Buchen

Neckar-Odenwald-Kliniken Drei Jahre nach großer Operation kann eine heute 15-Jährige aus Usbekistan wieder laufen

Heute ein lebensfroher Teenager

Archivartikel

Eine 15-Jährige aus Usbekistan, die vor drei Jahren in den Neckar-Odenwald-Kliniken am Bein operiert wurde, kann wieder ohne Krücken laufen.

Buchen/Mosbach. Für Norbert Ahrens, Geschäftsführer der Neckar-Odenwald Kliniken, und für alle Chefärzte an den beiden Standorten Buchen und Mosbach gehört es zum Selbstverständnis, an den Kliniken nach Möglichkeit auch karitativem Handeln Raum zu geben. So kommt es hin und wieder zu medizinischer Hilfe, die nicht abgerechnet wird. Initiativen wie beispielsweise „Friedensdorf International“ stellen in solchen Fällen mittellose, kleine Patienten vor, die ärztlicher Hilfe bedürfen. Nach abgeschlossener Behandlung kehren alle zur Behandlung vermittelten „Friedensdorf-Kinder“ zu ihren Familien in ihre Heimat zurück. Nur manchmal erfahren die hilfeleistenden Ärzte später, wie es den ehemaligen Patienten geht. Umso mehr löst es in den Kliniken Freude aus, wenn sie von „guten Verläufen und Genesungsprozessen“ berichtet bekommen.

So erlebte es Dr. Bernd Gritzbach, Chefarzt an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an den Neckar-Odenwald-Kliniken. Bei einem Telefonat mit „Friedensdorf International“ einer gemeinnützigen Kinderhilfsorganisation, die seit 1967 verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten zur medizinischen Versorgung nach Deutschland holt, erfuhr er, dass es einer heute 15-Jährigen in ihrer Heimat in Usbekistan gut gehe. „Sie läuft sicher und ohne zu hinken. Ich konnte mich vor wenigen Wochen im Rahmen unseres 50. Hilfseinsatzes in Usbekistan davon überzeugen.“ So berichtete Friedensdorf-Mitarbeiterin Nathalie Witté. Für Dr. Gritzbach, der die Operation 2015 in Mosbach durchgeführt hatte, gehören solche Nachrichten „zu den schönsten Bestätigungen, die man als Arzt erhalten kann.“

Weichteiltumor

Die ganze Geschichte: Die 15-Jährige lebt mit ihren beiden Schwestern im Gebiet der Stadt Samarkand in Usbekistan. Samarkand hat etwa 350 000 Einwohner, ist durch viele sehenswerte Moscheen und Mausoleen bekannt und liegt an der Seidenstraße, der antiken Handelsroute, die China mit dem Mittelmeer verband. Für die fünfköpfige Familie stehen zwei Zimmer zur Verfügung. Und im Jahr 2014 wartete ihr Vater mit dem damals 12-jährigen Mädchen einen ganzen Tag lang im Krankenhaus der Stadt, um mit zahlreichen anderen Familien, die ihre Kinder bei den Friedensdorf-Mitarbeitern vorstellten, Hilfe zu erbitten. Bei dieser Begegnung lernten die Friedensdorf-Mitarbeiter ein Mädchen kennen, dessen rechtes Bein von einem Weichteiltumor angegriffen war. Sie hatte sich in Usbekistan bis dahin schon vier Operationen unterzogen, doch leider ohne den gewünschten Erfolg.

Man bemühte sich deshalb, ihr durch eine Operation in Deutschland zu helfen. Chefarzt Dr. Gritzbach führte diese Operation am 29. April 2015 an den Neckar-Odenwald-Kliniken durch. Dabei versuchte der erfahrene Orthopäde und Kindertraumatologe, „eine völlige Fehlstellung des Fußes operativ zu korrigieren.“ Dr. Gritzbach erinnert sich weiter: „Bei diesem 90-minütigen Eingriff mussten unter anderem zwei sogenannte Marknägel eingesetzt werden, da die Knochensubstanz durch die vielen Voroperationen schlecht und kaum beanspruchbar war.“

Nach dem großen Eingriff lebte das Mädchen für die Zeit des ersten Heilungsverlaufs gemeinsam mit 200 Kindern aus acht Nationen in der Heim- und Pflegeeinrichtung von „Friedensdorf International“ in Oberhausen. Im Juli 2015 stellte sie sich erneut in Mosbach vor. Die Verlaufskontrolle ergab, dass das Bein an Stabilität gewonnen hatte und die Chancen einer künftigen Gehfähigkeit als „gut“ bezeichnet werden konnten. Ihre Krücken – so die Prognose – sollten bald gegen einen Spezialschuh ausgetauscht werden, um damit die deutliche Verkürzung des betroffenen Beines auszugleichen. Einen Monat später konnte sich das Mädchen aus dem Friedensdorf in Oberhausen (NRW) verabschieden und mit neuem Lebensmut die Heimreise antreten.

2017 und 2018 kam sie zu erneuten Kontrollvorstellungen zu den Friedensdorf-Mitarbeitern in Samarkand. Nach der Schilderung von Nathalie Witté läuft die inzwischen 15-jährige junge Frau „gut und ohne Gehhilfe. An ihrem operierten rechten Bein trägt sie einen sogenannten Arthrodesenstiefel, der, ähnlich wie ein Skistiefel, weit über das Sprunggelenk reicht und den Längenunterschied der beiden Beine ausgleicht.“ Die Friedensdorf-Mitarbeiterin berichtet, dass in Usbekistan auch Teile des bei der Operation eingesetzten Metalls entfernt wurden. Und weiter: „Die komplette Entfernung des Metalls ist für die nahe Zukunft geplant.“