Buchen

Odenwaldklub Buchen Räume für einen Waldkindergarten im Wanderheim / Kein Zukunftskonzept für traditionsreichen Verein

Langsames Sterben des Klubs geht weiter

Archivartikel

Der Odenwaldklub Buchen besteht weiter und wird einen Teil seines Wanderheims für eine Waldkindergarten-Gruppe zur Verfügung stellen.

Buchen. „Fortbestand des Odenwaldklubs und die Nutzung des Wanderheims“ stand auf der Tagesordnung zur Mitgliederversammlung am Mittwochnachmittag. Rund 20 Senioren fanden sich im Wanderheim „Zum kleinen Roth“ ein. Und auch Bürgermeister Roland Burger nahm an der Versammlung teil.

Der 79-jährige Adolf Trunk, zweiter Vorsitzender des Vereins, wies auf die 120-jährige Geschichte des Klubs hin. Ihm standen bekannte Buchener Persönlichkeiten wie Horst Walter und Jakob Mayer vor. Der bisher letzte langjährige erste Vorsitzende, Hans Parth, war vor zwei Jahren gestorben. Seitdem ist diese Position vakant. Schon vor fünf Jahren wollte Parth sein Amt abgeben, behielt es jedoch, weil sich kein Nachfolger fand. Seitdem hat sich nicht viel geändert, außer dass die Mitglieder fünf Jahre älter geworden sind.

Erschließungsbeiträge fallen an

Trunk erinnerte in seiner kurzen Begrüßung an den Bau des Wanderheims im Jahr 2001. Man habe damals einen öffentlichen Zuschuss unter der Bedingung erhalten, dass man es mindestens 20 Jahre lang betreibe. Außerdem wolle die Stadt die Straße „Zum kleinen Roth“ noch in diesem Jahr ausbauen. Trunk rechnet damit, dass 5000 bis 6000 Euro an Erschließungsbeiträgen auf den Verein zukämen. Um dieses Geld zu erwirtschaften, benötige man die Mieteinnahmen für das Wanderheim von rund zehn Jahren.

Bürgermeister Roland Burger erinnerte an den versuchten Neustart des Vereins vor etwa fünf Jahren, der leider gescheitert sei. Er habe sich bei dem Odenwaldklub-Bezirksvorsitzenden Josef Eck aus Miltenberg informiert, wie es mit dem Odenwaldklub Buchen weitergehen könnte. Der Verein könnte einen Neustart vollziehen mit neuen Mitgliedern und einer neuen Vorstandschaft. Oder man fusioniere mit einem Nachbarverein. Und schließlich könne man sich auflösen. „Ich will mich aber nicht in die inneren Angelegenheiten des Odenwaldklubs einmischen“, betonte der Bürgermeister.

Konkretes Anliegen

Burger war mit einem konkreten Anliegen zu der Mitgliederversammlung gekommen: Die evangelische Kirchengemeinde möchte im Herbst eine Waldkindergartengruppe als Außengruppe des Kindergartens „Regenbogen“ einrichten. Dafür benötige man einen Rückzugsraum, der bei extrem schlechtem Wetter genutzt werden könne. In der Regel hielten sich die voraussichtlich 20 Kinder und zwei Erzieherinnen montags bis freitags zwischen 8 und 12.30 Uhr im Freien auf, auch bei Kälte und Regen. Nur wenn Gefahr drohe, zum Beispiel durch Sturm oder Schneebruch, bräuchte man einen beheizbaren Raum mit Wasseranschluss. Zwar hätten sich die Pfadfinder dazu bereit erklärt, sanitäre Anlagen und einen Raum für die Kindergartenkinder in ihrem Heim zur Verfügung zu stellen. Doch das Wanderheim wäre besser geeignet, da es bisher nur an Wochenenden genutzt würde. Die Stadt könnte auch einen Bauwagen mit einer Fläche von 22 Quadratmetern kaufen und am Waldrand aufstellen. Einschließlich Wasser- und Gasanschluss müsste die Stadt dafür 40 000 bis 50 000 Euro investieren. „Wenn sich der Odenwaldklub in zwei oder drei Jahren auflösen sollte und die Stadt das Wanderheim erhielte, hätte man sich das Geld sparen können“, sagte Burger.

Nach den Plänen der Stadtverwaltung würde man die Trennwände zwischen den beiden Übernachtungsräumen im Wanderheim entfernen. Auf diese Weise entstünde ein Gruppenraum mit rund 24 Quadratmetern Fläche. Außerdem würde man gern in zwei jeweils acht Quadratmetern großen Räumen einen Bollerwagen und Spielmaterial lagern. Die Kindergartengruppe würde die Toiletten und die Küche des Hauses mitbenutzen. Der große Gruppenraum des Heimes würde nur dem Odenwaldklub zur Verfügung stehen und könnte weiterhin vermietet werden. Allerdings würde das Heim nach dem Umbau nicht mehr über Übernachtungsmöglichkeiten verfügen.

Klaus Heller, Kindergartenbeauftragter der evangelischen Kirchengemeinde und bisher passives Odenwaldklub-Mitglied, appellierte an die Teilnehmer der Versammlung, dieser Doppelnutzung des Wanderheims zuzustimmen. „Ich halte einen Waldkindergarten für super“, sagte er. Seine drei Enkelkinder hätten bei Speyer eine ähnliche Einrichtung besucht. Da er zum Jahresende als Kirchengemeinderat ausscheide, könne sich der 74-Jährige vorstellen, anschließend aktiv im Odenwaldklub mitzuarbeiten. „Mir tut es in der Seele weh, wenn ich uns Alten und keine Jungen hier sitzen sehe“, sagte er.

Gespräche mit Stadtverwaltung

Dann stimmte die Versammlung auf Antrag von Bürgermeister Burger über die Nutzung des Wanderheims ab. Einstimmig beauftragte man die Vorstandschaft damit, die Details zum Umbau und die Bedingungen für die Nutzung durch eine Waldkindergartengruppe mit der Stadtverwaltung zu besprechen. Dann endete die Mitgliederversammlung plötzlich, ohne offiziell geschlossen worden zu sein. Über die Zukunft des Vereins wurde nicht diskutiert. Wie Adolf Trunk auf Anfrage mitteilte, wolle man den Verein so lange wie möglich weiterlaufen lassen. Neuwahlen wären eigentlich schon überfällig.