Buchen

Katholischer Frauenbund "Literarischer Damentee" mit Stefan Müller-Ruppert gefiel auch in der zwölften Runde

Heiter und besinnlich gut unterhalten

Der nunmehr zwölfte "literarische Damentee" des katholischen Frauenbunds Buchen mit Stefan Müller-Ruppert versüßte den Montagabend einmal mehr.

Buchen. Lange, dunkle Herbstabende machen eine bekömmliche Tasse Tee umso wohlschmeckender. Erst recht in guter Gesellschaft und zu geistreichem Lesestoff stellt sich rasch eine Frage: Was gibt's Schöneres? Im Wimpinasaal freute sich Vorsitzende Ingrid Weinmann über das ansehnliche Publikum inklusive fünf "Quotenherren", ehe Teekannen wie Blechkuchen durch die Reihen gingen und Stefan Müller-Ruppert seine Stimme erhob.

Zunächst griff er Erich Kästners Gedankengänge zum Oktober auf: Während die Chrysanthemen frieren und man gleichsam fröstelnd dem Winter entgegen spaziert, tanzen Blätter ihren bunten Reigen durch den wallenden Nebel. Weiter ging es "wie immer" mit Fundstücken über das friedlich in den Tassen vor sich hin dampfende Aufgussgetränk: "Je stiller der Abend, desto entspannter die Näch-Tee!", rief der Odenwälder Grandseigneur des kultivierten Wortwitzes und nahm die Gesellschaft mit zur "Teezeremonie im ostfriesischen Leer". Strenge Sitten degradieren den "Tee to go", die Selbstbedienung, den Kaffeelöffel in der Teetasse oder auch weniger als drei getrunkene Tassen zum "No-Go". Außerdem trinke man den Tee in Leer still und gesittet: Auch das Schlürfen ist natürlich ein "No-Go"!

Dass neben dem Rebensaft auch der Tee die grauen Tage vergoldet, schilderte Müller-Ruppert auf unvergleichliche Weise mit dem "Oktoberlied" nach Theodor Storm. Aber der Herbst ist nicht nur die Zeit, in der die Vögel gen Süden fliegen - im Gegenzug kommen viele Menschen zurück in den Norden. Das griffen Harald Hursts Zeilen über den "Saisonschluss" mit verschmitztem Humor auf: Wenn die letzten Touristen wieder eintrudeln, resümieren sie meist doch ganz zufrieden über den Urlaub. Oder? Nicht ganz: Man versuchte wohl, im Ausland den Einheimischen das Gefühl zu geben, "nur etwas weniger ärmlich zu sein als sie selbst", aber das schlug fehl. Lag es am 40 000-Euro-Caravan, mit dem man vor dem edlen Restaurant am Meer aufkreuzte? Aber immerhin sind im Süden die Fische wieder glücklich - im Herbst werden sie im Wasser nicht mehr durch die Füße trampelnder Reisender gestört.

Bayerische Anekdote

Vom badischen Autor Hurst ging es zum schwäbischen Koch und Schriftsteller Vincent Klink, aus dessen Fundus wiederum eine bayerische Anekdote vorgetragen wurde. Während seiner in München verbrachten Lehrzeit lernte er "vier rabenschwarze Riesenkerle von Format" kennen. Sie aßen so viele Schweinswürstl, dass die Bäuche anschwollen und sie das Oktoberfest unsicher machten. Was in München das Oktoberfest, sind in unseren Breitengraden die Kartoffeln: Über den Erdapfel hatten Josef Knapp (Schneeberg) und Hanne Assion-Bausback (Walldürn) herzliche Zeilen verfasst, die Stefan Müller-Ruppert zur Freude aller rezitierte.

Kaum wurde die nächste Fuhre aufgetafelt, legte er mit Beobachtungen Engelbert Kötters über den Wandel der Zeit nach: Wo einst Oma und Opa Hühner züchteten und Kartoffeln ernteten, feiert nun die Jugend manche Poolparty. Auf die Glosse über den einsamen "pomme de cheval" (Pferdeapfel!) folgte "der lustige Odenwälder" alias Fritz Escheid mit dem wehmütig-herzlichen Schwank "Ich wär' im Jenseits gern wieder Hühnerhalter". In Amorbach blieb Müller-Ruppert mit drei kurzen Werken der Xenia Hügel sowie Dr. Hans Möller, dessen Erinnerungen an Rentner Brosius, der dreimal die Woche die Praxis stürmte und von einer leeren Spritze "geheilt" wurde, besondere Lachsalven hervorriefen.

"Moderne Verlogenheit"

Nachdenklich wurde es hingegen bei den aus dem Alemannischen adaptierten "Sproochspielen" von Ottmar Schnurr zur "modernen Verlogenheit". Alte Leute wurden Senioren, Altersheime Seniorenresidenten, die Unterschicht das Prekariat, die Entlassung zur Rationalisierung und lebhafte Kinder zu ADHS-Patienten: "Man babbelt sich alles schöner, als es ist - aber das löst kein Problem!" Von Harald Hurst stammte die herrliche Schilderung einer "Beachparty". Karibische Musik aus schrankhohen Boxen und Sand vom Bauhof verwandelten eine süddeutsche Fußgängerzone in die "karibische Zone", die ein knurriger Badener nur besucht, "damit man mitschwätzen kann" . Nach Caipirinha ohne Ende pafft er wie ein kultivierter Latino aus der Oberschicht eine Zigarre und spricht die Damen an - aber um ein Uhr endet die Nacht, bevor sie anfing. Das Ordnungsamt dreht Wirt Charly den Saft ab.

Ein echter Entertainer kennt sein Publikum - so hatte Stefan Müller-Ruppert selbstredend an eine Zugabe gedacht: "Bunt sind schon die Wälder" präsentierte er in einem so leichtfüßigen wie genialen Mix aus Gesang und Geschichten. Danach lockte noch die eine oder andere Tasse Tee. Und wer Schwarz- und Rooibostee auch zuhause genießen wollte, konnte sich nach der Verabschiedung durch Ingrid Weinmann und Stefan Müller-Ruppert im Foyer am Stand des Eine-Welt-Ladens mit fair gehandelten Waren versorgen.