartikel

Kräftige und düstere Tönen wechselten sich mit hellen, freundlichen Farben ab: Grundsätzlicher könnte die Bilder der Ausstellung „Edge of Society – Malerei und Objekt“ nicht sein.

Buchen. Dem Rande der Gesellschaft widmen sich die beiden Künstler Alessia Schuth und Yongchul Kim mit der Ausstellung „Edge of Society – Malerei und Objekt“ im Kulturforum „Vis-à-vis“ in Buchen. Die Ausstellung des Kunstvereins Neckar-Odenwald wurde am Sonntagvormittag eröffnet und wird bis zum 7. Juli gezeigt.

Unterschiedlicher können Bilder wohl kaum sein: Der Südkoreaner widmet sich mit eher kräftigen Farben und düsteren Tönen dem Thema „Flucht“, die aus Villingen-Schwenningen stammende Künstlerin dem Thema „Frau“ beziehungsweise „Weiblichkeit“ in teilweise hellen Farben und feinen Linien. Yongchul Kim ist im Jahr 1982 in Südkorea geboren worden. Im Alter von 27 Jahren begann er ein Kunststudium in Korea, bevor er im Jahr 2014 an der Stuttgarter Akademie bei Professor Cordula Güdemann studierte. Er lebt und arbeitet in Stuttgart und zählt mit seinen monumentalen Formaten zu einem der erfolgreichsten jüngeren Maler.

Alessia Schuth wurde im Jahr 1987 in Villingen-Schwenningen geboren. Sie studierte von 2010 bis 2011 an der Kunstakademie Regensburg und ist seit dem Jahr 2012 Studentin an der ABK unter den Professoren Rolf Bier und Cordula Güdemann.

Kunsthistoriker Dr. Günter Baumann ging in seine Einführung zu der Ausstellung auf den Gegensatz zwischen den beiden Künstlern ein. „Yongchul Kim ist ein meisterhafter Vertreter seiner Schule“, betonte Baumann. Allerdings wies er darauf hin, dass die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (ABK) keinen eigenen Schulstil hervorgebracht habe. Vielmehr zeichne sie sich dadurch aus, dank internationaler Studenten „unabhängig von einem Gruppenstil“ zu sein. Studienanfänger arbeiteten mit erfahrenen Künstlern zusammen, die in einem anderen Land ihr Studium schon abgeschlossen hätten. Nach den Worten des Kunsthistorikers beschäftigen sich Alessia Schuth und Yongchul Kim in ihren Werken mit Fragen von sozialer Ausgrenzung, wenn auch mit unterschiedlichem Stil und Sujets. So widme sich der Südkoreaner dem Thema „Flucht“. Er schaffe Figuren voller Angst. „Durch Migration entstehen auch Existenzen zwischen den Welten“, stellte Baumann fest. „Die Ränder stellen längst die Mitte der Gesellschaft dar.“ Der Künstler sensibilisiere den Betrachter mit seinen Werken für Ausgrenzung. Kims Bilder seien „farbgewaltig“ und voller „Farbrausch“. Der Künstler bringe Stimmungen auf den Punkt. „Trostlosigkeit trifft auf eine große Strahlkraft“, sagte Baumann. Er wies darauf hin, dass die Spiegelung von Motiven im Wasser auf die Zweiteilung der Seele hindeute. Die Darstellung der Chemnitzer Karl-Marx-Büste sei „an Dramatik kaum zu überbieten“.

Dagegen haben die Werke von Alessia Schuth „Weiblichkeit“ zum Gegenstand. „Sie schafft Hüllen von menschlicher Gestalt“, sagte der Kunsthistoriker. „Die Frau wird in der Gesellschaft in ihren So-Sein nicht wahrgenommen.“ Haut sei in Schuths Bilder häufig eine Illusion. „Die Frau wird zum Ornament“, stellte er fest. Mit ihrer Darstellung des weiblichen Geschlechts, zum Beispiel in der Serie „Pussy Diary“, dokumentiere die Künstlerin eine Körperregion, die normalerweise sexuell wahrgenommen werde.

„Junge Kunst geht auf frische, fordernde Weise auf uns zu“, stellte Baumann fest. „Unterschiedlicher könnten zwei Werke nicht nebeneinanderstehen.“ Beide Künstler verwiesen mit ihren Werken allerdings auf den Rand der Gesellschaft, auf Frauen und Migranten.

Ruth Weniger, stellvertretende Bürgermeisterin, überbrachte Grüße für die Stadt Buchen und anstelle des Landrats auch für den Neckar-Odenwald-Kreis. „Ich schätze die Ausstellungen hier sehr“, sagte sie. „Es ist wichtig, dass Kunst auch im ländlichen Raum präsent ist.“ Ecken und Kanten der Gesellschaft künstlerisch zu erleben, sei reizvoll. Sie dankte den beiden Künstlern und allen Beteiligten für ihre Arbeit. Harald Kielmann, Vorsitzender des Kunstvereins Neckar-Odenwald, dankte nach seiner Begrüßung den Künstlern und allen ehrenamtlichen Helfern, besonders Hildegard Becker.