Buchen

Kurt Henn feiert heute seinen 80. Geburtstag Jubilar bezeichnet Sport, Gesang, Beruf und Familie als wichtigste Säulen in seinem Leben

Mit dem „Henne Kurt“ ist immer und überall zu rechnen

Buchen.Sportler, Vereinsmensch, Ur-Buchener: Am heutigen Samstag feiert ein Mann seinen 80. Geburtstag, mit dem immer zu rechnen ist. Die Buchener nennen ihn „Henne Kurt“.

Wer mit Kurt Henn über sein Leben spricht, erhält Einblick in ein Buchen, das für jüngere Generationen kaum vorstellbar ist. Im Jahr 1946, im Alter von acht Jahren, begann er, Fußball zu spielen. Damit zählte er zu den Jüngsten und kickte, mangels Mannschaft in seiner Altersstufe, bei der C-Jugend mit. Trainer war damals Adolf Häfner, „ein fantastischer Sportsmann“. Zu den Auswärtsspielen fuhr man mit dem Fahrrad. Trikots und Kickschuhe besaß man damals noch nicht

Als er im selben Jahr mit dem Turnen anfing, trainierte ihn der 85-jährige ehemalige Aktuar Wittemann. Statt über eine Sporthalle verfügte die Stadt über einen zehn auf zehn Meter großen Übungsraum hinter dem ehemaligen Rathaus in der Dr-Konrad-Adenauer-Straße. Weil der Stadt das Geld für eine Sporthalle fehlte, errichtete der TSV Buchen im Jahr 1954 unter seinem damaligen Vorsitzenden Josef Seitz die heutige TSV-Sporthalle. Auch der 16-jährige Kurt Henn baute mit.

Schutzengel dabei

Als Leichtathlet nahm Kurt Henn schon in jungen Jahren an regionalen und überregionalen Sportfesten teil. Viele Sportunfälle prägten seine sportliche Laufbahn. Unter anderem erlitt er beim Fußballspielen auf einem Hartplatz in Walldürn einen Schädelbasisbruch. Beim Turnen stürzte er so schwer, dass er eine halbe Stunde das Bewusstsein verlor. „Ich hatte immer einen Schutzengel bei mir“, sagt Kurt Henn. „Dafür danke ich Gott.“

Seinem TSV Buchen ist er schon seit 72 Jahren treu. Zwei Jahrzehnte lang trainierte er Jugendfußballmannschaften von der C- bis zur A-Jugend. Seit dem Jahr 1988 kümmert er sich als Mitglied des Vorstands besonders um den baulichen Erhalt der TSV-Sporthalle. Über 30 Mal erwarb er das Sportabzeichen in Gold. Nach seinem 80. Geburtstag will er es ein weiteres Mal ablegen.

Als Ministrant spielte der Jubilar mit den Kaplänen Fußball oder spaltete für sie Holz. „Mein Leben ruht auf vier Säulen“, sagt der Jubilar. „Sport, Gesang, Beruf und Familie.“ Dem MGV „Liederkranz“ Buchen trat Kurt Henn im Jahr 1963 bei. Er zählte damit zu den Wartbergspatzen der ersten Stunde, jenem Fastnachtsmännerchor, der bis heute das Publikum bei der Hallesitzung der Buchener FG „Narrhalla“ begeistert. Und auch heute singt er noch im Männer-Konzertchor „Cantus M“. Nach einer Ausbildung zum Vermessungstechniker war Kurt Henn zunächst 20 Jahre lang beim Flurbereinigungsamt Buchen angestellt. „Meine Liebe zu meiner Heimatstadt hat mich zur Stadtverwaltung gezogen“, sagt er.

„Schöne Zeit“

30 Jahre lang arbeitete er im Buchener Bauamt in den Bereichen Bauleit- und allgemeine Planung. „Das war eine arbeitsreiche, aber schöne Zeit“, erinnert er sich. Im Laufe der Jahre habe sich ein besonderes Vertrauensverhältnis zu dem damaligen Bürgermeister und heutigen Ehrenbürger Josef Frank entwickelt. „Mit Buchen ging es wieder aufwärts, und das war wichtig für unsere Stadt. Mein Wesen war es immer, in der zweiten Reihe zu agieren“, betont er.

Vater nicht erkannt

Kurt Henn wurde am 9. Juni 1938 in eine schwierige Zeit hineingeboren. Bald brach der Zweite Weltkrieg aus. Sein Vater wurde zur Wehrmacht eingezogen. Auch in Buchen gab es Luftschutzalarm, und Kurt musste als kleiner Bub in den Keller rennen. Als sein Vater im Jahr 1946 von der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, begegnete Kurt ihm, als er zur Schule ging. Keiner erkannte den anderen. Man hatte sich jahrelang nicht gesehen. „Kurt, weißt du nicht, wer das ist?“, fragte ihn daraufhin die Frau von „Kamerad“ Seitz. „Das ist doch dein Vater!“. Aufgrund erlittener Kriegsschäden starb Kurt Henns Vater schon im Jahr 1955.

Zwei Söhne, vier Enkelkinder

Im Jahr 1963 heiratete Kurt seine Inge. Zwei Söhne kamen zur Welt, später vier Enkelkinder. Den Verlust seiner Frau, die im Jahr 2010 starb, hat Kurt Henn bis heute nicht verwunden.

Der Jubilar ist in 20 Buchener Vereinen Mitglied, wenn auch in vielen nur passiv. Beim Bleckerclub bekleidet er seit Jahrzehnten das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden. Mit seinem ausgeglichenen Wesen und seiner neugierigen, aber unaufdringlichen Art zeigt er reges Interesse am gesellschaftlichen und politischen Leben seiner Heimatstadt. Und mit seiner Meinung hält er nicht hinterm Berg – mit einem Kommentar vom „Henne Kurt“ ist immer zu rechnen.

Kurt Henn feiert seinen Geburtstag im TSV-Sportheim. Dort ist er heute ab 11 Uhr zu erreichen. mb