Buchen

Umgang mit der Hitze Buchener Unternehmen und Behörden haben ihre ganz eigenen Strategien / Leichtere Kleidung hilft nur bedingt

Im Kampf gegen den Schweiß ist Kreativität gefragt

Kurzärmlige Kleidung? Gleitzeitregelung? Kostenfreies Trinken? Die Hitze macht allen zu schaffen – auch den Firmen und Behörden. Wie diese damit umgehen, klärten die FN in einer Umfrage.

Buchen. Auch bei Rekordtemperaturen kann die Arbeit oft nicht liegen bleiben und muss erledigt werden.

Von den Klassikern wie Durchlüften oder viel Wasser trinken, bis hin zu kreativen Lösungen wie Wassermelone für die Mitarbeiter war bei der Umfrage der FN in Buchen alles dabei.

„Selbstverständlich vertraut die Stadt Buchen ihren Mitarbeitern bei der Wahl der passenden Garderobe“, sagt Günter Ellwanger, Fachbereichsleiter Bürger- und Servicedienste der Stadt Buchen. Manchmal bringen sich die Mitarbeiter auch Ventilatoren von zu Hause mit oder der Personalrat spendiert ein Eis, um für Abkühlung zu sorgen. „Wir halten uns hier im Rathaus an die bewährten Regeln: morgens gut durchlüften und die Wasserflasche immer griffbereit haben. Die Kleidung darf luftig, aber gepflegt sein. Wir sind uns des Privilegs bewusst, nicht körperlich arbeiten zu müssen“, erklärt Ellwanger weiter.

Er denkt hierbei auch an die Mitarbeiter, die im Bauhof schwitzen müssen. Früher anfangen und dafür früher Feierabend machen – beim Bauhof klappt das nicht immer. „Das grundsätzliche Verschieben von Arbeiten in eine kühlere Wetterphase ist bei uns weniger möglich. Viele Arbeiten sind regelmäßig notwendig. Es wollen wahrscheinlich die wenigsten durch eine Stadt voller überquellender Mülleimer laufen“, veranschaulicht Thomas Schmidt, Leiter des Bauhofes, mit einem kleinen Augenzwinkern.

Die Bauhof-Mitarbeiter in der Asphalt-Kolonne werden schon mal mit Mineralwasser versorgt, denn das Tragen luftdurchlässiger und „angenehmer“ Kleidung ist aufgrund der Arbeitsschutzvorschriften nicht immer möglich.

Servicezeiten einhalten

Auch bei der AOK in Buchen öffnet man früh morgens die Fenster, bevor die Temperaturen steigen. „Die AOK stellt den Mitarbeitern momentan Wasser zur Verfügung, die Kleider dürfen kurzärmlig und luftdurchlässiger sein“, so der Pressesprecher Alexander Föhr. Er betont aber, dass die Kleidung weiterhin adäquat und den Unternehmensgrundsätzen entsprechend sein muss. „Auch müssen während der Öffnungszeiten stets genügend Mitarbeiter im Dienst sein, um die Abwicklung der Kunden und die interne Kommunikation zu gewährleisten“, so Föhr weiter.

Für die Stadtverwaltung in Buchen trifft dies ebenso zu. Man versucht – wie bei der AOK – mit Gleitzeitregelungen den Mitarbeitern die größtmögliche Flexibilität zu bieten. „Die Gleitzeitregelung wird in den Sommermonaten häufig so genutzt, dass ab 16 Uhr nur noch wenige Mitarbeiter im Rathaus anzutreffen sind, ausgenommen der Bürgerservice“, schildert Ellwanger seine Beobachtungen.

Legere Arbeitskleidung

Im Gegensatz zu anderen Jahreszeiten ist es für Thomas Borho derzeit schwieriger, einen Termin mit den Kunden in den Abendstunden zu vereinbaren. „Viele wollen ihren Abend einfach anders gestalten und verschieben die Termine entweder auf den Tag oder im Kalender nach hinten“, hält der Geschäftsstellenleiter einer Versicherung fest. Im Außendienst lässt er das Sakko und die Krawatte momentan im Schrank. Eine kurze Hose ist aber auch bei ihm tabu. „In der Branche kenne ich viele, bei denen ein langärmliges Oberteil weiterhin Pflicht ist. Gerade bei Tätowierungen an den Unterarmen wird oft kein Spielraum gelassen“, berichtet er über die Kleiderordnung.

Auch beim „Prinz Carl“ in Buchen hält man es in diesen Tagen mit der Anzugordnung etwas lockerer. „Aktuell tragen die Mitarbeiter kurzärmlige Oberteile“, so Karin Jaegle, die Inhaberin. Auf der Terrasse sind die Bediensteten den hohen Temperaturen dennoch ausgesetzt, aber auch die Innenräume sind nicht klimatisiert. Der einheitliche Look, bestehend aus schwarzem Oberteil und langer Hose, wird trotzdem beibehalten. Bei der Gebäudereinigungsfirma „Blitz“ werden derzeit nachmittags nur Innenarbeiten erledigt. „An Gebäudefassaden und bei der Außenreinigung von Fenstern sind meine Mitarbeiter in der jetzigen Wetterphase bis maximal 12 Uhr tätig. Dies wurde mit den Kunden besprochen und stieß durchweg auf Verständnis“, erklärt Firmenchef Muhammed Cakar. Die einheitliche Firmenbekleidung besteht bei seinem Unternehmen im Sommer generell aus kurzen Klamotten. Die Getränke sind auch bei ihm frei und sofern es die Situation zulässt, machen die Mitarbeiter früher Feierabend.

Auch bei den Bauarbeitern in der Innenstadt ist Flexibilität angesagt. Seit geraumer Zeit wird das Pflaster auf dem Weg vom Musterplatz zur Fußgängerzone erneuert. Teils haben sich die Bauarbeiter an die extremen äußeren Bedingungen angepasst. Es wird aber auch versucht, auf jeder Baustelle wieder entsprechende „Gegenstrategien“ zu entwickeln. „So machen wir uns bei dieser Baustellen die Umgebung zunutze und versuchen so oft wie möglich im Schatten der Häuser zu arbeiten“, beschreiben die Mitarbeiter der Firma „Tomac“ gegenüber den Fränkischen Nachrichten ihre Maßnahme.

Die Arbeiten werden so koordiniert, dass die wetterbedingte Belastung für die Mitarbeiter möglichst gering ist. Zudem werden manche Baumaßnahmen auf nicht so heiße Tage verschoben. Ab und zu beginnen die Mitarbeiter bereits um 5 Uhr zu arbeiten, so dass sie dann gegen 14 Uhr Feierabend haben. Eine Mütze gehört momentan genauso zur Ausrüstung wie möglichst luftdurchlässige Kleidung. Hierbei verweisen die Mitarbeiter aber darauf, dass sie stets im Konflikt mit Arbeitsschutzvorschriften stehen. „Momentan trinken wir sehr viel Wasser, welches wir in der jetzigen Hitzeperiode gestellt bekommen“, so die Mitarbeiter weiter.

Klimatisierung teils unmöglich

Auch Erdal Kalender, Inhaber des Kebabhauses „Happy“, berichtet von einer anstrengenden Zeit. „Meine Mitarbeiter und ich versuchen uns so gut es geht durchzubeißen, aber man kommt an seine Grenzen“, so Kalender. Manchmal hat er das Kebabhaus bei hohen Temperaturen schon ein bis zwei Stunden vor dem Ende der regulären Öffnungszeiten geschlossen. „Der Kundenandrang in der jetzigen Wetterphase ist unverändert, aber ich will meine Mitarbeiter nicht verheizen. Zum Glück zeigen die meisten Kunden Verständnis“, hält er erfreut fest. Eine Klimaanlage hat er nicht und aufgestellte Ventilatoren führten in der Vergangenheit häufiger zu Problemen: Die Mitarbeiter klagten über Verspannungen am Rücken, da die sich drehenden Flügelräder für einen dauerhaften Windzug sorgten. Im Gegensatz zu Restaurants ist die Küche bei Imbissen meist kleiner, die Anzahl an wärmeausstrahlenden Geräten aber ähnlich hoch. Kalender verweist darauf, dass nicht nur der Spieß, sondern auch die Theke, in der die Zutaten gekühlt werden, Wärme produziert. „Dadurch wird die Luft schnell stickig. Die Mitarbeiter trinken momentan fünf bis sechs Liter in der Schicht, zudem essen wir öfters eine Wassermelone“, beschreibt Kalender den Arbeitsalltag.

Ältere besonders betroffen

Ähnliches kann man über die Strategien beim Seniorenzentrum „Am Rühlingshof“ berichten. Die Räume werden von Mitarbeitern, sofern dies unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten möglich ist, überwiegend nachts gelüftet. Carmen Gramlich von der Heimleitung berichtet, dass es durchaus auch Gedankengänge über die Anschaffung von Klimaanlagen oder Ventilatoren gegeben habe. „Allerdings bekommen ältere Menschen schnell einen Zug, da das Empfinden meist weniger ausgeprägt ist. Daher wurden die Gedankengänge verworfen“, erläutert sie. Man versucht die Bewohner durch Kältekompressen und Umschläge abzukühlen.

Zudem lässt man regelmäßig lauwarmes Wasser über die Haut laufen und erhöht die Flüssigkeitszufuhr. „Der Kreislauf von älteren Menschen ist natürlich nicht mehr so stabil und meine Mitarbeiter sind aufgrund der hohen Temperaturen mit zusätzlichen Herausforderungen in der Pflege konfrontiert“, merkt Gramlich an. Häufiger bekommen die Bewohner Wassermelonen sowie Wassereis zur Abkühlung. Auch die Mitarbeiter dürfen davon kosten. Ihnen werden die Getränke aktuell kostenfrei zur Verfügung gestellt.