Buchen

Einschulung Wie sich der erste Schultag im Laufe der Jahrzehnte verändert hat / „Das ist ein richtiges Familienfest geworden. Wie eine kleine Erstkommunion“

„Ich war saumäßig stolz auf meinen orangefarbenen Ranzen!“

Buchen.Zahlreiche Erstklässlerinnen und Erstklässlern werden heute an den Grundschulen der Stadt feierlich eingeschult. Viele Familien feiern diesen Anlass mit einem kleinen Fest mit Freunden und Verwandten. Wir haben uns umgehört, wie man zu früheren Zeiten diesen Tag begangen hat.

Bernhard Linsler (66) arbeitete vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2016 als Rektor an der Jakob-Mayer-Grundschule in Buchen. Von 1993 an war er als Konrektor an der Nachbarschaftsgrundschule Buchen eingesetzt. Zu Beginn seiner Unterrichtstätigkeit in Buchen liefen die Einschulungsfeiern folgendermaßen ab: Gemeinsamer ökumenischer Gottesdienst mit Erstklässlern und deren Eltern in der Stadtkirche „St. Oswald“; kurze Begrüßung in der Aula der Schule; erste Schulstunde; Mitglieder des Elternbeirats bewirteten die wartenden Eltern. Anfangs liefen die Schüler, die in der späteren Jakob-Mayer-Schule am Stadion unterrichtet wurden, zu Fuß dorthin, um ihre erste Schulstunde zu erleben. Später richtete man dort eine eigene Einschulungsfeier aus. Da immer mehr Kinder muslimischen Glaubens die Schule besuchten, verzichtete man im Laufe der Jahre auf den Gottesdienst. Man baute stattdessen religiöse Elemente in die Einschulungsfeier ein, zum Beispiel das Sprechen von Fürbitten.

„Das war eine ärmere Zeit“

Nach den Worten von Bernhard Linsler begleiteten anfangs nur Mütter und vielleicht auch noch deren Väter und Geschwister die Erstklässler zu ihrem besonderen Tag. Seit etwa 15 Jahren habe sich dies geändert. Oft seien Oma, Opa, Paten und Freunde mit dabei. „Das ist ein richtiges Familienfest geworden. Wie eine kleine Erstkommunion.“ Bernhard Linsler selbst wurde an Ostern im Jahr 1958 in Gerichtstetten eingeschult. Da er neben der Schule wohnte, schickte ihn seine Mutter allein dorthin. Er kann sich noch an seinen Lederschulranzen mit Schiefertafel und Schwamm erinnern. „Das war eine ärmere Zeit“, sagt er. „Und die Leute hatten viel mehr Kinder.“

Die Einschulung von Erich Nohe (91 Jahre) liegt 85 Jahre zurück. Er erlebte seinen ersten Schultag im Frühjahr 1933: „Ich bin mit Vater und Mutter von der Friedrichstraße zur Schule gelaufen. Dort wurden uns die Klassenlehrerin Frau Schwab und der Lehrer Herr Walz vorgestellt. Die Eltern warteten auf mich und nahmen mich anschließend wieder mit nach Hause. Es war einfach, aber ein schöner Tag.“ Von seinem älteren Bruder hatte Erich Nohe einen „stabilen Lederranzen“ bekommen. Eine Schultüte gab es damals nicht. 20 bis 25 Kinder besuchten seine Schulklasse.

Klaus Aicher (80), wurde im Jahr 1944 eingeschult: „Ich war ängstlich und aufgeregt. Ich bin mit meiner Mutter zur Schule gegangen. Man hatte mir die Schultüte meines Bruders mit Himbeergutsele und anderen süßen Sachen gefüllt. Rund 70 Kinder wurden auf zwei Klassen aufgeteilt. Es wurde sicher ein Foto gemacht, aber das habe ich nicht mehr. Der Unterricht begann bei uns morgens mit dem Hitlergruß. Ein- bis zweimal pro Woche mussten wir für Tee fürs Winterhilfswerk Kräuter sammeln, zum Beispiel Scharfgabe, Minze und Brombeerblätter.“

„Das war eine große Heulerei“

Marianne Baier, (65), erlebte ihren ersten Schultag im Jahr 1960: „Ich bin mit Mutter und Schultüte zur Schule gegangen. Die Lehrer wurden kurz vorgestellt: Helmut Stieber und eine junge Lehrerin. Wir wussten vorher nicht, wer zu welchem Lehrer kommt. 48 Kinder wurden auf zwei Klassen aufgeteilt. Die Namen wurden alphabetisch verlesen. Abwechselnd wurden die Schüler dem Lehrer oder der Lehrerin zugeteilt. Alle Kinder wollten zur Lehrerin. Das war eine große Heulerei. Es wurde ein Lied gesungen, dann ging es gleich los. Später gingen wir mit unseren Schultüten zum Kindergarten und verabschiedeten uns von den Kindergartenschwestern. Unser Klassenzimmer war schön geschmückt. Der Tag war nichts Besonderes, aber gut.“

Tine Schwab-Mackert (51), Einschulung im Jahr 1973: „Ich bin mit meiner Mutter zur Schule gegangen. Wir wurden auf drei Klassen verteilt. Jede Klasse zählte über 30 Schüler. Ich habe dort auch meine Freundin mit Schultüte getroffen. Ich war saumäßig stolz auf meinen orangefarbenen Ranzen! Die erste Woche wurde ich von meiner Mutter zur Schule begleitet, dann lief ich allein dorthin. Ich war froh, dass ich bei Herrn Ballweg in der Klasse war. Die anderen Lehrerinnen hatten so ernst gekuckt.“

Anna Wiener (22), Einschulung im Jahr 2002: Bei meiner Einschulung in die Jakob-Mayer-Schule an einem Samstag war die ganze Familie dabei. Der Rektor hielt eine Ansprache. Ich saß in der ersten Reihe. Dabei habe ich meine spätere Sitznachbarin kennengelernt. Wir wurden auf die Klassen aufgeteilt. Die Schultüte habe ich zu Hause ausgepackt. Da waren Süßigkeiten, Stifte und ähnliches drin. Wir haben mit der Familie und meiner Patentante zu Mittag gegessen.

Zur heutigen Einschulung von Nevio Scheunert aus Hettingen kommen Omas, Opas, Tanten, Onkel und Cousinen sowie die Uropas zum späteren Mittagessen. „Wir grillen im Garten, anschließend gibt es Kaffee und Kuchen und am Abend Gulaschsuppe“, sagt seine Mutter Bianca Scheunert. Die Schultüte für ihren Sohn ist bereits mit kleinen Geschenken und mit nützlichen Dingen für die Schule gefüllt. Bei einem Elternabend hatten die Eltern eine Packliste für den Schulranzen erhalten. Deshalb ist auch der Schulranzen schon vorbereitet. mb