Buchen

Benefizkonzert der Initiative „Herz statt Hetze“ Über 600 Zuschauer und 300 Akteure kamen in die Stadthalle / Emotionale Lieder und Beiträge

„Herztöne“ überbrachten klare Botschaft

Große und kleine „Herztöne“ waren am Samstagabend in der Buchener Stadthalle zu hören. Zum Benefizkonzert kamen über 600 Zuschauer.

Buchen. Ein Rhythmus sorgt im Herz dafür, das Blut durch den Körper fließt. Ein gleichmäßiger Takt, ausgelöst durch elektrische Impulse. Ohne diesen Rhythmus und ohne diese Auslöser kommt das Leben zum Erliegen. Laute Pulsschläge setzte das Benefizkonzert „Herztöne“ in der Buchener Stadthalle: für Respekt und Toleranz, gegen Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit. Die Hauptbestandteile, wenn man so will das Herz-Kreislauf-System des Samstagabends: die über 300 Akteure auf der Bühne und die Initiative „Herz statt Hetze“. In monatelanger Vorarbeit hatten Alexander Weinlein und Markus Dosch diese Veranstaltung organisiert. Nutznießer sollte die Lebenshilfe Buchen sein, so die Idee. Schon nach wenigen Auftritten war klar: Das war ihnen mehr als nur gut gelungen.

Gegen Egoismus und Intoleranz

Über 600 Zuschauer kamen, um den „Herztönen“ zu lauschen. Für das erste Beben auf der Bühne sorgten die Breakdancer von „Zzyzx“. Danach folgten die „Sound People“ mit „Lion sleeps tonight“. Bürgermeister Roland Burger bezeichnete in seiner Rede das Engagement von Weinlein und Dosch als „eine echte Wohltat“. „Dieser Abend führt uns vor Augen, dass es Solidarität gibt. Eine andere Meinung zu haben bedeutet nicht, dass man sich nicht gegen Egoismus, Engstirnigkeit, Hass und Intoleranz einsetzen sollte.“ Auch Landrat und Schirmherr Dr. Achim Brötel dankte den Organisatoren für diesen Abend und sagte: „Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen ihr Herz am rechten Fleck haben und mitmenschliche Wärme zeigen.“ In Zeiten tumber Parolen, einer verrohenden Sprache und spaltenden Botschaften sei es umso wichtiger, statt sozialer Kälte mitmenschliche Wärme zu zeigen.

Diese wurde auch bei den folgenden Auftritten deutlich: Etwa als die Vocal-Group des Burghardt-Gymnasiums „On my way home“ anstimmte. Oder als der Kinderchor Großeicholzheim die Bühne betrat und vom Lachen, von Träumen, Glück, Hoffnungen und einem Miteinander sang. „99 Luftballons“ von Nena aus dem Jahr 1983 machte deutlich, dass viele der Songpassagen kaum an Aktualität eingebüßt haben. Die „Sound People“ ließen „Don’t gimme that“ und „Rolling in the deep“ folgen. Der stimmgewaltige Chor des Burghardt-Gymnasiums regte dann mit „Wunderfinder“ zum Nachdenken an: „Bist du ein Wunderkind oder vor Wunder blind. Sag mir, ob du verstehst, dass wir ein Wunder sind. Diese Welt wird für Wunder immer blinder. Wenn du sie sehen kannst, bist du ein Wunderfinder.“ Zum zweiten Song – die Fußball-Hymne „You’ll never walk alone“ – meinte Moderator Stefan Müller-Ruppert nur: „Da wäre Jürgen Klopp mit seinem FC Liverpool auch gern dabei.“ Der Künstler führte mit viel Charme und Witz durch den Abend und leitete nach einer Pause in die „zweite Herzkammer des Abends“ ein.

Klassiker von „Pink Floyd“

Den „Happytones“ der Lebenshilfe oblag es, mit einem Medley die Bühne zu erobern – unter anderem mit „We will rock you“. Danach folgten vom Kirchen- und Jugendchor St. Oswald eine Premiere und ein kleiner Vorgeschmack auf den Herbst: das Programm „The Wall“ mit dem Klassiker von „Pink Floyd“. Die Band der Zentralgewerbeschule schloss sich mit „Chasing Cars“ und „Ein Kompliment“ an, bei dem auch das Publikum seine Textsicherheit unter Beweis stellte.

Da die Poetry Slammerin Natascha Bienert krankheitsbedingt absagen musste, griff Moderator Müller-Ruppert selbst ans Mikro. Das Werk „Was will ich mehr“ rückte den Wohlstand und den Frieden in Deutschland und die Lage in anderen Ländern auf dieser Welt ins Bewusstsein der Zuhörer. Passend dazu folgte ein aufrüttelnder Beitrag des Erzbischöflichen Kinder- und Jugendheims St. Kilian aus Walldürn. Bilder aus Kriegsgebieten im Hintergrund, dazu die Worte eines Flüchtlings, der unbegleitet und minderjährig aus seiner Heimat fliehen musste, sowie einfache, aber harte Fakten über die mehr als 65 Millionen Flüchtlinge auf der ganzen Welt: Mehr brauchte es nicht für die vielen Emotionen im Publikum.

Beim nächsten Lied purzelte ebenfalls die „ein oder andere“ Träne: Die drei Sänger forderten – unterstützt von Klavierklängen – dazu auf, mehr zu handeln, anstatt nur zu reden, mehr zu tun als nur „zu labern“. Die HWS-Combo der Helene-Weber-Schule war danach mit „Demons“ und dem berühmten „Wonderwall“ dran, ehe der „Maranatha“-Chor die Bühne füllte. Sorgten schon die über 100 Sänger mit „Wenn nicht jetzt wann dann“ und John Farnhams „You’re the voice“ für eine vielseitige Stimmgewalt, so bekam diese kurz darauf noch Unterstützung. Zusammen mit dem BGB-Chor versammelten sich über 300 Musiker auf der Bühne zu „We are the world“.

Packendes Finale

Seinen Herzschlag hörte der sichtlich gerührte Alexander Weinlein am Ende bestimmt ganz deutlich: Mit zitternder Stimme dankte er den Zuschauern sowie den vielen Helfern und Akteuren auf der Bühne, die alle ohne Gage aufgetreten waren. Der Vorsitzende der Lebenshilfe, Bernd Rathmann, rang ebenfalls um Worte, als er Alexander Weinlein und Markus Dosch ein kleines Präsent überreichte. Zum Finale versammelten sich alle Akteure auf der Bühne, so dass der Abend mit „All you need is love“ endete.