Buchen

Selbsthilfetag in Buchen 21 Gruppen sind in der Stadthalle aktiv / Das Motto lautet „Selbsthilfe macht stark!“

Informationen über Ziele und Aktivitäten

Buchen.Das Selbsthilfenetzwerk Neckar-Odenwald und die darin organisierten Gruppen veranstalten am Samstag, 27. April, einen großen Selbsthilfe-Informationstag. Es ist bereits die fünfte Jahresveranstaltung und große Gemeinschaftspräsentation dieses Netzwerks und seiner Mitgliedsgruppen. Schon die Kontinuität und die Mitgliederstärke dieses Netzwerks zeugen von der gewachsenen Kraft und Akzeptanz der Selbsthilfe in Deutschland und in der Neckar-Odenwald-Region. Wenn also am 27. April in der Stadthalle Buchen von 10 bis 16 Uhr 21 Selbsthilfegruppen aus der Region über ihre Ziele und Aktivitäten informieren, muss man nicht mit einer größeren Versammlung vom Schicksal gebeutelter und gebeugter Menschen rechnen, sondern kann davon ausgehen, Mitbürgern zu begegnen.

Etwa drei Millionen Menschen engagieren sich in den Selbsthilfegruppen in Deutschland. Dabei reichen die Themen, unter denen man sich in den Gruppen zusammenfindet und gegenseitig hilft von A, wie Alkohol, bis Z, wie Zöliaki, einer chronischen Systemerkrankung und lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Getreidearten. Nicht nur die Themen, zu denen man sich unter Betroffenen zusammenfindet, sind breit gefächert. Durch gewachsene Erfahrungen, Umsichtigkeit und vielseitige Kooperationen gelingt es vielen Selbsthilfegruppen inzwischen auch, den Nutzen für Mitglieder weiter zu mehren. Im Alphabet reicht dies dann ebenfalls oft von A wie Angstbewältigung bis Z wie Zutrauen in die eigene Kraft.

Nach Worten von Sigrun Ruck, die den im Jahr 2011 begonnenen Auf- und Ausbau des Selbsthilfe–netzwerks Neckar-Odenwald federführend organisierte, fanden alle bisher von dem Netzwerk durchgeführten Selbsthilfetage großes Interesse und wirkten positiv nach außen wie nach innen. Die Außenwirkung beschreibt Ruck als Abbau von Hemmschwellen. Sie führt dazu aus: „Von Krankheiten betroffene Menschen aus der Region können sich bei den Veranstaltungen an den für sie interessanten Ständen in zwangloser und offener Atmosphäre informieren, welche Erfahrungen ihre Leidensgenossen in den Selbsthilfegruppen machen. Diese zwanglose Form der Erstinformation steht natürlich auch für alle Angehörigen von Betroffenen und für alle anderen Interessierten offen.“ Es gebe auch beachtliche positive Innenwirkungen für die Mitglieder der Gruppen, die sich an den Selbsthilfetagen in Buchen präsentieren.

Beim Selbsthilfetag in Buchen stellen sich 21 der inzwischen mehr als 50 Selbsthilfegruppen des Selbsthilfenetzwerks Neckar-Odenwald vor. Darunter finden sich Themen wie Sucht, Blinden- und Sehbehinderte, verschiedene Krebskrankheiten, Rheuma, Parkinson und auch verwaiste Eltern, die mit dem frühen Tod ihrer Kinder konfrontiert wurden.

Als zentrales Element des Rahmenprogramms wird der Vortrag von Daniela Stotz von ProDialog Heilbronn erwartet. Die als Persönlichkeitscoach zertifizierte Beraterin spricht um 11.30 Uhr unter dem Titel „Mut zum eigenen Ich. Ich steh’ zu mir“ über Wege zur Bewältigung von Veränderungen (die Krankheiten mit sich bringen) und über die Freiheit, nicht immer das zu tun, was von einem erwartet wird.

Als „Tankstelle für die Lebenslust“ versteht sich das Galli-Theater aus Berlin. Das Ensemble zeigt ab 14 Uhr in „Die Süße des Lebens“, das Diabetes kein Zuckerschlecken ist, aber auch kein Grund zum Verzweifeln. Ganztägig kann man die Ausstellung „Selbsthilfe zeigt Gesicht“ besuchen. Die von Mitgliedern des Selbsthilfenetzwerks Neckar-Odenwald entwickelte Ausstellung fasziniert durch Mut zur Offenheit, Kraft und Optimismus in Lebenslagen, die derartige Haltungen nicht ganz einfach machen. Die Fotoausstellung karikiert mittels lebensgroßer Personenporträts unterschiedliche Probleme oder Krankheiten und setzt diesen Problemen ein starkes „Jetzt erst recht!“ entgegen. So sieht man beispielsweise einen Ex-Alkoholiker auf einem Flaschencontainer neben den Einwurflöchern sitzen. Sein Motto: „Ich habe oft genug erfahren, dass das Leben zum Wegwerfen zu kostbar ist.“

Alle in der Ausstellung dargestellten Personen geben in aufgedruckten Textpassagen ihre persönliche Erfahrung mit der Selbsthilfe wieder und beschreiben, warum diese gemeinsame Form der Problembewältigung für sie wichtig und richtig ist.

Einige Mitmachaktionen wie ein Kreuzworträtsel und ein Lesezeichen in Brailleschrift mit dem eigenen Namen unterstreichen die unterhaltsame und lockere Atmosphäre.