Buchen

Jugendhilfeausschuss tagte Analyse der erzieherischen Hilfen für Kinder und Jugendliche / Tagespfleger werden besser vergütet

Hohe Sensibilität bei der Kindeswohlgefährdung

Neckar-Odenwald-Kreis.Ein umfassendes Zahlenwerk zu erzieherischen Hilfen für Kinder und Jugendliche wurde den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses am Montag bei der letzten Sitzung in der auslaufenden Legislaturperiode präsentiert. Hierzu begrüßte Landrat Dr. Achim Brötel im Hugo-Geisert-Saal in Buchen die Ausschussmitglieder und dankte für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen fünf Jahren.

Stationäre Unterbringung sinkt

Präsentiert wurden die Ergebnisse von Kathrin Kratzer, Mitarbeiterin des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg. Basierend auf einer für das ganze Bundesland angelegten Untersuchung ordnete sie die Daten aus dem Neckar-Odenwald-Kreis ein. Entsprechend der allgemeinen Entwicklung sei beispielsweise im Kreis die stationäre Unterbringung von Jugendlichen rückläufig, wobei entsprechend vermehrt ambulante und teilstationäre Angebote genutzt würden. „Wir beobachten hier ganz klar eine Trendwende“, stellte Kratzer fest.

So hätten Angebote wie beispielsweise die Sozialpädagogische Familienhilfe oder Tagesgruppen im Zeitraum zwischen 2011 und 2017 um sechs Prozent zugenommen, während im gleichen Zeitraum die stationären Hilfen wie Heimunterbringungen um fünf Prozent zurückgegangen seien. Dabei unterstrich Kratzer, wie notwendig die Hilfen seien: „Unsere Daten zeigen, dass Kinder, die in bestimmten Lebenslagen aufwachsen, mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit die ergänzende Unterstützung benötigen.“ Unter anderem sei der Anstieg psychischer Erkrankungen eine zusätzliche Belastung.

Bei der kreisspezifischen Analyse stellte Katzer fest, dass grundsätzlich mehr stationäre Hilfen in Anspruch genommen werden, als sie es auf Basis der sozialstrukturellen Daten vermutet hätte. Dies schrieb sie einer erhöhten Sensibilität im Bereich von Kindeswohlgefährdungen zu. Auch würden mehr Kinder als im Landesdurchschnitt in Pflegefamilien untergebracht, was dafür spreche, dass es noch vergleichsweise gut gelinge, geeignete Familien zu gewinnen. Um die erstrebenswerte Entwicklung hin zu nicht-stationären Angeboten weiter zu stärken, empfahl Kratzer niedrigschwellige, ambulante Hilfen weiter auszubauen.

Gut aufgestellt

Gesondert herausgehoben wurde dann die personelle Ausstattung der Sozialen Dienste, die im oberen Drittel des Landesdurchschnitts liege. „Sie haben damit verbesserte Möglichkeiten, um Familien und junge Menschen frühzeitig beratend zur Seite zu stehen“, stellte Kratzer fest. Beim Thema Kindertagesbetreuung appellierte sie, in den Bemühungen nicht nachzulassen, auch mit Blick auf wieder erhöhte Geburtenzahlen. Ebenso empfahl die Soziologin, das Thema von hauptamtlich tätigen Fachkräften in der offenen Jugendarbeit genauer anzuschauen. In der Schulsozialarbeit im Landkreis sei eine sehr gute Entwicklung festzustellen.

Abschließend verwies Kratzer auf die zunehmende Brüchigkeit familiärer Bindungen, die oft eine Inanspruchnahme erzieherischer Hilfen unerlässlich mache. „Umso mehr wird es von entscheidender Bedeutung sein, die vorhandenen Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe gut abzusichern und rechtzeitig dort nachzubessern, wo sich Schwachstellen abzeichnen.“

Die Ergebnisse wurden anschließend diskutiert, wobei auch auf die Besonderheiten des ländlichen Raums mit seinen oft noch sehr gut funktionierenden ehrenamtlichen Strukturen verwiesen wurde. Diese würden natürlich in den Statistiken nicht abgebildet. Dennoch war man sich einig, dass beispielsweise ganz aktuelle Probleme mit Jugendlichen im Mittelbereich Mosbach zeigten, dass stets ein wachsames Auge und gegebenenfalls Anpassungen in den Hilfeangeboten notwendig seien.

Förderung wird fast verdoppelt

Fortsetzen will man zudem die enge Zusammenarbeit von Landkreisverwaltung und Tageselternverein Neckar-Odenwald-Kreis. „Die Nachfrage nach Tageseltern ist ungebrochen und wir wollen hier natürlich das bisherige, gute Miteinander beibehalten“, sagte Landrat Brötel. Entsprechend werde man gemäß des Ausschussvotums den Vertrag um drei Jahre verlängern. Brötel hatte zuvor die im ablaufenden Vertragszeitraum sehr positive Entwicklung der Kindertagespflege hervorgehoben. So seien die Rahmenbedingungen für Tagespflegepersonen und Eltern verbessert worden und man habe neue Angebote wie den KinderTiger oder das Pflegenest etabliert. 2019 wurden so über 200 Kinder in der Kindertagespflege betreut, 2017 waren es rund 150. Deshalb waren sich Verein und Verwaltung einig, die bisherige Förderung aus Kreismitteln von 36.600 Euro auf 60.000 Euro zu erhöhen. Auch die Qualifizierungen der Tagespflegepersonen werden besser vergütet.