Buchen

90 Jahre SV Rot-Weiß Waldhausen Bei Festakt auf die abwechslungsreiche Geschichte des Vereins geblickt

Manfred Weber voller „Freude und Stolz“

Stimmungsvoll, entspannt und kurzweilig – kurz: Rundum gelungen war das Festbankett des SV Rot-Weiß Waldhausen anlässlich des 90-jährigen Vereinsbestehens.

Waldhausen. Begonnen haben die Festivitäten zum 90-jährigen Bestehen des SV Rot-Weiß Waldhausen mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Michael. Margit Schölch und Gerda Mohr vom Pfarrgemeindeteam haben diesen hervorragend vorbereitet, gestaltet und auch durchgeführt. „You never walk alone“, die Fußballhymne des FC Liverpool und der Borussia aus Dortmund, im Original 1963 von Gerry & the Pacemakers gesungen, diente als Anker und Verknüpfung zwischen einem Leben im Glauben und dem Fußballspiel.

Der Festakt im Festzelt, moderiert vom Vorsitzenden des Fördervereins des SVW Wolfgang Lindenmaier, wurde mit dem gemeinsam gesungenen Fußballlied „Wer hat die Welt so schön gemacht“ eröffnet. Die beiden Vorsitzenden des SVW, Alexander Leix und Adrian Weber, begrüßten dann im Wechselspiel die Vereinsmitglieder und hier insbesondere die Ehrenmitglieder sowie die Gäste. Aus gesundheitlichen Gründen konnte der Ehrenvorsitzende des SVW Alfons Schellig nicht teilnehmen.

Festschrift übergeben

Es folgte die Übergabe der Festschrift durch Heiko Bauer von der Druckerei Henn & Bauer aus Limbach. Bauer, selbst ehemaliger Fußballer des SVW und immer noch Vereinsmitglied, ging kurz auf den Entstehungsprozess der Festschrift ein, ehe er das erste Exemplar offiziell an Wolfgang Lindenmaier übergab. Den Reigen der Grußworte eröffnete Ortsvorsteher Dieter Weber. Gerade die Vereine, so Weber, machen das Leben in den Dörfern und natürlich auch in Waldhausen interessant und lebenswert. Und hier gehe der SV Rot-Weiß seit nunmehr 90 Jahren mit gutem Beispiel voraus. Dass ausgerechnet im Jubiläumsjahr Meisterschaft und Aufstieg gefeiert werden könne, freue ihn besonders.

„Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.“ Diesen Satz der „tschechischen Lokomotive“, Emil Zapotek, Olympiasieger und Weltrekordler im Langstreckenlauf, stellte Bürgermeister Roland Burger als Bezugspunkt an den Anfang seiner Grußworte. In Waldhausen „bewege“ man sich seit 1928 nicht nur privat, sondern auch im Verein. Diese Bewegung sei heute noch sehr viel wichtiger als vor 90 Jahren, als der Sportverein von und mit dem damaligen Pfarrer Guthmann gegründet wurde. Der Sport sei ein wichtiger Aspekt, aber die Gemeinschaft, der Teamgeist sei die Komponente, die aus allem ein „rundes Ganzes“ mache und auch andere Aktivitäten habe wachsen lassen wie das Theaterspiel oder die Freundschaft mit Menschen aus dem ungarischen Komitat Vas. Der SV Rot-Weiß Waldhausen ist mit 320 Mitgliedern der größte Verein in Waldhausen und leiste wichtige Beiträge zur Lebensqualität im Dorf.

Im Namen des Badischen Fußballverbandes und des Fußballkreises Buchen gratulierte Fußballkreisvorsitzende Klaus Zimmermann zum Jubiläum und wünschte weiterhin sportlichen und gesellschaftlichen Erfolg. Dieses Jubiläum setze einen Meilenstein in der Sportgeschichte Waldhausens und es ist ein Moment, innezuhalten, zurück zu schauen und Dank zu sagen all den Ehrenamtlichen, die sich im Verein und für den Fußballkreis in der Vergangenheit in vorbildlicher Weise engagiert haben. Es folgte der erste Auftritt des Gesangvereins Liederkranz Waldhausen mit den beiden Liedern „Hallelujah“ und „Welch ein Geschenk ist ein Lied“, ehe der langjährige Vorsitzende des SVW, Manfred Weber, zu der mit Spannung erwarteten Festansprache ans Mikrofon ging. „90 Jahre SV Waldhausen, auf dieses Jubiläum können wir alle stolz sein“, so eröffnete Weber, ehe er rückblickend in seiner Rede zahlreich Höhepunkte, Erlebnisse, aber auch ganz persönliche Anekdoten in Erinnerung rief. Er ging auf die schwierigen Jahre der Vereinsgründung bis zum Vereinsverbot durch die Nationalsozialisten ebenso ein, wie auf den Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg.

Sporthalle eingeweiht

Ein Höhepunkt war im Juli 1972 die Einweihung der neuen Sporthalle. Waldhausen war zu diesem Zeitpunkt noch eine eigenständige Gemeinde und der damalige Bürgermeister Haag habe mit dem Gemeinderat Weitsicht mit dem Bau der Sporthalle bewiesen. Es begann damit eine neue Ära des sportlichen und kulturellen Lebens in der Gemeinde und seinen Vereinen. Weber ging dann auf die sportlichen Erfolge der kommenden Jahre ein: 1975 erster Sieger im neu geschaffenen Stadtpokal, 1984 Meisterschaft in der Bezirksliga und 1987 Meister der Landesliga Odenwald und Aufstieg in die Verbandsliga Nordbaden.

Ein absolutes Highlight war im gleichen Jahr das Spiel gegen den MFV Mosbach das vor der Rekordkulisse von ca. 2000 Zuschauern ausgetragen wurde, sowas hatte der Verein in all den langen Jahren noch nicht erlebt. Es blieb leider beim einjährigen Gastspiel, was auch nicht überraschend war. Erwähnenswert war für Weber auch die Tatsache, dass beim Spiel gegen den KSC II im Kader der gegnerischen Mannschaft Spieler wie Oli Kahn, Mehmet Scholl und Michael Sternkopf dabei waren. Der 20. September 1992 war ein schwarzer Tag für Weber und den gesamten Verein. Bei einer Bergtour im Tannheimer Tal auf der Landberger Hütte verunglückte Ehrenmitglied Adolf Kapaun tödlich. In seiner Werkstatt war Treffpunkt für Jung und Alt und viele Punkte wurden dort zwischen Stoffen, Lederwaren und Kassenbüchern besprochen.

Dem Abstieg aus der Verbandsliga folgten dann in den kommenden Jahren auch die Abstiege aus der Landes- und später der Bezirksliga. Beim Sportfest 1999 wurde erstmalig mit großem Erfolg ein Beachvolleyballturnier von Wolfgang Lindenmaier organisiert und durchgeführt. Klaus Keilbach war ein Jahr später Ideengeber und Motor eines Eselrennens.

Sein abschließender Blick auf die aktuelle Vereinssituation erfülle ihn mit Freude und Stolz, so Weber. In der Jugendarbeit gehe es nach Jahren der Stagnation aufwärts, die F-Jugend wurde Staffelmeister und die erste Mannschaft sei ja als Meister in die Kreisliga aufgestiegen. Anschließend bat Weber die anderen Ehrenmitglieder auf die Bühne und gemeinsam überreichten sie unter dem Applaus der Festgäste dem Verein eine Ehrenschleife für die von den 1978 von den Gründungs- und Ehrenmitgliedern gestiftete Standarte.

Die beiden Vorsitzenden Alexander Leix und Adrian Weber sowie ihre Stellvertreter Heinrich Haber und Nicole Benz-Schüßler hatten dann die angenehme Aufgabe insgesamt 31 Vereinsmitglieder für langjährige Vereinszugehörigkeit zu ehren. Mit der Vereinsehrennadel in Bronze für über zehn Jahre aktive Mitarbeit im Verein wurden Patrick Henn, Manuel Mairhofer, Reinhard Mairhofer und Daniel Schwab geehrt. Dieselbe Auszeichnung für über 25 Jahre passive Vereinszugehörigkeit erhielten Margot Axmann, Regina Egenberger, Renate Ernst, Maria Martin, Gertraud Münch, Sigrid Ohnhäuser, Regina Schäfer, Agnes Schellig, Anette Schellig, Michael Schellig, Matthias Schmitt und Gerlinde Scholl. Mit der Vereinsehrennadel in Silber für über 15 Jahre aktive Mitarbeit im Verein wurden Michael Egenberger, Daniel Schellig, Maximilian Schnorr und Adrian Weber geehrt. Dieselbe Auszeichnung für über 40 Jahre passive Vereinszugehörigkeit erhielten Antonia Arnold, Manfred Baumbusch und Adolf Weingessl. Die Vereinsehrennadel in Gold für über 50 Jahre Vereinstreuer erhielten Rudi Ballweg, Hubert Frank, Helga Halbaur, Wolfgang Kerber, Gebhard Noe, Bruno Schellig, Hermann Straub und Wolfgang Zehr. Alle Geehrten erhielten neben der Vereinsehrennadel und der Urkunde die neue Festschrift als kleine Anerkennung.

Für die örtlichen Vereine sprach Dieter Weber in seiner Funktion als Vorsitzender des Heimatvereins Waldhausen 2006 dem SVW die Glückwünsche aus und lobte insbesondere die gute Zusammenarbeit zwischen den Vereinen und mit der Gemeinde. Für die Nachbarvereinen VfB Heidersbach und FV Laudenberg gratulierten deren Vorsitzende Achim Rhein und Cindy Hüsken. Die gute Zusammenarbeit der drei Vereine komme nach ihren Aussagen auch in der Spielgemeinschaft der drei Vereine in der Kreisliga B zum Ausdruck.

Der zweite Auftritt des Gesangvereins Liederkranz Waldhausen mit den beiden Liedern „Schau auf die Welt“ und „Als Freunde kamen wir“ leitete den Schlussakt der Veranstaltung ein.

Wolfgang Lindenmaier blieb es als Moderator vorbehalten das Fußballlied „Wer hat die Welt so schön gemacht?“ und die Vereinshymne „Rot und weiß wie lieb ich dich“ anzustimmen, mit der der offizielle Teil des Abends zu Ende ging.

Der Band „Mahlwerk“ aus Einbach gelang es anschließend mit einer über vierstündigen Livemusik – ohne jegliche Pause – die gute Stimmung bis weit nach Mitternacht auf dem Siedepunkt zu halten. woli