Buchen

Badische Landesbühne in Buchen „Der tolle Tag oder: Figaros Hochzeit“ von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais im Museumshof präsentiert

Mix aus Witz, Esprit und Situationskomik

Archivartikel

Es muss ja nicht immer ein Drama sein. Die Badische Landesbühne bot mit „Der tolle Tag oder: Figaros Hochzeit“ im Museumshof eine Symbiose aus Witz, Esprit und rasanter Situationskomik.

Buchen. Nachdem sich der ganze Einfallsreichtum der BLB-Macher bereits im pfiffigen Intro mit Zitaten zeitgenössischer Polit-Größen von Klaus Wowereit bis hin zu Angela Merkel zeigte, kommen Figaro (Markus Hennes) und Susanne (Sina Weiß) zur Sache. Denn beide wissen am Morgen des Hochzeitstags, was sie wollen – sie wollen die Liebe des anderen. Verliebt und verlobt sind sie schon, aber (noch) nicht verheiratet. Was Graf Almaviva (Stefan Holm) genau in den Kram passt: Zu gern würde er Susanne begehren. Das bleibt ihr nicht verborgen: „Er hat es nicht auf seine Frau abgesehen, sondern auf deine Braut“, beichtet sie Figaro.

Des Grafen Diener ist entsetzt: Ausgerechnet der alte „Samenbankier“ hat Interesse an seiner Herzdame! Aber Gemach – Susanne liebt nur Figaro. Wenn er auch manchmal übertreibt. „Wann hörst du auf, den ganzen Tag von Liebe zu reden?“, fährt sie ihn an. Seine Antwort spricht Bände: „Wenn ich sie dir den ganzen Tag beweisen kann“, schmachtet er. Aber es gibt ein weiteres Problem – und zwar eines aus Fleisch und Blut: Es zählt 70 Lenze und pocht auf die Erfüllung eines Schuldscheins, gemäß dem Figaro sie zu heiraten hat, weil sie ihm dereinst Geld lieh – et voilà, die Haushälterin Marcelline (Evelyn Nagel). Doch keiner sieht in ihr eine Gefahr, auch nicht Susanne: „70 und noch so geil“, ächzt sie und startet eine Kissenschlacht im gräflichen Schlafgemach, die von Almaviva höchstpersönlich gestört wird. Hilflos versteckt sich Figaro und muss erfahren, dass der Graf als Botschafter nach London bestellt werde und er ihm dorthin folgen solle. Auf dem Bett kommt es zu eindeutig zweideutigen Szenen, in die der einfältige Schwerenöter Basilio (Tobias Karn) hineinplatzt: Nun ist Susanne mit drei Männern in einem Zimmer, deren Herzen für sie schlagen – was für ein schwerer Sittenverstoß! Und der Graf möchte mit aller Macht in Susannes Herz landen. Dafür wäre er bereit, das längst abgeschaffte Recht der ersten Nacht wieder zu vollstrecken.

Ereignisse überschlagen sich

Die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen. „Je verwickelter die Intrigen sind, umso besser“, ruft Figaro. Er weiß, wovon er spricht; immerhin sei an ihm ein Politiker verloren gegangen. Derweil linst Gräfin Rosine Almaviva (Cornelia Heilmann) mit schweren Blicken auf die verlorene Zweisamkeit. „Er liebt mich nicht mehr“, sagt sie über ihren Mann.

Nicht zu bremsen ist dafür der „Käfer des Grauens“ alias Marceline, der in Doktor Bartolo (David Meyer) einen Bruder im Geiste findet. Er hat mit Figaro noch ein Hühnchen zu rupfen. Kaum wird Cherubin in Frauenkleider gesteckt und türmt aus dem Fenster, stapft ein etwas angeheiterter Geselle in den Palast: „Gärtner mein Name, Antonio mein Beruf“, stellt sich der hemdsärmelige Hofbotaniker (Martin Behlert) vor und moniert die Verwüstung seines geliebten Gartens. Der Vater der reizenden Fanchette (Nadine Pape) ist sich seiner sicher: Eine dicke Ente habe die Blumen dem Erdboden gleich gemacht. Oder war es doch ein Geier mit Perücke? Ein blondes Haarteil jedenfalls hält er als Beweis in der Hand. Klarer Fall: Es gehört Cherubin, dessen Motto „lieber ein falsches Mädchen als ein echter Held“ lautet.

Eifersucht und Misstrauen

Während der ganze Hofstaat sich allmählich vor Eifersucht, Misstrauen, wiederkehrenden Gefühlswirren und großer Angst mit den Zeigern der Uhr im Kreise zu drehen beginnt, gibt der gewiefte Figaro erst richtig Zunder und spinnt eine Intrige nach der anderen. Sein riskantes Spiel bringt ihm Glück – Susanne bleibt ihm erhalten. Doch auch dem gepeinigten Grafen Almaviva ist Fortuna zugetan: Eitel Sonnenschein herrscht spätestens, als sein Gnadengesuch von Gräfin Rosine angenommen wird.

Wenngleich die Stückauswahl der Spielzeit „Das bin alles ich?“ im Nachgang nicht durchweg als Glücksgriff bezeichnet werden kann, so stimmte die Badische Landesbühne mit „Figaros Hochzeit“ auch Kritiker wieder versöhnlich. Das tat sie mit bestens aufgelegten Darstellern, fantasievoller Requisite, sowie allen dramaturgischen Zutaten für einen Theaterabend der Extraklasse: Witz, Esprit und jede Menge rasanter Situationskomik. Denn wie war das doch gleich? Genau: Es muss ja nicht immer ein Drama sein.