Buchen

Geheimnis um letzte Ruhestätte gelüftet Jubiläums-AG des Burghardt-Gymnasiums machte die Entdeckung in Ungarn / Wohltäter in Buchen und Budapest

Grab von Franz Burghardt gefunden

Buchen.Ende März begleitete die Jubiläums-AG des Burghardt-Gymnasiums, kurz Jubel-AG genannt, den Seminarkurs Europa auf seiner Reise nach Budapest. Ziel war es, die in Buchen begonnenen Recherchen über Dr. Franz Burghardt vor Ort mit Leben zu füllen. Die Gruppe, bestehend aus Moritz Lehrer, Viktoria Philipp, Penelope Lampe, Franziska Früh und Lehrerin Stefanie Lehrer, machte dabei einen sensationellen Fund, mit dem niemand gerechnet hatte.

Tobias-Jan Kohler, der Buchener Stadtarchivar, und Frau Fischer, die Tochter des Heimatforschers und Gymnasialprofessors Helmut Brosch, hatten der Gruppe umfangreiches Archiv-, Forschungs- und Bildmaterial von Brosch, der bekanntlich viel über Burghardt forschte und nach der Wende auch zweimal nach Budapest reiste, zur Verfügung gestellt. Diese Unterlagen hatte die Gruppe vor dem Trip nach Ungarn durchforstet und dabei wichtige Hinweise erhalten.

Letzte Ruhestätte

Ziel der Reise war, auf Burghardts Spuren möglichst viele Orte zu finden, die von seiner Arbeit zeugen. Es war der Gruppe auch wichtig, den Friedhof zu besuchen, auf dem Burghardt seine letzte Ruhestätte gefunden hatte. In einem Briefwechsel zwischen Brosch und einem Abteilungsleiter des Stadtarchivs war deutlich gemacht worden, dass das Grab von Dr. Burghardt nicht mehr existiert. Es gebe auch keinerlei Hinweise zu Burghardts Mutter Agnes und zu seinen beiden Ehefrauen Maria Mack und Anna Maria Gerschlag und deren Verwandten, hieß es in dem Brief weiter. Dennoch wollte die Jubel-AG zumindest den Friedhof ermitteln.

Und hier kommt nun der Deutschkollege des Alternatív Közgazdasági Gimnáziums Budapest, der Austauschschule des Burghardt-Gymnasiums, Gábor Széles ins Spiel. Er ist derjenige, der für die Gruppe in Budapest recherchiert. Széles gelang es nach mehreren Versuchen, diesen Friedhof zu ermitteln – und darüber hinaus die Grabstätte Burghardts. Fast auf den Tag genau 129 Jahre nach seiner Beerdigung, die am 28. März 1890 stattfand. Nun ist auch das Rätsel des Verbleibs seiner beiden Ehefrauen und seiner Mutter Agnes gelöst, die er im Alter wohl zu sich nach Budapest geholt hatte.

Große Bedeutung

Es fand sich am Grab kein Hinweis auf Burghardt selbst, was auch der Verwitterung geschuldet sein kann. Die Friedhofsverwaltung hat aber bereits bestätigt, dass es sich um Burghardts Grab handelt. Wie das Bild zeigt, handelt es sich um eine sehr imposante Grabstätte mit Bestandsgarantie. Dies verdeutlicht eindrücklich die Bedeutung Burghardts für die Stadt Budapest. Allerdings wird die Grabstätte nicht instandgehalten und verfällt langsam.

Dr. Franz Burghardt war ein außergewöhnlich begabter und für das Gemeinwohl engagierter Mann, der sich gleichermaßen für seine Geburtsstadt Buchen wie für seine neue Heimat Pest, später Budapest, einsetzte. Seinen Beruf als Arzt übte er aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr aus. Stattdessen kaufte und verkaufte er sehr erfolgreich Immobilien und Grundstücke, die er bebauen ließ, und bewies hier immer wieder einen besonderen Spürsinn. Als Mitglied des Pester Gemeinderats übernahm er viele ehrenamtliche Tätigkeiten: Unter anderem war er Inspektor des St.-Rochus-Krankenhauses, an dem während Burghardts Amtszeit auch der bekannte Arzt Dr. Semmelweis praktizierte.

Unter Burghardts Leitung wurde das Krankenhaus mehrfach erweitert und „auf Vordermann“ gebracht, Missstände und Misswirtschaft wurden beseitigt. Burghardt kaufte umliegende Grundstücke, um die Erweiterung des Krankenhauses zu ermöglichen. Auch dabei bewies er eine Verbundenheit zu seiner Heimatstadt: Er ließ schwer erkrankte Buchener im Krankenhaus aufnehmen und kam für die Kosten auf. Mehrere Schulen erhielten mit seiner Hilfe Neubauten und wurden neu gegründet. Burghardt startete Spendenaufrufe für den Bau eines Schulgebäudes in der ärmeren Franzstadt, erhielt aufgrund seiner guten Vernetzung immer wieder kostenloses Baumaterial und war vor allem daran interessiert, gerade Kindern aus unterprivilegierten Familien eine gute Schulbildung zu ermöglichen – so wie sie ihm einst ermöglicht worden war. In seinem Testament finden sich darüber hinaus größere Zuwendungen für Obdachlose und Findelkinder in Budapest.

Sowohl der Kaiser als auch die Stadt Budapest ehrten ihn für seine ehrenamtlichen Leistungen. Aber auch Prinzregent Friedrich von Baden kam nicht an ihm vorbei. Während eines Besuches in Wien gewährte er Burghardt eine Audienz. Dieser wurde vorstellig, um ihn auf die Not der Menschen in Buchen aufmerksam zu machen. Der Prinzregent erlaubte Burghardt, seinem geplanten Armenfond in Buchen den Namen des verstorbenen Großherzogs Leopold geben zu dürfen. Der Spitalfond, der ebenfalls von ihm errichtete Gymnasialfond als wichtiger Beitrag zur späteren Gründung des Realprogymnasiums, und seine Spende zur Errichtung einer Gewerbeschule, um das Handwerk gegen die aufkommende Industrialisierung zu stärken, sind weitere Beispiele seines Engagements für Buchen und seine Bürger.

Mit Lateinunterricht fing es an

Doch weshalb setzte sich Burghardt so für seine Heimatstadt ein? Es selbst hatte erfahren, was es bedeutet, im Leben eine Chance zu erhalten. Er stammte aus ärmlichsten Verhältnissen und hätte wohl ein armseliges Leben fristen müssen – wäre da nicht der Kaplan gewesen, der im Gegensatz zum Pfarrer nicht der Meinung war, der kleine Franz solle eben Gänse hüten. Er gab dem überaus begabten Jungen Lateinunterricht und brachte ihn drei Jahre später an das nächstgelegene Gymnasium in Tauberbischofsheim. So wurde sein weiterer Werdegang erst möglich.